War was?

:: Die Woche :: 05.06. - 11.06.2009

Berloduci hat Besuch - Was macht eigentlich Mugabe - Tief, tiefer, tiefensee - Vote for your gender

Nachdem Berlusconi von den tagespolitischen Seiten der Zeitungen und Magazine verschwunden war und auf den Panorama- und Nachrichten-aus-aller-Welt-Seiten wieder auftauchte, ging ein Aufatmen durch die europäische Öffentlichkeit. Soll Silvio Italien kaputt machen, wie es ihm beliebt. Nur lass er bittschön die Finger von der europäischen Politik. Nur Berloduci wäre nicht der selbstverliebte Hedonist, würde er sich das eine oder andere politische Fastfoodfressen entgehen lassen. Also: Silvio lud ein - und es kam Muammar al-Gaddafi. Der Anlass war das schon im letzten Jahr unterzeichnete Abkommen, mit welchem sich Italien von seiner kolonialen Vergangenheit in Libyen loskaufen wollte (und geschätzte 3 Mrd. Euro gekostet hatte). Dass aber Libyens Staatschef die Klaviatur der Inszenierung seiner selbst und der einen oder anderen politischen Idee meisterlich beherrscht, war dem singenden Helden der Bunten Blätter offenbar vollkommen entgangen. Und so traf Champions League auf Kreisliga im Austausch der populistischen Bedeutsamkeiten. Ansonsten war es ein ausgesprochen faires Freundschaftsspiel, bei dem der Ball der Gefälligkeiten immer wieder im Steilpass hin und her gespielt wurde. Migration? Menschenrechte? Asylrecht? Pah, die Italiener sind prima, Gaddafi ist super. Und die Probleme dieser Welt - die sind hausgemacht. Von wem auch immer. Und außerdem: Den Tüchtigen ist das Glück immer hold. Jedenfalls kann Berlusconi die 3 Mrd. Euro wahrscheinlich bald mit US-amerikanischen Staatsanleihen begleichen.

 

Wie über Muammar al-Gaddafi lässt sich über Herrn Mugabe sagen: er lebt. Der alte Mann erfreut sich steter Gesundheit, obschon er sich trotz erstklassiger, medizinischer Betreuung, ein bisschen Zaubermannmagie und natürlich dem Jungbrunnen sexueller Beweglichkeit auf dem absteigenden Ast befindet. Zuerst einmal wäre da die quasi postpubertäre Anwandlung der Farmervertreibung. Da Menschen in hohem Alter wieder auf ihre jugendliche Wertemaßstäbe zurückfallen, könnte man auch von vorpubertären Blutgelagen sprechen, wären da nicht die einfachen und lebensvernichtenden Veränderungen, die Simbabwe in eine außergewöhnliche, vor allem aber unerträgliche soziale und ökonomische Lage gebracht haben. Die Vermutung, dass nach einer Zeit des Dunkels wieder eine Zeit des Lichts kommen wird, scheint sich zudem in Simbabwe nicht zu bewahrheiten. Ein bedrückendes Beispiel ist die Wahl des jetzigen Bürgermeisters von Harare. Wie schrieb einst Johannes Bobrowski in seinem Gedicht "Das Wort Mensch": "Wo Liebe nicht ist, / sprich das Wort nicht aus." Es wird Zeit, dass sich unsere Staatsoberhäupter verdeutlichen, dass das Wort Mensch in Simbabwe endlich wieder Klang gewinnen muss.

 

Meister Tiefensee hat gesprochen: Der Osten ist von der Wirtschaftskrise nicht so stark betroffen, weil er nicht am Tropf der Exporte hängen würde und eh nur kleine und mittlere Betriebe im Osten Deutschlands industrielle Ansiedlung gefunden hätten. Hey, das ist ja einfach super. Die strukturschwache Industrie, deren Produkte im Ausland keiner kaufen will, wird zum Standortvorteil. Ok, Langzeitarbeitlose, Arbeitslosenquote bis zu 30 Prozent, geringere Einkommen, tarifliches Niemandsland ... . Wir woll'n doch mal jetzt nicht schwarz sehen. Bekanntlich kann man nicht mehr sinken, wenn man schon auf dem Grund angekommen ist. Hier spricht Ihr ganz persönlicher Aufbau-Ost-Minister Tiefensee.

 

Im Iran werden die Frauen bei der Präsidentschaftswahl zum Zünglein an der Waage. Nicht nur zahlenmäßig erhalten sie in der patriarchial dominierten iranischen Gesellschaft neues Gewicht. Sie erhalten auch Stimme und Gesicht. Mit der Frau Hossein Mussawis, ihres ausgeübten Berufes nach Professorin für Kunst, gewinnt der Wahlkampf im Iran nicht nur eine besondere Note. Der Wahlkampf gewinnt in dem Paar von Frau Sahra Rahnaward und ihrem Mann auch einen realen Gegenentwurf zu den fundamentalistischen Sittenwächtern Ahmadinedschads. Dabei geht es nicht nur um Atomwaffen, Israel, Gleichberechtigung der Frau. Es geht auch um die Gesundung eines Volkes von seinem schizophrenen Leben zwischen kollektiver Sittenstrenge und persönlicher Freiheit.