War was?

:: Die Woche :: 07.11. - 13.11.2008

Oldie but goldie - Empty pocket - Woman is Nigger of the World - Mama Africa is dead

Nach all dem schalen Getöse um Geld, Macht und kalte Füße war es doch überraschend, wie eindrücklich und einem Phönix aus der Asche gleich die Anti-Atomenergie-Bewegung vor dem endgültigen Endlager Gorleben ihre Stimme in der Öffentlichkeit wiederfand. Dabei war zu beobachten, wie unüberwindlich die Gegensätze zwischen Gegnern und Befürwortern der Endlagerung von Atommüll doch sind. Betrüblich auch zu sehen, dass die Politik diese Auseinandersetzung nun als Vehikel zu nutzen versucht, den in die Gänge kommenden Wahlkampf zu befeuern. Und was darüber hinaus bestürzt: Die oligarche Energieindustrie schafft es mittels ihrer Lobbyarbeit, Lösungen zu verhindern, die unsere Kinder und Kindeskinder vor einer Energiekrise bewahren könnten. Dezentralisierung der Energieversorgung? Fehlanzeige. Nervig ist, dass die Eliten der Gesellschaft Wohlgefallen finden an der Superman-Attitüde – erst zu handeln, wenn die Kacke schon am Dampfen ist.

 

Siehe Konjunkturprogramm. Vor einigen Wochen war das noch ein Konjunkturprogramm für Deutschland. Jetzt ist es eines für Europa und morgen für die ganze Welt. Und um die Politik an dieser Stelle mal aus der Schusslinie zu nehmen: Auch die "Wirtschaftsweisen" wünschen sich Investitionen, vor allem im öffentlichen Infrastrukturbereich und in der Bildung. Eine Nettoneuverschuldung wird deshalb unbedingt bejaht, eine Hinterfragung des wirtschaftlichen Systems grundsätzlich aber verneint. Um die Kirche im Dorf zu lassen – die Stichworte sind nicht: Umverteilung, Verstaatlichung, Sozialismus. Die Stichworte sind: Umweltschutz, Dritte Welt und Bevölkerungswachstum, Solidarität. Die bauchnabelgesteuerte Politik der Wirtschaftsriesen bezieht in ihrer Berechnung grundsätzlich die Verlierer zwar mit ein – aber nach dem Prinzip, dass nur der Stärkere überleben wird. Der Appell Ban Ki Moons an die G20, die Armen der Welt nicht zu vergessen, wird verhallen - und ändern wird sich nichts.

 

Leider wird der Bericht der UNFPA zur Bevölkerungsentwicklung in der Welt auch nur für eine Schlagzeile mit einer Halbwertzeit von einer Woche herhalten können. Dabei zeigen die Ergebnisse des Berichts auf die offenen Wunden, die klaffen, wo es die weltweiten Probleme von fehlender Gleichberechtigung, wachsender Überbevölkerung und mangelnder Gesundheitsversorgung zu bewältigen gilt. Die Steinigung einer 13-jährigen in Somalia zeigte diese Woche auf besonders brutale Weise, wie kulturell begründete Gewalt und einfachste Menschenrechte im Widerstreit liegen. Wie schon John Lennon sang: "Woman is the nigger of the world". Dass die erste Welt sich hier nicht zurücklehnen kann, macht der Bericht aber ebenso deutlich. Dabei werden Entwicklungshilfen allerdings noch zu oft als Exportschlager westlichen Demokratieverständnisses verstanden: "International development agencies ignore culture – or marginalize it – at their peril." Will heißen: Die Auseinandersetzung von lokaler Kultur und universalen Menschenrechten muss an Ort und Stelle geführt werden und darf nicht auf ein "Überstreichen" von kultureller Identität durch die "bewährten" Prinzipien der ersten Welt hinauslaufen, was den Umgang mit Menschenrechten angeht.

 

Am 10.11.2008 starb "Mamma Africa", Miriam Makeba, bei einem Konzert für den italienischen Autor Roberto Saviano an den Folgen eines Herzinfarkts. Die "singende Politikerin" Makeba, wie Dieter Bartetzko auf FAZ.NET schrieb, war spätestens seit ihrem Boykott-Aufruf gegen das südafrikanische Apartheid-Regime 1963 vor der UN-Vollversammlung auch die "Stimme Afrikas" geworden. "Pata, Pata", mit dem Makeba musikalischen Weltruhm erlangte, war der Grundstein für eine Musik, die als Ethnopop oder Folkjazz in der Stilgeschichte ihren Platz fand.