War was?

:: Die Woche :: 08.05. - 14.05.2009

Wohin, wohin - Auf heiliger Mission - Genug gesehen - Wieso hat Aung San Suu Kyi Hausarrest?

Der Kampf um die Gunst des Wahlvolkes ist nun vollends entbrannt. Als hätte es nur der Rede des Bundespräsidenten als Initialzündung bedurft, stürzen sich die Parteien endlich ins Gemetzel der Halbwahrheiten und Hinterlistigkeiten. Dem schaulustigen Wähler wird viel geboten: Parteiaustritte, Parteiwechsel, richtungsweisende Parteitage, historische Parteitage, Parteipressekonferenzen, parteiinterne Auseinandersetzungen, Parteienstreit - quasi das GZSZ des Wahlkampfes eben. Die Vergleiche sind allesamt ermüdend und trotzdem stimmig: Schaulaufen der Parteien, Play-Offs des Bundestages, das Elf-Meterschießen der Parlamentarierer. Doch noch bevor die Kämpfer ins Finale ziehen, werden sich die Wahlversprechen wie Spinnennetze im Altweibersommer über das Wahlvolk senken. Hoffentlich sind die Augen der Bürger beim Ausfüllen des Wahlzettels nicht zu sehr verkleistert von dem feinen Webstoff.

 

Papst Benedikt XVI. ist, sobald er den Fuß vor die Tür des Vatikans setzt, als Stellvertreter Gottes immer auf heiliger Mission. Lässt man nun in diesen Tagen seine Nahost-Mission Revue passieren, mit den Empfängen, Messen, Reden und Predigten scheint sich Papst Benedikt XVI. auf einer Mission zu befinden, die eher dem berühmten Gang auf dünnem Eis gleicht: Hier ein wenig und kühl auf ein Gedenken kapriziert, das Täterschaft und Mitverantwortung verschweigt, dort mit viel Gefühl und Versprechen in die Zukunft Gemeinsamkeiten und Versöhnung beschwörend. Waren die Ereignisse um die Pius-Bruderschaft und die Neuordnung der Karfreitagsfürbitte von einem unguten Gefühl begleitet, wirken die Zeichen, die Papst Benedikt XVI. in der Auseinandersetzung zwischen Israel und Palästina setzt, dagegen wie kleine Leuchtfeuer als Wegmarken in der Landschaft der religiösen, politischen und militärischen Machtkämpfe in der Region. Die Interpretation dieser Wegmarken ist in ihrem Ausmaß weder vollständig noch absehbar. Die Irritationen in Israel deuten aber schon jetzt auf die Möglichkeiten des Missbrauchs durch Finsterlinge wie den iranischen Ministerpräsidenten Ahmadinedschad. 

 

In den letzten Monaten war der neue US-Präsident Barack Obama immer wieder für eine Schlagzeile gut, die seinen Politikstil als klaren Gegenentwurf zu seinem direkten Vorgänger beschrieb. Alles Lüge? Alles wohldosiertes Kalkül eines abgeklärt denkenden Strategen? Die Rücknahme der Folterfotos, vor allem aber die Begründung dieser Rücknahme, scheint exakt dem Handlungsmuster amerikanischer Präsidenten zu entsprechen, wie wir es in den letzten 80 Jahren kennen lernen durften - der unbestechliche Besen der Selbstreflexion weicht dem heiß geschmiedeten Eisen des Patriotismus. Was Barack Obama aber jetzt macht, ist das Betreten von No-Go-Areas im politischen Alltagsleben. Wenn du deine viel beschworene und überzeugende Haltung ändern möchtest - zwinge deine neue Auffassung niemandem auf. Überzeuge. Argumentiere. Zeige Respekt. Zeige Verständnis. Barack Obama aber teilte den Amerikanern nur wortkarg mit, dass die Veröffentlichung der Folterfotos die Sicherheit der US-Truppen gefährden könnte sowie dem Ansehen des amerikanischen Volkes in der Welt und dem Selbstbewußtsein des amerikanischen Volkes schaden würde.  Das Ausblenden des Geschehenen wird sich wie ein Schatten auf die USA senken. Die erste Spur davon ist am Revers des Präsidenten Barack Obama zu finden.

 

Einfache Kinderfragen sind entsetzlich kompliziert. Als am 14.5. im Radio die Nachricht von der neuerlichen Verhaftung der bereits mit Hausarrest belegten Aung San Suu Kyi zu hören war, stellte der Sohn des Autors eine dieser einfachen Kinderfragen: Wieso hat Aung San Suu Kyi Hausarrest? Er wollte wissen, weshalb ein Mensch sein Haus seit nunmehr 13 Jahren nicht verlassen darf. Wer will so etwas? Die ersten Antworten fallen leicht. San Suu Kyi ist nicht nur eine Frau mit dem unbestechlichen Willen, der Demokratie in ihrem Land zum Sieg zu verhelfen. Sie war und ist auch noch erfolgreich damit. Jene, die sie zuerst ins Gefängnis sperrten und dann unter Hausarrest setzten, regieren Birma mit militärischer Gewalt. Sie haben Angst vor der kleinen Frau, Angst vor Demokratie, Angst,ihre herausgehobene Stellung, ihren bequemen und kostspieligen Lebensstil zu verlieren. Aber, wenn es so ein großes Unrecht ist, wieso hilft ihr keiner? Und wer hilft den Generälen? Nach ersten umfangreichen Erklärungen zu Wirtschaftssanktionen der UNO und der EU, diplomatischen Missionen und Konferenzen liegt die Frage immer noch ungerührt und ungeklärt auf dem morgendlichen Küchentisch. Haben Sie vielleicht eine Antwort darauf?