War was?

:: Die Woche :: 09.11. -15.11.2007

Müntes Rücktritt von allen Ämtern – und Thierses Verbalausfall – König Juan Carlos wenig königlich - Tod eines italienischen Fussballfans – Dänemark hat gewählt - David Lynchs durchgeknallte Idee von der Friedensuni – Brot und Spiele beim Bayern München

Franz Müntefering geht - aus privaten Gründen - und alles fragt sich, ob damit das Ende der großen Koalition eingeläutet ist. Becks neue Truppe wird vorgestellt, doch die Sorgenfalten bleiben auf beiden Seiten. Merkel mit einem neuen Vizekanzler Steinmeier – ob das gut geht? Die Union jedenfalls erspart sich jegliche Triumphgefühle. Auch Spekulationen, ob Münte nicht einfach genug hatte, sind fehl am Platze. Und ebenso Äußerungen wie Wolfgang Thierse sie von sich gab. Der Bundestagsvizepräsident hatte zum Seitenhieb auf Helmut Kohl ausgeholt. Selbst wenn er nur Münteferings Rücktritt rechtfertigen wollte – das hier geht nicht. Er benützte eine billige Metapher, weswegen es nun Rücktrittsforderungen gibt.

 

Die Hassliebe zwischen Lateinamerika und Spanien bekommt neues Futter. Juan Carlos watscht öffentlich Hugo Chavez ab. Beim Iberoamerika-Gipfel in Santiago de Chile riss dem spanischen König der Geduldsfaden, als Venezuelas Präsident Hugo Chavez nicht aufhörte zu stören und Spaniens Ex-Regierungschef Jose Maria Aznar als Faschisten beleidigte. Juan Carlos sagte, er solle die „Klappe halten“. Chavez fordert eine Entschuldigung. Juan Carlos sieht dafür keinen Anlass. Inzwischen gibt es den verbalen Aussetzer des Königs als Klingelton.

 

Weil Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen seine Unterstützung schwinden sah, gab es vorgezogene Neuwahlen. Doch wirklich glücklich hat ihn das Ergebnis nun auch nicht gemacht. Es hat ihm gerade mal so für eine weitere Amtszeit gereicht, die Rechtspopulisten dagegen haben gar zugelegt. Ob sich der Wahlpoker gelohnt hat? Das Regieren wird für den Dänen nun schwieriger. Rasmussen und seine rechtsliberale Venstre-Partei sitzen mit einer hauchdünnen Mehrheit in der Klemme

 

Bei Streitereien zwischen Lazio-Anhängern und Fans von Juventus Turin wurde ein italienischer Fussballfan von einem Polizisten erschossen. Daraufhin kam es zu Ausschreitungen in mehrerer Städten Italiens. Die Emotionen kochten hoch und Fangruppen verbündeten sich - es war fast „wie im Bürgerkrieg“. Ob es das Problem löst, nur noch Kinder in die Fankurven zu lassen? Für Sozialwissenschaftler ist der italienische Fussball ein Sonderfall. Dieser erhält wohl erstmal eine Zwangspause. Der Polizist steht nun unter Mordanklage.

 

David Lynch und (s)ein Guru auf dem Teufelsberg: Das hatte schon fast wieder komische Züge. Doch den Studenten war gar nicht zum Lachen als Regisseur Lynch mit einem selbsternannten „Raja von Deutschland“ die neue "Universität des unbesiegbaren Deutschland" ankündigte. Das erinnerte mehr an die Idee für einen durchgeknallten, esoterischen Sektenfilm als an ein ernstzunehmendes Vorhaben. Die Berliner Behörden rudern auch bereits wieder zurück.


Bayern-Manager Uli Hoeneß hat ordentlich Porzellan zerschlagen im Spagat „zwischen Kommerz und Fanliebe“: Bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern kam es zum offenen Schlagabtausch zwischen den Fans von den Stehplätzen, die gegen die schlechte Stimmung in der teuren Allianz-Arena und die sektschlürfende Schickeria auf den besseren Plätzen wetterten und den Vereinsbossen, die ihre zahlfreudige VIP-Klientel hofiert, um das Stadion bezahlt zu bekommen. Uli Hoeneß kanzelte die Fan-Kritik als „populistische Scheiße" ab und wütete „Was glaubt ihr denn, wer Ihr seid?“.