War was?

:: Die Woche :: 04.07. - 10.07.2008

Armutsgefährdungsquote - Piesepampelkulisse - Einbürgerungstestfragenkatalog - Weltwirtschaftsgipfelsprachnuancen – Atomaustiegsgerangel - Tour-de-France-Hoffnung

Was soll uns die neue „Armutsgefährdungsquote“ sagen? Dass jeder achte Deutsche „von Armut bedroht“ ist? Oder, dass es „relativ ausgeglichen und gerecht“ zugeht in Deutschland? Dass das Risiko arm zu werden, in Deutschland bei 13 Prozent liegt, verlautbart eine frisch veröffentlichte Untersuchung der EU. Doch mutiert die Auslegung in merkwürdige Zahlenspielereien. Weil die statistische Basis der Berechnung in den verschiedenen Ländern eine andere und dadurch eine fragwürdige ist. Wodurch ein Ergebnis entsteht, in dem die relative Armut in Grossbritannien, Spanien und Italien höher ist als die in Rumänien und Bulgarien. (Und so fragt sich mancher: „Warum wandern so viele Rumänen und Bulgaren nach England oder Spanien aus, wenn sie dort ebenso viel oder gar mehr Armut erwartet?“) Nein, wirkliche Armut herrscht in Deutschland wohl nirgends. Am Ende kreist alles  um die Frage: Was ist eigentlich „arm“? Und was ist eigentlich „reich“?

 

Was ein Piesepampel ist, haben sich dieser Tage auch viele gefragt. Weil solche nämlich vor dem Brandenburger Tor Reden halten dürfen. Sagt Westerwelle. Und deshalb soll es auch der Obama dürfen. Wenn es nach der FDP geht. Der CDU ist aber nicht so wohl dabei. Weil das nach Wahlkampf-Schützenhilfe riecht. Und man ist doch in der Union für den McCain. Doch wahrscheinlich geht es wieder nach Wowereit. Und so kann der angehende US-Präsidentschaftskandidat schon mal am 25.Juli auf JFK machen. Sommertheater...Vorhang auf.

 

Der Einbürgerungstest ist da. Ab 1. September ist er – neben anderem - bundeseinheitlich Voraussetzung für den, der einen deutschen Pass möchte. Und wird bereits heftig kritisiert. „Wie Deutsch sind Sie?“ werden sich jetzt sicher auch viele Deutsche fragen. Interessant wäre in der Tat zu erfahren, wie viele den Test bestünden. Denn wissen sollte man den Großteil der Antworten schon...oder? Von 33 Fragen (aus einem Gesamtkatalog von 310 – ausgetüftelt von der Humboldt-Uni) müssen 17 richtig beantwortet werden. Der Test kann beliebig oft wiederholt werden. Die Fragen werden alle vom Bundesinnenministerium veröffentlicht, jeder kann sich vorbereiten. Der baden-württembergische Gesinnungstest hat da mehr Aufregungspotenzial

 

Die Weltwirtschaftsgipfler sind auf dem Weg nach Hause, ein weiterer Politzirkus geht zu Ende, und das Ergebnis muss mal wieder im Kleingedruckten gefunden werden. Die großen Acht „beschworen Visionen“ zur Treibhausgas-Reduzierung, „äußerten sich besorgt“ über die Energie- und Lebensmittelpreise und „bekräftigten“ alte Verpflichtungen zur Entwicklungshilfe. Es wird mittlerweile zur Kunst, zu unterscheiden, was mit solchen Formulierungen gemeint ist, und dass „eine gemeinsame Vision zu haben“ eine stärkere Zusage beinhaltet als etwas zu „erwägen“. Für fast symptomatisch mag man es halten, dass am Ende des G-8-Gipfels in Toyako Merkel die Zusage des EU-Kommissionspräsidenten Barroso von einer Mrd Euro Finanzhilfe für Entwicklungsländer zurückpfeift - indem sie sagt: „Darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“. Und so verkommt der G-8-Gipfel zu einem Treffen von „Handlungsunfähigen“ mit „wenig Substanz“. Man sieht sich nächstes Jahr in Kopenhagen wieder. Wenn es heißt: Ring frei zur UN-Klimakonferenz.

 

Wer Klimaschutz sagt, kommt mittlerweile nicht mehr am Thema Atomkraft vorbei. Und das selbst oder gerade in Deutschland, wo alle dachten, der Atomausstieg sei längst beschlossene Sache. Plötzlich weicht sogar die SPD ihre Position auf. Auch angesichts der steigenden Energiepreise. Spätestens wenn einmal nur mit Hilfe des Atomstroms die Energiegrundversorgung gesichert werden kann, werde die Atomkraft ohnehin „ur-sozialdemokratisch“, stichelt es schon aus mancher Feder. Da wird es noch gehörig Funken schlagen. Denn die deutsche Kernkraftdebatte ist ideologisiert wie in keinem anderen Land. Hier wie dort.

 

Ein Deutscher im gelben Trikot und keiner jubelt? Im „Problemfall“ Schumacher mischen sich Freude mit Unbehagen, und so wurde es eine „Krönung mit Kratzern“. Die Tour de France ist vergangenen Samstag ganz leise gestartet und kämpft wie Schumacher um Glaubwürdigkeit.