War was?

:: Die Woche :: 08.03. - 14.03.2010

Die Spielverderberin - Die Selbstverpflichterin - Die Quotenbringerin - Die Grand Dame der Berliner Republik

War die mediale Verbal-Schlacht mit Bushido den einen oder anderen spöttischen Klick auf eine der Panorama-Seiten der Tageszeitungen oder der Titelschlagzeilen des Boulevards wert, so ist die neuerliche Replik der Alice Schwarzer gegen den Frauentag am 8.März ein merkwürdiger Versuch, die eigene Klientel zu provozieren. Die Herren Politiker jedenfalls, die diesen Tag so gern für ihre tagtäglichen PR-Kampagnen instrumentalisieren, die werden Frau Schwarzer nicht böse sein. Das ist dann ein Tag weniger, an dem über Frauen im Allgemeinen und Besonderen gesprochen werden muss. Und auch ein Tag weniger, an dem sich der kultivierte und weltgewandte Mann an einen nicht außer Acht zu lassenden  Geburtstag erinnern muss. Frauen dagegen könnte es unter Umständen egal sein, dass ihr Tag mehr als 40 Jahre Opfer ideologischer Instrumentalisierung war. Mit dem Fall der Mauer konnte auch der Frauentag wieder von ihren Eigentümerinnen in Besitz genommen - und ganz eigen interpretiert werden. Dass Frau Schwarzer nun den Frauentag abschaffen und stattdessen 365 Tage im Jahr den Menschen an sich feiern möchte - unabhängig von ihrer humanoid-zentristischen Sichtweise- lässt etwas anderes außer Acht: Frauen und Männer sind verschieden. Dies wird sich niemals ändern.Weil aber Frauen Jahrhunderte lang benachteiligt wurden, erinnert der 8.März jedes Jahr an die Rechte jeder Frau, ebenso gleichberechtigt Teilhabe am gesellschaftlichen Leben haben zu müssen wie die Männer. Ein Vorschlag zur Güte: Der Frauentag am 8.März wird abgeschafft, und Alice Schwarzer darf am 9.März den wahren und unbelasteten Menschentag ausrufen.

 

Die Familienministerin ist jung (für eine Bundesministerin) und frisch im Amt und nunmehr auch frisch verheiratet. Ihrem Tatendrang stand dies alles bisher nicht im Wege und so ließe sich ihre Willensbekundung, den Anteil der Frauen in Führungspositionen zu erhöhen, als ambitioniertes Vorhaben einer ehrgeizigen Ministerin lesen. Vor allem, weil dies alles ohne so genannte Frauenquote erreicht werden soll. Wir erinnern uns - keine Quote = Selbstverpflichtung. Da allgemein bekannt ist, dass Männer in so genannten "Frauenangelegenheiten" dazu neigen, erst bei konkreten Anweisungen zu reagieren ("Du musst mir einfach sagen, was ich machen soll."), erscheint der Vorstoß von Frau Schröder sehr sportlich. Man könnte natürlich auch ein wenig über die Motive spekulieren.Ist sie z.B dem CDU-Klientel so sehr verbunden, dass sie die Maßgabe zur Selbstverpflichtung als Schlupfloch für die Zögerlinge anbietet? Oder möchte sie mit ihrem Appell an die Vernunft der Unternehmen einen idealtypischen Weg in der Umsetzung von hehren Ideen im alltagspolitischen Gemetzel beschreiten? Ersteres könnte die geneigten Leser traurig stimmen - zweites erscheint kompliziert und konstruiert - also eher unglaubwürdig. Wie die Erfahrungen und Ergebnisse in anderen europäischen Ländern zeigen, dürfte in Deutschland nicht das letzte Wort zur Frauenquote gefallen sein.

 

Selbstverpflichtung ist prima, aber ohne Quote weiß doch keiner, wann endlich Schluss sein müsste - mit den Frauen in Führungspositionen. Das ist natürlich gehässig interpretiert. Die Telekom will eine Frauenquote in ihrem Konzern einführen, die den Anteil der weiblichen Arbeitnehmerschaft in allen Bereichen von derzeit ca. 13 Prozent auf ca. 30 Prozent schraubt. Das wäre, unvoreingenommen gesprochen, löblich und besser als der Rest. Zumal- in Deutschland zumindest- schon ein DAX-Unternehmen in seinen Bemühungen um Mannigfaltigkeit einen empfindlichen Dämpfer einstecken musste. Dass das Vorhaben der Telekom in ihrer neuen Strategie 2.0 integraler Bestandteil sein wird, lässt die Erfolgschancen dieser Quote sowohl sehr sportlich als auch sehr naiv erscheinen. Aber egal: Ein Anfang ist allemal gemacht. Und wenn die Mädchen und jungen Frauen weiterhin ihren Siegeszug in Aus- und Weiterbildung erfolgreich beschreiten, werden sich die ehrgeizigen Pläne der männlichen Führungsriege vielleicht bald zu unumstößlichen Tatsachen entwickeln.

 

Hanna-Renate Laurien verstarb am 12. März diesen Jahres 81-jährig in Berlin. Liest man die Schlagzeilen zu ihrem Tod ("Hanna-Granata"), dann ließe sich glatt vermuten, dass ihr politischer Werdegang sie zwangsläufig nach Berlin führen musste. Denn wo anders als in Berlin ist der Umgang so ausgesprochen gepflegt ruppig? Liest man allerdings die Verlautbarungen, Interviews und Artikel der letzten Jahre über sie, dann wird das Bild einer Politikerin gezeichnet, die sowohl in ihrer Biografie als auch in ihrem politischen Denken und Handeln beneidenswert unabhängig war. Mit Hanna-Renate Laurien ist eine Grand Dame der deutschen Gesellschaft von uns gegangen, deren nachhaltiges Wirken sich erfolgreich der medialen Vereinnahmung widersetzt hat. Damit ist es an uns, sich an ihre Haltung und an ihre Ideen zu erinnern.