War was?

:: Die Woche :: 09.04. - 15.04.2007

Google schnappt sich DoubleClick. Tatsachenverdrehung im Schwabenland. Der Terror kehrt nach Algerien zurück. Merkel pfeift den Steuersenker Glos zurück. „Spion Staat“ im Dienste der Sicherheit. Der Papst will in die Bestsellerlisten. Die Invasion der Engländer. Und Männer werden jetzt komplett überflüssig – biologisch gesehen zumindest.

Von: Bärbel Kerber, Foto: stock.xchng

vom 16.04.07

Nach YouTube nun DoubleClick - Googles Appetit scheint groß. Und aus der Suchmaschine wird zunehmend ein Werbeunternehmen: Google reisst sich für 3,1 Mrd Dollar die Online-Werbefirma DoubleClick und somit die Vormachtstellung in der Internetwerbung unter den Nagel. DoubleClick ist das führende Unternehmen für gezielte Platzierung von Werbung im Internet und kann über intelligente Software gleichzeitig deren Wirksamkeit prüfen. Kein Wunder, waren Microsoft, Yahoo, AOL und Time Warner Group scharf auf diese Goldmine. Die wurden nun alle kalt lächelnd aus dem Rennen gekickt.


Baden-Württembergs Landeschef Oettinger bewegt sich am Abgrund. Sagt er doch allen Ernstes in seiner Trauerrede für den ehemaligen Ministerpräsidenten Hans Filbinger, dieser sei "kein Nationalsozialist gewesen," sondern sogar ..."ein Gegner des NS-Regimes" (obwohl eben derselbe 1978 sein Amt niederlegen musste, als bekannt wurde, dass er am Ende des 2. Weltkrieges für einige Todesurteile von Deserteuren verantwortlich war.) Was Winfried Kretschmer von den Grünen süffisant mit den Worten quittierte "Ich dachte, ich bin auf der Beerdigung eines Widerstandskämpfers." Günther Oettinger wollte sich einfach nicht entschuldigen, Merkel wurde sauer und viele fordern jetzt Oettingers Rücktritt von seinem Amt.


In Algerien gab es einen Terroranschlag der maghrebinischen Filiale von Al Quaida. Erinnerungen an den Bürgerkrieg der 90er Jahre werden wach. Seit 1992 schwelen dort Konflikte mit islamistischen Fundamentalisten. Doch Experten sagen, es bestehe keine Gefahr der Destabiliserung des Landes. Denn erstens hätten die Menschen in Algerien die Gewalt satt und zweitens stünden die jüngsten Ereignisse nicht für eine Massenbewegung.


Ein hübsches Osterei hat Michael Glos den Bürgern ins Nest gelegt: Laut kündigt er Steuersenkungen an. Dem Bürger hüpft das Herz vor Freude, doch bei näherem Hinsehen entpuppt es sich als Kuckucksei: Erst 2009 meinte er und sowieso nur dann, wenn wirklich genügend Geld da sei. Unser Wirtschaftsminister macht Finanzpolitik nach Kassenlage – nicht unbedingt das, was Ökonomen empfehlen. Ein neues Steuersystem mit niedrigen Steuersätzen hat eine Menge Vorzüge, ist aber wohl nicht das, was Glos hier verfolgt. Nun, sogar Angela Merkel bekam einen erhöhten Pulsschlag und trat den Glos'schen Versuch, sich beliebt zu machen, rasch in die Tonne.


Das Sicherheitsnetz wird immer engmaschiger gestrickt – wie immer natürlich zum „Wohle der Bürger“. Wolfgang Schäubles neuestes Vorhaben, den digitalen Zugriff der Polizei auf die Passbilder des neuen Reisepasses auszuweiten, ist der aktuelle Zankapfel aus dem Innenministerium. Den dadurch möglichen Schnellabgleich zwischen Täterfotos und Bürgerfotos ist für die Ängstlichen eine prima Sache und für die Freiheitsliebenden eine Ungeheuerlichkeit. „Im Zweifel für die Sicherheit“ tönen die einen. „Hier kommt der Überwachungsstaat“, sagen die anderen. Es ist ein schönes Beispiel, wie die Begehrlichkeiten (hier des Staates) mit den Möglichkeiten wachsen. Schäuble selbst versteht die Aufregung nicht.


Der Papst als Buchautor – das gab's noch nie. Aber natürlich bleibt er bei seinem Leisten. Das Buch handelt schließlich von „Jesus von Nazareth“. In 30 Sprachen wird es übersetzt. Allein in Deutsch erscheint es mit einer Erstauflage von 200.000 Stück – pünktlich zu seinem 80. Geburtstag. Ratzinger unternimmt den ehrenhaften Versuch, fern aller Lehren der Frage nachzugehen, wer dieser Jesus eigentlich wirklich war. Seine Leser wird er trotzdem zum Schwitzen bringen.


Drei englische Fussballclubs im Halbfinale der Champions League – da werden die Deutschen blass vor Neid. Die „Invasion der Engländer“ wird die neueste Entwicklung schon genannt. Auch Michael Ballack schwebt mit seinem FC Chelsea auf Wolke Sieben. Und Rule Britannia hallt es durchs Inselreich.


Bald ist es soweit und wir können menschliche Spermien künstlich im Reagenzglas züchten. Deutsche Wissenschaftler arbeiten fieberhaft daran, den Mann zu ersetzen. Noch klappt es nicht 100-prozentig, aber in ein paar Jahren werden aus Knochenmark gewonnene Stammzellen das Rohmaterial für Sperma darstellen können.