War was?

:: Die Woche :: 05.10. -11.10.2007

Beck, Münte und (kein) Geld für alle. Karlsruhe und die Staatstrojaner. Leo Kirch geht ans Leder. Evas Rausschmiß bei Kerner. Bücher, Bücher, Bücher. Nobelpreise für Deutschland. Marion Jones' Medaillen.

Er gab eine Regierungserklärung mit stolz geschwellter Brust: Die Zunahme der Beschäftigung sei ein Erfolg der Arbeitsmarktpolitik der großen Koalition. Selbstgefällig klopft sich Arbeitsminister Müntefering auf die eigene Schulter – über den Streit mit Beck breitet er den Mantel des Schweigens. Nur ein kleiner Seitenhieb an den Parteichef, als Münte sagt, es sei auch der Agenda 2010 zu verdanken, dass mehr Ältere heute Arbeit finden – unter Experten ist diese Ansicht umstritten. Vielmehr ist es die Konjunktur, die den Arbeitsmarkt momentan entspannt. Jedenfalls wird es kaum mehr Geld für alle geben. Dafür streitet die SPD nun um die Frage „Was ist gerecht?“.


In Sachen Bundestrojaner heisst es derzeit: BKA und Verfassungsschutz kontra Verfassungsrichter. Karlsruhe hat Zweifel an der Gesetzmäßigkeit und Fachleute an der Wirksamkeit des heimlichen Zugriffs auf die Festplatte. Wozu dann die ganze Aufregung? Eigentlich geht es um das Land NRW, das mit einem eigenen Gesetz vorpreschte, das seit Dezember 2006 heimliche Online-Untersuchungen erlaubt. Das steht nun auf dem Prüfstand, wobei die Karlsruher Richter sich bis Februar Zeit lassen wollen mit einem Urteil. Wenigstens haben die Gerichtsverhandlungen zeitweise kabarettistischen Unterhaltungswert.


Die Wiederauferstehung Leo Kirchs hat begonnen. Er erwarb die Bundesliga-Fussballrechte und will bald als Zwischenhändler das große Geld machen. Ob Leos Fussballmärchen aufgeht? Premiere ist sauer. Um die Übertragung der Spiele schlagen sich künftig nicht nur die Bezahlsender, sondern eben auch Internetfernsehen und Handy-TV-Betreiber. Die Bundesliga-Vereine bekommen schon glasige Augen und erhoffen sich davon satte 500 Millionen Euro je Saison. Schau'n mer mal. „Nach dem Deal ist vor dem Spiel.“


War das nun der richtige Schritt, bloße Selbstgefälligkeit oder gar ein abgekartetes Spiel? Weil Eva ihre Äußerungen über die Familienpolitik im Dritten Reich partout nicht als Missverständnis aufklären wollte, zog Kerner die rote Karte. Eva Hermans Rauswurf vor laufender Kamera war ein billiger Sieg für den Talker Johannes B. Kerner. Und brachte mit Sicherheit der einen Auflage sowie dem anderen Quote. Am Ende gab es sogar Mitleid.


Das alljährliche Frankfurter Spektakel und der Hype um die Buchmesse hat uns wieder. Jetzt hat es einer ausgesprochen: Manchem geht die Ernsthaftigkeit, mit der Aussteller, Besucher und Autoren umeinander schleichen, gehörig auf die Nerven. Nun, auch wenn die Wahl des richtigen Buches vielen ordentlich Schweiß auf die Stirne treibt: Lesen ist vergnüglich. Vergessen wir mal besser nicht das Lachen. Grund zur Freude hatte Julia Franck, die den Deutschen Buchpreis für die „Mittagsfrau“ bekam. Und noch viel mehr Doris Lessing, die als neue Nobelpreisträgerin für Literatur gefeiert wird. Gysi jubelt mit der Tante. Nur Reich-Ranicki stänkert.


Zwei der begehrten Preise aus Schweden gingen dieses Jahr auch Deutschland. Weshalb die FAZ frohlockt „Nobelpreisland Deutschland“. In Physik und in Chemie reihen sich nun Peter Grünberg – der Vater der Festplatte - und Gerhard Ertl – der Aufklärer der Oberflächen - bei den ganz Großen ein. Gratulation!


Sprinterin Marion Jones hatte einmal fünf Olympia-Medaillen. Nun entlarvt sie sich als gewöhnliche Betrügerin, erklärt unter Tränen ihren Rücktritt vom Profisport, gibt das olympische Metall von Sydney zurück und Amerika entschuldigt sich.