War was?

:: Die Woche :: 06.06. - 12.06.2008

Goodbye, Mr. Bush - Lohngefälle zwischen Männer und Frauen steiler - Rüstungsausgaben steigen weltweit - Reform der Krankenkassen - Wir haben verloren

George W. Bush ist auf Abschiedstournee - und im Gegensatz zu Abschiedstourneen von Rockstars und anderen Showgrößen, ist weder von einem sich noch ankündigenden Revival zu hören noch zumindest höfliche Anerkennung zu vermerken. Im Gegenteil: die Bilanz der Regierung Bush sei verheerend. Der Krieg im Irak, die veritable Wirtschaftskrise in den USA selbst, das Ansehen der USA im Ausland und ebenso seiner Verbündeter, die mangelnde oder gar fehlende Verantwortung für die Gestaltung einer gesunden und ausgeglichenen Umwelt auch noch für unser Kinder und Kindeskinder. Dass in der deutschen Presse und aus der deutschen Politik die kritischen Stimmen überwiegen, verwundert da wahrscheinlich nur George W. Bush selber.

 

Frauen sind im Durchschnitt 22 Prozent weniger teuer als Männer. Die Studie der EU-Sozialkommission belegt diese Tatsache mit Zahlen und, peinlich, peinlich, vor allem im reichen und von einer Kanzlerin geführten Deutschland gelten diese 22 Prozent. Nur in Estland, Zypern und der Slowakei arbeiten Frauen für noch weniger. Jetzt ließe schön frotzeln über die billige Kanzlerin und wieso der Frauenanteil in Parlament und Regierung stetig steigt (wir haben ja ein Haushaltsdefizit zu bereinigen). Die Reaktion der Geldgeber irritiert dann aber schon: "objektive" Gründe bedingten die schmalere Lohntüte der Frauen, nämlich zuviel Kind, zuviel Teilzeit, zuwenig Vollzeitarbeit. Diese Reaktion irritiert aber nicht nur. Sie verdeutlicht einmal mehr, dass die an strukturellen Entscheidungen Beteiligten nicht auch Betroffene sind. Und es macht deutlich, dass es naiv ist zu glauben, bessere Kinderbetreuung oder mehr Geld für der Frauen Lohntüte könnten die Gleichberechtigung der Frauen erzwingen.

 

1340 Milliarden Dollar (ca. 900 Milliarden Euro) wurden für Waffen und Armeen im vergangenen Jahr ausgegeben. Angesichts des Hungers auf der Welt mutet diese Summe nicht nur grotesk an sondern vermittelt den Eindruck, die Erste Welt rüstet sich gegen den Hunger der Dritten Welt. Und es vermittelt auch den Eindruck, dass nicht nur die Politik zu versagen scheint sondern auch die Wirtschaft mit ihren selbstregulierenden Mechanismen. Oder, aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, der Mensch und seine Umwelt rückt aus dem Fokus von Wirtschaft und Politik. Welchen Fokus haben dann aber Wirtschaft und Politik?

 

Dem Vorschlag vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) für eine einheitliche Krankenversicherung zu einem niedrigen Basistarif Mitte dieser Woche war ungewollt viel und kontroverse Aufmerksamkeit (siehe auch die Stellungnahme der Privaten Krankenversicherungen(PKV).zuteil. Private und gesetzliche Krankenkassen zusammenzulegen und somit dem Solidarprinzip der Gesetzlichen und Ersatzkassen auch im privaten Sektor Rechnung zu tragen, hat mittlerweile eine aufkeimende Tradition und war stets von Reförmchen oder Misserfolgen geprägt. Doch dieser Vorschlag scheint Substanz zu besitzen. Schließlich steht auch die Kanzlerin diesem Vorschlag positiv gegenüber. Ein Basistarif, den sich jeder leisten kann, und wenn gewünscht, die Zusatzleistungen in separaten Policen dazugekauft. Klingt wie die Anzeige eines Telekommunikationsanbieters. Wohl dem der keine Extra-Police für den Augenarzt abschließen muss, bevor er das Kleingedruckte auf den zukünftigen Versicherungsverträgen lesen kann.

 

Als das erste Tor für Kroatien fiel, schlich die deutsche Mannschaft ähnlich der Koalitionspartner bei ihrer letzten Koalitionssitzung über den Platz. Frei nach dem Fussball-Kalauer "Nimm du ihn, ich hab ihn sicher.", stritten die Akteure spiegelgleich um Struktur und Richtung und verloren dabei stetig die Zweikämpfe oder einfach nur den Ball und damit die Initiative. Alles danach war schlechte Komödie -  ob nun das Anschlusstor Podolskis oder die Pressekonferenz von Kurt Beck.