War was?

:: Die Woche :: 06.03. - 12.03.2009

Keine Zeit, um zu überprüfen? - Zeit, in sich zu gehen - Platz in unseren Herzen - Gelegenheit, sich zu verändern

Der brutale Amoklauf in Winnenden bringt zunächst reflexartig die bekannten Forderungen hervor - Verschärfung des Waffenrechts, Verbot von Gewaltcomputerspielen, Metalldetektoren und Security an Schulen. Und so schnell wie die Forderungen laut werden, so eilig werden die Erklärungen für die Tat und Psychogramme des Täters in den Medien gestrickt. Die Eile wurde dabei auch gleichzeitig zur Stolperstelle von Politikern wie Presse gleichermaßen – die Meldung, der Amokläufer hätte in einem Chat seine Tat angekündigt, passte auch zu schön ins Täter-Klischee vom missachteten und ausgelachten Jungen. Hätten sich alle mehr Zeit genommen, gründlich nachzuforschen, wäre aufgefallen, dass es ein Fake war, bevor es in den Medien ungeprüft die Runde machte. Zeit ist knapp, aber tut Not - im Journalismus ebenso wie in der Debatte um die Konsequenzen. Denn dass ein Big-Brother-Klima „nicht gut ist für eine Einrichtung, in der sich Heranwachsende frei entfalten sollen“ (Josef Kraus vom Lehrerverband) hat sich ebenso herumgesprochen wie „dass es letzte Sicherheit nicht gibt“ (CDU-Fraktionsvorsitzender Kauder).

 

Herr Madoff bekennt sich schuldig. Nehmen wir diesen längst überfälligen Vorfall an Selbsterkenntnis und Annahme der Verantwortung zum Anlass, den Managern unseres Heimatplaneten zuzurufen: Geht in euch. Denn wie Hans-Ulrich Jörges in seinem Donnerstagkommentar auf "dem" Radiosender Berlins (radioeins) mit vor Engagement vibrierender Stimme vermerkte: Die Wirtschaft lässt die Politik im Stich. Da die Parteien in ihrer Wahlkampfvorbereitung sich gegenseitig in das Geschirr sachdienlicher Vorschläge fassen, sollte die Wirtschaft in eigener Regie zur Selbstverpflichtung schreiten. Geht in euch, "liebe" Manager. Wir müssen es auch. Kurzarbeitergeld, sozialstaatliche und gesundheitliche Versorgung auf dem Niveau angesagter 5-Sterne-Hotels an den Urlaubsküsten der Türkei - irgendwer muss die Zeche bezahlen. Und wir alle, die Manager wie auch die Nicht-Manager, sollten in uns gehen und schauen, ob da der eine oder andere vorsorglich angelegte Raum zukünftiger Geborgenheit nicht seinen Baustoff aus einer Welt erhalten hatte.

 

In sich gegangen ist Vattenfall, neben E.ON und der RWE einer der Global Player im deutschen Energie-Erzeuger- und-Verbringermarkt. Vattenfall will nicht mehr das modernste Kohlekraftwerk der Welt mit fast Null-CO2-Emission und groß und schick in Berlin bauen. Jetzt wird es einige kleine Gas- und Biomassekraftwerke geben, die den Emissionsausstoß an CO2 bis 2050 um satte 50% senken sollen. Um den Platz in unseren Herzen sollte Vattenfall aber weiterhin und intensiver kämpfen. Nicht unbedingt mit atomenergiekompatibler Bikinimode. Auch der Bau neuer Atomkraftwerke macht Vattenfall nicht wirklich zu einem überzeugenden Befürworter erneuerbarer Energien. Und schließlich wird durch den Bau neuer, kleinerer Kraftwerke die Diskussion um Effizienz, Dezentralisierung und Entmonopolisierung der Energienetze nicht obsolet.

 

Eine Gelegenheit zur Veränderung hatte sich dem bezahlten Handball in Deutschland in den letzten Tagen geboten. Die Affäre um bestochene Schiedsrichter, verschobene Spiele, lancierte Anschuldigungen und bedeutungsvolle öffentliche Andeutungen lieferte jede Menge Steilvorlagen für zum Beispiel Transparenz im Umgang mit den Verbandssportlern und -Mitgliedern oder auch den Medien und der allgemeinen Öffentlichkeit. Denn es geht mitnichten nur allein um Bestechung eines oder mehrerer Schiedsrichtergespanne. Es geht auch eigentlich nicht um die Korruption, um Wettbetrug, Doping etc.. Kriminalität gleich welcher Couleur. Strukturen, in welchen gelebte gesellschaftliche Fairness im Allgemeinen und sportliche Fairness im Besonderen der Gradmesser für den sauberen Sport und gemeinnützige Verbandsarbeit sind, versucht man derzeit vergebens vorzufinden. Zugegebenermaßen überwiegt, ebenso wie bei den Sticheleien zur Wirtschaftskrise, Umweltkrise, Armuts- und Hungerkrise auch hier die Hoffnung, dass die einen Akteure (wie z.B. Herr Blatter oder Herr Moustafa) dem Zahn der Zeit Tribut zollen und die anderen Akteure (siehe Gedächtnisprotokoll zur Sitzung des Sportausschusses des Bundestages von Jens Weinreich) das Heft in Hand nehmen werden.