War was?

:: Die Woche :: 04.12. - 10.12.2009

Londoner Boni-Banker - Kopenhagener Klima – Dubaier Zocker – Stuttgarter Versprechungen

Da laufen jetzt in London die Telefondrähte heiß. Die Bonuszahlungen der Banker werden in Großbritannnien ab sofort mit einer 50%igen Sondersteuer belegt. Ein Überraschungscoup. Damit will die Labourregierung ganz pragmatisch den Volkszorn besänftigen. Viel wurde darüber geredet, dass die Zahlungen längst unanständige Höhen erreicht haben und Mitverursacher der Krise sind. Doch wirklich rangetraut hatte sich niemand. Bis jetzt. Brown und Darling bleiben trotz Wutgeschrei ganz kühl und nüchtern. Und rufen Fragen in Erinnerung, die schon so lange durch die Köpfe geistern. Müssen wirklich so hohe Boni gezahlt werden, um gute Leute zu halten? Ist der Erfolg einer  Bank heute tatsächlich von astronomischen Gehältern abhängig? Oder hat Schatzkanzler Darling recht, wenn er die Banken an ihr Kerngeschäft erinnert, Kredite zu vergeben? Schon wird eine Massenflucht an die Wand gemalt, die nun aus London zu befürchten sei. Na, wo wollen sie denn alle hin, die Boni-Banker? Frankreich liebäugelt bereits mit derselben Boni-Steuer. Auch Merkel findet die Idee „charmant“. Trotzdem setzt sie lieber auf die Selbstverpflichtung, die Joe Ackermann und Co. ganz zufällig jetzt schnell aus dem Hut zaubern.

 

Den Friedensnobelpreis hat er erhalten, eine kluge beeindruckende Rede gehalten – aber das ist nunmal „kein Preis fürs Redenhalten“, sondern für Taten. Und deshalb ist Obama nicht ganz glücklich gewählt. Angesichts seiner Truppenaufstockung im Krieg in Afghanistan spaltet Obama mehr denn je und lässt manche irritiert zurück mit der Frage: Darf man noch für Obama schwärmen? Oder sind wir nur alle dem Irrglauben aufgesessen, einer wie Obama könne erhaben und kompromisslos über allen Konflikten und Sachzwängen schweben? Sein letzter Zaubertrick in Sachen Umweltschutz ist ein Beispiel dafür, wie schwierig es ist, unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Riskant bleibt der Coup allemal. Und Streit ist vorprogrammiert beim Klimawandel, einem Thema, das prädestiniert ist für Horror-Szenarien wie Verharmlosungen gleichermaßen. Die Wahrheit liegt bekanntlich in der Mitte. Und was Klimaschutz im Alltag bedeutet, weiß nur, wer es schon ernsthaft versucht hat. Weshalb nur auf die freiwillige Leistung Einzelner zu setzen, statt auch auf kollektiven Verzicht, scheitern hieße. Deshalb brauchen wir nicht nur Obama, sondern alle gemeinsam in Kopenhagen. Und deshalb wedelt die EU nun den Entwicklungsländern mit dem Geld vor der Nase.


Das Superparadies war überdimensioniert. Jetzt ist Dubai pleite. Dubai, das ist Dubai World, künstliche Palmeninseln, glitzernde Shopping-Malls, Wolkenkratzer und Luxushotels mit Hubschrauberlandeplatz auf 200m Höhe – eine künstliche Oase in der Wüste mit hochfliegenden Plänen. Das Emirat war einst „Geldmaschine für jedermann“. Heute ist es Sanierungsfall. Dubai wollte von der „Droge Öl“ wegkommen, um dann bei der „Droge Immobilien“ bruchzulanden. Nun schwelt die Angst vor den Folgen für die Nachbarstaaten und die Finanzmärkte. Die Krise kommt nicht wieder. Vielmehr war sie nie weg.


Breitband für alle“ sowie „alles wird besser“ beherrschten als Motto den 4.IT-Gipfel in Stuttgart. Rainer Brüderle hatte seinen ersten großen Auftritt. Und die Kanzlerin strahlte in die Kameras ihr unermüdliches Lächeln, die „symbolische Bedeutung“ der Informationstechnik beschwörend. Wenn das mal nicht in die Hose geht. In der Vergangenheit belächelt, soll der IT-Gipfel plötzlich als Retter und Jobmotor aus der Krise herhalten. Und hier ist die Tradition des „Versprochen und gebrochen“ besonders ausgeprägt. Lassen wir vorerst mal besser die Kirche im Dorf und das Kabel am Rechner.