War was?

:: Die Woche :: 06.12. - 11.12.2008

Mugabe im Wunderland - Seemann, komm bald wieder - Tu was, Angie - Doppelhorst in bayerischer Mission - Griechenland im Nebel

Robert Mugabe ist bald 85 Jahre alt und leidet unter Realitätsverlust. Das ist nicht höflich formuliert. Denn das Alter eines Menschen ist kein verlässliches Indiz für seinen körperlichen und intellektuellen Verfall. Aber mit seiner Äußerung, die Cholera-Epidemie in seinem Lande sei beendet, hat er in der Weltöffentlichkeit nicht nur entsetztes und ungläubiges Kopfschütteln geerntet. Er hat vor allem die Unterstützung jener verspielt, die ihn im politischen Machtkampf vor einigen Monaten noch über Morgan Tsvangirai hatten obsiegen lassen. Denn Südafrika und alle anderen Anrainerstaaten Simbabwes werden wenig Verständnis für die wahnwitzigen Vorstellungen Mugabes entwickeln, die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Probleme des Landes durch eine "Alice-im-Wunderland"-Rhetorik zu überbrücken. Waren die blutigen Geschehnisse im Kongo oder die überbordende Piraterie am Horn von Afrika in jüngster Zeit ein Zeichen für die neue Qualität des Zerfalls der afrikanischen Zivilgesellschaften, so ist Mugabes Deklaration ein neuerlicher, beredter Beweis des endgültigen Scheiterns demokratischer Strukturen in Afrika.

 

Da hilft auch kein Truppenkontingent der Europäischen Union am Horn von Afrika. Die EU hat die Initiative ergriffen und will der Piraterie im Indischen Ozean endlich ein Ende bereiten. Damit sind es etwas mehr als 20 militärische Schiffe, die an der Küste Somalias kreuzen und den Piraten und Terroristen das Handwerk legen sollen. Zwar hat nur etwa ein Viertel der Schiffe das Mandat, im Rahmen der EU-Mission Atalanta Piratenschiffe zu jagen. Aber wenn solch ein Schiff in Not gerät, wird es selbstverständlich von den anderen Schiffen unterstützt. Zwischen 15.000 und 20.000 Trawler sollen so Schutz vor Überfällen erhalten. Alles prima. Wenn da nicht der schale Beigeschmack der Vergeblichkeit zu verspüren wäre. Denn die Fregatten und Flugzeugträger sind nur die Medizin für die Kopfschmerzen der Reedereien. Die Krankheit der Piraterie ist dadurch nicht zu bekämpfen.

 

Angie hadert. Angie zögert. Angie hält aus. Weihnachten steht vor der Tür. Jeder hat seinen Wunschzettel fertig und laut vorgelesen. Aber Angie tut grad so, als würde sie nicht zuhören. Wir wissen ja alle aus eigener, leidvoller Erfahrung, dass die Weihnachtszeit bis zum Ersticken mit Hektik, Stress und schlechter Laune gefüllt ist. Zumindest bis zum 24.12.. Dann ist es nur noch das nervige Völlegefühl, das den Blick trübe und jegliche Bewegung zum Stillstand kommen lässt. Aber jetzt schon in eine Bewegungsstarre zu verfallen - Angie, wach auf. Sogar der weiße Ritter und der Retter der Welt lassen dich links liegen. Na ja, vielleicht nicht links, aber liegen gelassen, immerhin. Die Optionen sind vielfältig. Du kannst kleine Geschenke schnüren (Gutscheine). Du kannst große Geschenke schnüren (Rettungspaket für die Autoindustrie oder die Pharmaindustrie oder die Bauindustrie oder die Stahlindustrie, ...). Und du kannst Geschenke schnüren, von denen alle etwas haben. Sogar noch nach Weihnachten (Steuersenkungen). Und als Entscheidungshilfe sei dir offeriert: lieber eine Inflation als eine Deflation. Und lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

 

Was macht eigentlich der Doppelhorst? Horst Seehofer, Parteivorsitzender der CSU und Ministerpräsident von Bayern in Personalunion, hat die Zügel straff in den Händen. Von neuer Diskussionskultur ist die Rede, von Partizipation statt Ausgrenzung. Subba. Im Volk beliebt, vom Feuilleton umschwärmt. Und die CDU darf es ausbaden. So war es immer bei den Unionsschwestern. Des einen Profilierung war des anderen Umfragetief. Aber verdient hat sich der Doppelhorst diesen schnellen Erfolg. Ein bisschen Reue zeigen, mit der Faust auf den Tisch hauen, die bitteren Wahrheiten aussprechen und die richtigen Lösungen gleich bei der Hand. Das ist eine politische Performance, die wahrscheinlich selbst solch gestandene Animateure wie Franz Müntefering oder Gerhard Schröder mit der Zunge schnalzen lassen. Chapeau, Herr Seehofer!

 

Seit etwa einer Woche liegen Rauchschwaden über Griechenland. Die täglichen gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Jugendlichen und Studenten hatten  ihren Anlass im Tod eines 15-jährigen Jungen gefunden, der durch einen Warnschuss eines Polizisten verursacht wurde. Die Kommentare über Ursachen und Auswirkungen dieses Konfliktes, der über die Woche alle Teile Griechenlands berührt hatte, sind diffus und strotzen vor Allgemeinplätzen. Letztendlich müssen wir uns angesichts der Ereignisse fragen, wie gefestigt westliche Demokratien denn sind und wie handlungsfähig deren Regierungen.