War was?

:: Die Woche :: 08.02. - 14.02.2010

Aber Eva ... - Die Männer machen's schon - Frau Lee geht - Ganz sicher kein Häschen

"Hör nicht darauf, was die Leute sagen. Die Leute reden viel, wenn der Tag lang ist." Im besonderen Fall der Eva Herman und ihrem Artikel auf der Website des Kopp Verlages würde in dieser Sentenz der Begriff der "Leute" mit dem Namen der ehemaligen Tagesschau-Sprecherin ausgewechselt werden können, wenn, ja wenn die liebe Eva nicht gar so brüsk gegen die Geschlechtergerechtigkeit argumentieren würde, um es kulant zu formulieren. Was uns im Text der Eva Herman anzubellen scheint, ist in Versatzstücken, neben der Mischung aus Verschwörungstheorie (der böse Staat) und populistischer Hetze gegen Homosexualität, ein Abklatsch jener Diskussionen, die in den letzten Jahren immer wieder gegen Kindergärten, Berufstätigkeit der Frau, schlicht gegen alles, was Frauen in ihrer Lebensgestaltung unterstützen könnte, geführt wurden. Nun könnte man allgemein abwinken und mit dem Verweis auf jene, die es nicht besser wissen wollen und überhaupt in einer Welt zu leben scheinen, die längst in Geschichtsbüchern verewigt ist, die Sache auf sich beruhen lassen. Doch im Falle dieses Textes und des schwer erträglichen Gedankengutes sei vermerkt: Wehret den Anfängen!

 

Obschon der Titel in unserer säkularen, versachlichten Welt auf besondere Weise anrührend daherkommt - aber die "Regierungskommision für gute Unternehmensführung" gibt es wirklich, und sie versucht ihrem Name alle Ehre zu machen. In ihrer jüngsten Presseerklärung beispielsweise beschreibt sie als Schwerpunkt für das Jahr 2010 die Empfehlung der Kommission für mehr Aufsichtsratsplätze von Frauen und internationalen Vertretern in großen Unternehmen. Wahrscheinlich wird die Kommission mit gutem Beispiel vorangehen dürfen, um ihrem lobenswerten Anliegen Nachdruck zu verleihen. Unter den 12 Mitgliedern der Kommission befindet sich nur eine Frau. Na ja. Dass es zur gleichzeitigen Nennung von Frauen und ausländischen Experten kommt, ist sicherlich einer besonderen Form des Denksportes verpflichtet - denn sollte es tatsächlich um Gleichstellung gehen, so könnte dies mit männlichen, internationalen Vertretern perfide ausgehebelt werden. Doch genug der Unterstellungen. Die Regierungskommission trägt es in ihrem Namen - und es sollte ihr nicht schwer fallen, diesen kleinen Schatten der möglichen Missinterpretation durch eine durchdachte Quotenregelung verschwinden zu lassen.

 

Wer Frau Lee ist? Jill Lee ist die Frau der Vielfalt. Und die darf jetzt gehen. Im gegenseitigen Einvernehmen selbstverständlich. Sie verlässt einen Konzern, der in den letzten Jahren vor allem Schlagzeilen mit Korruptionsaffären bzw. Bestechungsskandalen machte - die Siemens AG. Frau Lee sollte der Siemens zu einer personellen Struktur verhelfen, die nicht nur den internationalen Gepflogenheiten entspricht (mehr Frauen also und Experten aus anderen Ländern), sondern Abbild der Lebenswelten der demokratischen, westlichen Gesellschaften ist. Für diese Aufgabe erhielt sie einen erstaunlich kurzen Titel ("Chief Diversity Officer") mit weitreichenden Erwartungen, die offenbar nicht ganz den notwendigen Kompetenzen entsprachen. Denn Jill Lee hat die Siemens AG nach nur einem und einem halben Jahr verlassen. "Sie stellt sich dafür einer neuen Herausforderung, außerhalb des Konzerns", lautet es dazu in der Presseerklärung des Konzerns. Dass das Traditionsunternehmen dabei auf dem falschen Fuß erwischt wurde, ist an der noch offenen Nachfolge und an dem Resümee der Arbeit des Chief Diversity Officers zu erkennen. Dieses stammt vom Herrn Löscher höchst selbst. Da war wohl Frau Lee schon im Flieger, als die Presseabteilung die Verlautbarungen formulieren musste. War es das jetzt bei der Siemens, mit Frauen in Führungspositionen?

 

Zugegeben - Chinchilla ist ein für unsere Ohren gewöhnungsbedürftiger Name. Aber egal. Die neue, vor wenigen Tagen gewählte Präsidentin Laura Chinchilla obsiegte mit geradezu überwältigender Mehrheit im ersten Wahlgang gegenüber ihren unmittelbaren Konkurrenten und ist somit die erste Frau an der Spitze Costa Ricas. Nach eigener Aussage wird sie an dem politischen und wirtschaftlichen Weichenstellungen ihres Vorgängers nicht rütteln. Wie sich Costa Rica unter ihrer Regierungszeit weiter entwickeln wird, erscheint angesichts einiger im Wahlkampf gemachter Äußerungen, z.B. gegen die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare oder die Abtreibung, ungewiss. Zudem ist Costa Rica in Nord- und Südamerika als Steueroase verschrien - Kompromisse in diesen Konflikten werden zumeist von den Schultern der schon Bedürftigen getragen . Ob sie bei diesem Pflichtprogramm noch Zeit finden wird für die eigentliche Kür - die Belange von Frauen, Jugendlichen und alten Menschen - es bleibt zu hoffen.