War was?

:: Die Woche :: 08.08. - 14.08.2008

Russischer Einmarsch – Hessisches Wahlgeschacher - Olympischer Geist - Wirtschaftliche Abwärtstendenzen – Kindische Überraschungsei-Verbote

Wer hat Schuld? Wer hat angefangen? Russland hat provoziert und Georgien ist in die Falle getappt? Diese Version ist eine derjenigen, die im Umlauf sind. Doch keiner kann mit Sicherheit sagen, wie der russisch-georgische Krieg um Südossetien begann. Jedenfalls mündete das Ganze in einen „imperialen Rückfall“ Russlands. USA fand überraschend deutliche und harte Worte dafür. Und Russland stellte USA die Freundschaftsfrage. Appelle und Mahnungen des Westens erzeugen in Moskau vermutlich nicht mehr als „grinsende Gleichgültigkeit“. Um den jüngst geschlossenen Friedensplan schert sich Russland offenbar nicht viel. Nun sind erstmal sowohl die Nato- wie auch EU-Mitgliedschaft Georgiens in weite Ferne gerückt und vermutlich war es u.a. das, was Russland bezweckte. Nebenbei zeigte Putin, wer in Russland die Hosen anhat und verbannte Medwedjew auf den Zuschauerrang.


Ypsilanti kann's nicht lassen und gebärdet sich für viele als nicht aufhören wollender Alptraum. Weil sie erneut Anlauf nimmt, mit den Linken zu paktieren, um endlich als Regierungschefin in Wiesbaden Platz nehmen zu dürfen, riskiert sie die große Vertrauenskrise in der SPD. Beck tut so, als könne sie ihr Ding machen, in das sich die Bundes-SPD nicht einmische. Doch innerhalb der Sozialdemokraten kracht und ächzt es im Gebälk. Vielen geht der Hessenpoker gehörig gegen den Strich.


Olympia ist Ausnahmezustand – das wussten schon immer alle: Turner Hambüchen stürzt ab, die deutschen Ruderer gehen unter, und auch die Synchronspringer schafften nicht das, was sie und andere von ihnen erwarteten. Super läuft es dafür für unser Fechter und Reiter. Und gut im Rennen liegen fast alle Ballspieler. So viel Licht und Schatten, und das auf engstem Raum beisammen. Im Becken werden so viele neue Weltrekorde geschwommen, dass große Fragezeichen nicht ausbleiben: Ausnahmesportler oder schwimmende Kleiderschränke in Wunderanzügen? Manche werden sogar schon des Phänomens Phelps überdrüssig. Viel offensichtlicher zweifelhafter ist das Alter der turnenden Chinesinnen. Aber ob diese nun tatsächlich 16 Jahre sind oder nicht, spielt kaum eine Rolle, da nicht sicher ist, „was schlimmer ist: einem zum Imagegewinn missbrauchten zehnjährigen Kind zuzuschauen oder einem 16 Jahre alten Mädchen im geschrumpften Körper einer Zehnjährigen.“ Dabei sein war schon immer mehr als gewinnen um jeden Preis. Und deshalb fiebern (und leiden) wir mit allen mit – ob sie es nun auf das Treppchen schaff(t)en oder nicht.


Die deutsche Wirtschaft ist im Rückwärtsgang – sie ist seit vier Jahren das erste Mal wieder geschrumpft. Finanzmarktturbulenzen, starker Euro und Ölpreisanstieg bleiben nicht ohne Konsequenzen. Doch keine Panik, rufen die Experten, und dass wir von einer Rezession noch weit entfernt sind und die Zahlen immer noch besser als die Prognosen - nämlich nur einem Rückgang um 0,5 % gegenüber den vorangegegangenen drei Monaten entsprechen statt 0,9% wie vorausberechnet. Außerdem ist alles einen Frage der Bezugsgröße. Gegenüber dem Vorjahr gesehen gibt es nämlich ein Wachstum. Also was nun - alles halb so schlimm? Oder wird hier schön geredet, damit die Leute nicht noch mehr mit dem Konsum knausern? Wenigstens ist sich auch die Politik nicht einig, was nun das Richtige zu tun ist.


Die wahren Dramen Deutschlands spielen sich auf anderem Niveau ab. Eine Frau, ein Verbot, ein Überraschungsei. Die Regulierungswut in Deutschland treibt wüste Blüten, doch scheinbar fühlen sich manche immer noch nicht sicher. Dem Überraschungsei, Liebling aller Kinder, ging es fast an den Kragen – weil die Kinderkommission von ihm todbringende Gefahren ausgehen sah, da es sich um untolerierbare Beimengung von Essbarem mit Spielzeug handelte, das verschluckt werden könnte. Den Liberalen brach der kalte Schweiß aus – ausgerechnet von einer FDP-Politikerin stammte der Vorstoß. Doch plötzlich gab es doch noch so etwas wie ein Aufschrei und ein Aufbegehren. Das ging den Leuten zu weit. Wie sagte ein Mediziner dazu: „Da kann man ja gleich den Osterhasen verbieten.“Dann fand sich „Gnade für das Ü-Ei“. Es gibt ihn scheinbar doch noch, den gesunden Menschenverstand.