War was?

:: Die Woche :: 07.08. - 14.08. 2009

Obama weckt Paranoia – Frischer Wind kommt in die Dose – Urteil gegen Aung San Suu Kyi –Frauenfäuste für Olympia

Eine schwere Geburt. Und eine, die den amerikanischen Gefühlshaushalt so in Panik versetzt, als ginge es um Leben und Tod. Dabei geht es doch „nur“ um mehr Gesundheit – sogar für alle. Doch Barack Obamas Pläne, eine längst überfällige und dringend notwendige Gesundheitsreform in den USA auf den Weg zu bringen, ist ein heißes Eisen: Hitler-Vergleiche, Euthanasie-Vorwürfe und Saalschlachten toben derzeit rund um die Debatte, die mehr und mehr außer Rand und Band geraten ist. Um was geht es? Es geht um 47 Millionen Amerikaner, die nicht krankenversichert sind, und um ein denkbar teures Gesundheitssystem, in dem eine private Versicherungswirtschaft und die Pharmaindustrie viel zu lange schon exklusiv den Ton angeben. Darf nun der Staat mitreden? Oder wäre das schon ein Art „Sozialismus von oben“, wie Gegner mit gezielten Angstkampagnen und nicht zuletzt auch aus dem konservativen Lager zu beschwören versuchen? Ach, Amerika, deine Schreckgespenster!! Schon Bill Clinton scheiterte an ihnen, nun steht auch Barack Obama mit dem Rücken zur Wand und muss mit Worten, die ihm hier und da etwas entgleisen, seine Politik verteidigen: Er wolle zwar mit Kosten und Chancen anders umgehen, so der Präsident, aber nicht einer Oma, die medizinische Hilfe brauche, zukünftig „den Stecker ziehen“. Argumente, die frischen Mut machen wollen, klingen irgendwie anders. 

 

Apropos frischer Mut (und starke Gegenbrisen): Gerade sorgt der erste Windkraft-Offshore-Park, der in Deutschland entsteht, für eine Art Gründerzeitklima auf hoher See. Nördlich der Insel Borkum wurden die ersten drei Testräder in Betrieb genommen, weitere neun sollen nun bis zum Jahresende folgen. Das Pilotprojekt „ Alpha Ventus“ möchte so Ökostrom in unsere Steckdosen einspeisen, der den Verbrauch von rund 50 000 Haushalten decken könnte. Dass nun auch in der Nordsee und „hier zu Wasser“ saubere Energie gewonnen wird, könnte man als Vorgeschmack nehmen – auf eine wünschenswerte energiepolitische Wende, mit der auf die stärkere Nutzung erneuerbarer Ressourcen gesetzt würde. Immerhin: „Alpha Ventus“ wird nicht allein auf weitem Meeresgrund stehen müssen, weitere Großanlagen dieser Art sind schon geplant und 18 Windparks allein in der Nordsee genehmigt. Da heißt es nun, Schwimmwesten anlegen – und auf Fachleute hoffen, die dazu bereit sind, neben ihrer eigentlichen Arbeit mitten im Meer auch noch ein Abenteurerdiplom abzulegen. 

 

Eine zarte Frau, deren große Anziehungskraft manche fürchten: Die Militärregierung in Myanmar, dem früheren Burma, hat ihren Schauprozess gegen Aung San Suu Kyi zu Ende gebracht. Die Friedensnobelpreisträgerin wurde zu drei Jahren Haft und Zwangsarbeit verurteilt, weil sie angeblich gegen die Auflagen eines Hausarrests, unter dem sie seit vielen Jahren steht, verstieß. Dass das harte Urteil schließlich doch noch abgemildert wurde – auf „doch nur“ weitere 18 Monate Hausarrest – könnte man als einen Gnadenakt seitens der Militärjunta sehen. Oder aber auch als das, was es ist: blanker Hohn. Denn am Ziel sind die Herren Generäle nun auch so: Aung San Suu Kyi wird zu den angekündigten Wahlen im kommenden Jahr, den ersten seit langem, nicht antreten können und bleibt als Symbolfigur der birmanesischen Oppositionsbewegung so weiter ausgebremst. Ihre Partei, die Nationale Liga für Demokratie (NLD), hatte  bei den letzten Wahlen 1990 mit großer Mehrheit gewonnen – allerdings auch da schon mit einer Parteivorsitzenden, der man „vorsorglich“ den Riegel vorgeschoben hatte.  

 

Platz da, nun kommen wir! Oder besser gesagt: Männer aufgepasst, jetzt fliegen die Frauenfäuste – und zwar erstmals auch im olympischen Ring. Gerade hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) nämlich entschieden, Frauenboxen zu den Spielen 2012 in London zuzulassen. Damit wurde nun auch bei der letzten Olympia-Sportart, bei der bisher nur Männer an den Start durften, der Hebel auf Gleichberechtigung umgelegt. Was natürlich die Damen erfreut, etwa Regina Halmich als eine der erfolgreichsten Boxerinnen in Deutschland: Viel zulange habe man auf diesen Schritt des IOC warten müssen, kommentierte die Sportlerin, für die eine olympische Medaille stets nur Traum blieb. Steht also nur eines jetzt noch aus: die Eroberung des Synchronschwimmens von männlicher Seite. Das wäre doch mal was - oder nicht? Nur Mut, tut gar nicht weh!