War was?

:: Die Woche :: 10.07. - 16.07.2009

Die alte Gier ist zurück – Machtgeschacher im Autoland – Zu faul und zu blond für die Politik? – Zoff um die Rentengarantie

Vielen bleibt staunend der Mund offen stehen. Als ob nichts gewesen, wäre drehen die Investmentbanken an der Wall Street der Finanzkrise und den von ihr Gebeutelten eine lange Nase und fahren die größten Gewinne seit langem ein. Den Beginn machten gerade eben Goldman Sachs und JP Morgan Chase. Andere folgen vermutlich. Wie kann das sein? Vielen ist das Ganze unheimlich, sehen suspekte Verflechtungen. Und kritisieren die „Kumpanei von Staat und Finanzsektor“. Ob das nun mit rechten Dingen zuging oder nicht – Tatsache ist wohl: Die Gier der Banker ist zurück. So viel wie die letzten Monate haben die Goldmänner noch nie an Gehälter und Boni erhalten. Das Karussell dreht sich wieder. Wurden kürzlich noch die Gehaltsexzesse der Banken als selbstsüchtig gegeißelt, heisst es nun bereits wieder "BAB" - "Bonuses are back". Wie formuliert es ein Deutsche-Bank-Vorstand so treffend: „Haben die nichts gelernt?“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

Ist im Machtkampf um Porsche nun Piech am Ziel? Es war ein Zerren und Ziehen in der Übernahmeschlacht, und bis zum Schluss nicht klar, wer nun wen übernimmt. Der alte Haudegen und Machtmensch Piech hat es schließlich geschafft. Und Wiedeking muss wohl gehen. Von Mobbing sprechen sogar manche. Was da tatsächlich hinter den Kulissen gedreht wurde und welchen Einfluss Christian Wulff spielte, bleibt im Dunkeln. Dennoch sollte der Ministerpräsident, der seine Sonderrolle in dem Machtspiel sichtlich auskostete, wohl „besser schweigen“. Jedenfalls ist der Traum des einen (Wiedeking) von einem unabhängigen Sportwagenunternehmen in Stuttgart ausgeträumt, und der Traum eines anderen (Piech) von einem europäischen Autoriesen, der 10 Marken unter einem Dach vereint, bald wahr. Ob das gut für Volkswagen ist, muss sich erst zeigen. Sicher ist nur: Der Mann spaltet: von den einen bewundert, von anderen als ausgebufft und widersprüchlich verschrien. Geschichten, die das (Wirtschafts-)Leben schreibt, sind immer noch die spannendsten.


Eigentlich wäre es nirgends der Rede wert gewesen, dass Silvana Koch-Mehrin mit einem denkbar schlechten Ergebnis erst im dritten Wahlgang zu einer von 14 Vizepräsidenten des EU-Parlaments gewählt wurde. Wäre da nicht die ganze Diskussion um ihre Person, ihre An- bzw. Abwesenheiten, ihren Babybauch, Mutterdasein, ihre Verbal-Angriffe auf männliche Politikerkollegen. Woran lag es denn nun, dass Koch-Mehrin einen Denkzettel erhielt? Nun, möglicherweise war die Kritik nicht völlig unberechtigt, eine 63%ige Anwesenheit sei etwas zu dürftig (wobei einer der Angreifer selbst auch gerade mal eine Anwesenheitsquote von 67% schaffte). Möglicherweise ging ihre Anschuldigung, dass mancher EU-Parlamentarier gerne zu Gast bei Prostituierten sei, ohne Beweise zu haben, etwas zu weit. Möglicherweise hat sie tatsächlich ihre Attraktivität bewusst zur Medienshow eingesetzt. Zweischneidig bleibt die Kritik dennoch, da diese ausgerechnet an zwei typisch weiblichen Stereotypen festmacht: 1.) Sie sei zu eitel und auf ihr Äußeres bedacht. Und 2.) sie könne sich als Mutter eben doch nur eingeschränkt um ihre Arbeit kümmern. Klar ist nur, dass „Weiblichkeit mitzuinszenieren ein gefährlicher Weg ist in der Politik, die eher Männlichkeit honoriert“, wie es die taz analysiert. Weshalb sie riskiert, in die Schublade „zu faul, zu blond, zu Frau“ gesteckt zu werden, aus der leider nur schwer herauszukommen ist.


Die Idee war nicht schlecht. Die Rentengarantie sollte garantieren, dass die Renten garantiert kein Wahlkampfthema werden. Nun sind sie es doch. Steinbrück-Haudrauf hat rot gesehen nach der Vorlage seines Parteigenossen Scholz. Doch das Gesetz ist längst beschlossen. Nichts mehr zu ändern. Steinbrück muss dennoch stänkern. Und handelt sich nun massiv Ärger damit ein. Warum tut er das? Ist das nun Ehrlichkeit, die ihn treibt? Oder ist es auch wieder nur taktische Wahlkampfspielerei? Steinbrück ist dafür bekannt, dass er sich das laute Denken nicht verbieten lässt. Und so fällt ihm die undankbare Aufgabe zu, Rentengarantie und Generationengerechtigkeit „wenigstens rhetorisch“ zu vereinen.