War was?

:: Die Woche :: 08.01. - 14.01.2010

Die Bürgermeisterin - Die Brötchenbäckerin - Die Barbusige - Die Beständige

Frau Bürgermeisterin ist auf dem Vormarsch. Exotinnen bleiben sie weiterhin. Warum sie im Rathaus immer noch so wenige im Vergleich zu Männern sind? Inhaltlich traut man Frauen längst schon alles zu – sie erobern sich den Weltraum, sie leiten Fluggesellschaften, sie besteigen Achttausender. Keine Männerbastion ist mehr vor ihnen sicher. Aber am Ende scheitert der ganz große Durchbruch eigentlich immer an demselben – an der Doppelbelastung. Und die ist in der Kommunalpolitik, wo Stammtische, Turnhalleneinweihungen und Kleintierzüchtervereine am Abend und am Wochenende besucht werden müssen, besonders schwer zu wuppen. Und weil hier Kinder und Haushalt noch schlechter als schon in einem Nine-to-Five-Job vereinbar sind, scheuen viele aussichtsreiche Frauen überhaupt eine Kandidatur. Sogar die Bürger scheinen ihre Zweifel zu haben, wie Frau Bürgermeister eine solche Aufgabe und gleichzeitig Kinder zu Hause zu bewältigen vermag. Unverhohlen wird gefragt, wie sie das schaffen wollen. Männer fragt man das nicht.


Als Frau die Familienernährerin zu sein, auch das scheint zunehmend im Trend zu liegen. Und trotzdem, auch hier dasselbe Bild, die „alte Leier“, mag man schon sagen. Dass Frauen ganz nebenbei Haus und Hof zusammenhalten, daran scheint sich nämlich nichts zu ändern – egal, wie groß ihr Einsatz im Beruf ist. Und auch am Arbeitsplatz bedeutet mehr Frauenerwerbstätigkeit noch lange nicht automatisch auch mehr Geschlechtergerechtigkeit. Nur weil sie die Brötchen verdienen, bekommen sie noch lange nicht das Gehalt oder die berufliche Anerkennung und auch nicht die häusliche Unterstützung, die ihnen zustehen würde bzw. die üblicherweise ein Mann erhält.

 

Dass Simone Thomalla sich nackt für den Playboy fotografieren ließ, sollte eigentlich in MissTilly respektive dem War-Was unkommentiert bleiben. Aussehen ist, allgemein anerkannt, Geschmacksache, und so mag man Frau Thomalla gutaussehend oder nicht finden - sensationell sind die inszenierten Nacktfotos der 44-jährigen nicht. Auch die Interviews, die Frau Thomalla divers der Regenbogenpresse gab, lassen eher vermuten, dass der Marktwert der Schauspielerin vielleicht aufgebessert werden sollte. Ein wenig irritierend waren dann aber doch die Kommentare, die in den Panorama-Redaktionen einschlägiger Websites zu lesen waren - die einen interpretieren das "Häuten" (klingt wie Selbstschlachtung) von Frau Thomalla als finalen Akt der Emanzipation gegenüber ihrem letzten Lebensgefährten Rudi Assauer, die anderen versuchen sich in vermeintlich satirischer Pose im Stil der 60er Jahre und sehen in der Entblößung Thomallas den letzten Beweis dafür, dass die sexuelle Befreiung ein gigantischer Betrug ist. Eine Frau zeigt sich nackt - und ein jeder steckt seine Kerze am Altar seiner klischeehaftesten Vorstellungen von Weiblichkeit und Emanzipation an.

 

Die Zeit des Bedauerns ist angebrochen - uns' Angie hat's nicht leicht mit den Männern. War die Trennung von Münte und Frank-Walter noch als längst überfällige mit allgemeinem Einverständnis des gemeinen Wahlvolkes begrüßt worden, stuckerte die neue Koalitionsmaschine wie ein Trabant durch die Lande - das Mischungsverhältnis ist einfach falsch. Hier ein bisschen FDP, dort ein bisschen CSU, mittenbei die CDU - was gern als Gemischtwarenladen mit Chefverkäuferin verstanden werden kann, ist nicht mehr als ein ambitionierter Debattierclub für die Zeit nach 17.00 Uhr. Dass sich ein Land wie Deutschland mitnichten so regieren lassen könnte, bedarf keiner zusätzlichen Argumente. Aber nun, Angela Merkel hat es selber in der Hand. Und ihr Versuch, mit ihren Parteigenossen in Klausur zu gehen, war wohl als erster Schritt gemeint. Doch ach, auch hier ist sie sich treu geblieben. Ein bisschen von allem - das nennt sich dann Volkspartei. Schade, dass Frau Merkel und ihre Mannen nicht verstanden haben, dass das Ziel ihrer Politik nicht das Wahlvolk, sondern die Bewältigung ihrer Sachaufgaben ist. Zu hoffen ist nur, dass aus der Beständigen nicht die wird, die die Probleme auszusitzen pflegt.