War was?

:: Die Woche :: 08.01. - 14.01.2007

Wegen Russland liebäugeln manche Deutsche wieder mit Atomkraft. Bush legt im Irak nochmal nach. Wieviel unserer Privatsphäre steht für die Jagd von Kinderschändern auf dem Spiel? Terrorhelfer Motassadeq kämpft mit allen Mitteln des Rechtsstaates. Apple verzückt mit einem neuen „Must-have“ - dem iPhone. Jauch will lieber nicht Christiansen werden.

Von: Bärbel Kerber, Foto: photocase.de

vom 15.01.07

Plötzlich wird Atomenergie wieder hoffähig. Weil die Russen im Streit mit Weissrussland tatsächlich den Ölhahn der „Druschba“ (also der „Freundschaft“) genannten Pipeline zudrehten (und mittlerweile wieder aufdrehten), die auch Deutschland versorgt, denken Merkel und Co. laut nach, ob der 2001 beschlossene Atomausstieg eine so gute Idee war. Oder welche andere Alternativen es gäbe. Da gäbe es das Gas, aber die Krux ist, dass es zwar die umweltfreundlicheste, zukunftsträchtigste Energievariante zu sein scheint, aber ebenso diejenige mit der größten Importabhängigkeit (auch wieder von Russland..). Solange wir noch überlegen, übt Russland schon mal das Muskelspiel und bastelt fröhlich am Image als „Tankstelle der Welt“. .Warnte doch schon im Dezember die Zeitschrift „The Economist“. „Don't mess with Russia“.

 

Bush gibt die neue Irakstrategie bekannt und alles reibt sich die Augen. Er will seine Truppen nicht zurückziehen, nein, er wird sie aufstocken. Was ihm die Experten noch neulich rieten, war für George W. Bush schlichtweg indiskutabel: Seine eigene Formel lautet: Rückzug = Niederlage = kommt nicht in Frage. Bushs Credo ist nun „den Sieg wählen“ und dafür schickt er nun noch einmal 21.500 Soldaten in den Irak. Er scheint tatsächlich ganz überrascht vom Protestgeschrei der eigenen Landsleute.

 

Weil Kreditkartenunternehmen ihre Kundendaten deutschen Fahndern zur Verfügung stellten, konnte erfolgreich kurzer Hand ein Kinderpornoring ausgehoben werden. Das Vorgehen war rechtlich zulässig. Trotzdem wird jetzt diskutiert, ob wir dem Überwachungsstaat näher gekommen sind. Gläserner Bürger kontra das unermessliche Leid unzähliger Kinder, oder „Wo heiligt der Zweck die Mittel?“, heißen die Fragen, die hier nicht  leicht zu beantworten sind. Wenn wir damit Kindesmissbrauch verhindern können, sollten wir dann nicht zu Einschnitten in den Datenschutz bereit sein? Etwas Hell ins Dunkel bringt dieser Kommentar.

 

Zu 15 Jahren Haft wurde der Marokkaner Motassadeq verurteilt, weil er wohl über die Pläne zu den Terroranschlägen am 11. September im Detail informiert war. Beihilfe zum Mord lautet das Urteil des OLG Hamburg, gegen das er postwendend Berufung einlegte. Er habe nichts gewusst, beteuert er. Auch seine Verfassungsbeschwerde wurde jetzt von den Karlsruher Richtern abgelehnt. Nun versuchen es seine Verteidiger noch mit einem Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens und wollen zudem beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ihr Glück versuchen.

 

Apple hat ein neues Spielzeug, das noch mehr kann: das neue iPhone ist kein profanes Handy, sondern so etwas wie ein Super-iPod, mit dem man auch telefonieren, Termine organisieren und surfen kann – und das mit revolutionärem Display und Bedienkomfort. Als ein „Mordsding“ von allen bejubelt, müssen wir erstmal bis Ende des Jahres warten, um zu sehen, ob es hält, was Jobs verspricht.

 

Kaum war durchgesickert, dass Sabine Christiansen bald aufhört, war Günther Jauch schon als ihr Nachfolger rumgereicht worden. Dann hagelte es aller Orts Kritik an Jauch, weil der inzwischen so viel Werbung macht, dass es sich schlecht mit dem neutralen Informationsauftrag einer öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt verträgt. Und schließlich wollte man als Neuerung auch 10 Chefredakteure inhaltlich an den künftigen Jauch-Talks mitreden lassen. Nun hat Jauch die Schnauze voll und will nicht mehr. Und nicht wenige sind erleichtert, nicht den Oberlehrer der Nation als Pseudo-Polit-Talker ertragen zu müssen. Mal sehen, was der Neue im Gespräch – Frank Plasberg – bringt. Dabei wäre doch Harald Schmdt der Interessantere.