War was?

:: Die Woche :: 10.10. - 16.10.2008

Hau die Luzie - Lass stecken, Joe - Im Westen nichts Neues - Kinder, Kinder

Das ging dem alten Mann, anfangs, runter wie Öl. Wer am Sonntag die Aufzeichnung zur Verleihung des Deutschen Fernsehpreises sehen konnte und wollte, hatte das Vergnügen, Marcel Reich-Ranicki in der Pose des empörten und zum Teil auch tief traurigen Mentors des deutschen Fernsehens zu erleben. Mit wohlgesetzten Worten holte Reich-Ranicki in kurzen und gezielten Schlägen aus, um der deutschen Fernsehunterhaltung auf die Sprünge zu helfen. Und siehe, es kam ein Thomas Gottschalk gesprungen und bot einen geeigneteren Platz zum Plausch über die verkommene Welt in der 16:9-Perspektive an. Traurig nur, dass Reich-Ranicki dem Angebot, eine gemeinsame Sendung zum Thema Qualitätsfernsehen zu machen, sofort zustimmte.  Und so geht es von "einer Farce zur nächsten".

 

Auch John McCain gab den Retter - des entrechteten und enterbten Mittelstandes der USA. Der heißt jetzt Joe und ist Klempner, mit der Perspektive auf mehr. Na ja. Nachdem Sarah Palin den Demokraten ein ums andere Mal Steilvorlagen hinsichtlich ihrer Kompetenz und Erfahrung in Wirtschaft, Politik und dem Leben insgesamt gegeben hatte, war es nun an John McCain, deutlich zu machen, dass die Wahl von Sarah Palin weniger spontan und zufällig war wie im Allgemeinen kolportiert, sondern Teil des suizidalen Wahlkampfkonzepts McCains war. Also brachte John McCain Joe Wurzelbacher mit. Und es funktionierte. Barack Obama konnte in jeder Hinsicht glänzen und zusätzliche Wählerstimmen für sich gewinnen. Darum erscheint es angebracht, den Namen John McCain noch einige Male zu nennen. Denn in 2 Jahren wird sich vielleicht kein Mensch mehr an ihn erinnern können. Erste Risse in der Wahrnehmung von John McCain stellte dieser bezeichnenderweise selber fest. "I'm not President Bush." So - right you are.

 

Ach, übrigens. Die Krise gibt es immer noch. Die Finanzwelt-Wirtschaftsimmobilienkrise ist gemeint. Nach diesen Wochen ist die deutsche Öffentlichkeit bestens geschult in Termini, wie Rezession, Inflation, Stagflation, Aktien, Bonds, Staatsanleihen etc.. Quasi eine Nation von im Mediencrash-Kursverfahren geschulten Wirtschaftsexperten. Das hat Deutschland auch nötig, denn die deutsche Politik krankt an fehlendem, d.h. kompetentem Personal. Dass die in den letzten Wochen offenbar gewordene Wirtschaftskrise weniger mit dem zyklischen Charakter des kapitalistischen Wirtschaftssystems als vielmehr mit der fehlenden Regulierung durch die politisch Verantwortlichen zu tun hat, ist allen klar. Aber aussprechen will es keiner so recht. Nur hier und da flammt mal swas wie spontane Kritik auf. Wie heißt es so schön bei Janosch: "War alles Quatsch, klar. Wir wissen das." Hoffen wir mal, dass sich diese Erkenntnis schnell herumspricht.

 

Ebenso hoffen wir mal, dass Frau Ursula von der Leyen in der Gemengelage (siehe auch hier) zum Kindergeld nicht aus den Augen verliert, dass die Unterstützung der Familien mit Kindern nicht zum Feigenblatt für die familienfeindliche Abgabenpolitik der Regierung Merkel/Steinmeier wird. Denn die Erhöhung des Kindergeldes läuft parallel zur Erhöhung der Abgaben für die Krankenkassen. Dass die Kindergelderhöhung letztendlich nur bei denen ankommen wird, die in Arbeit sind und dabei ausreichend verdienen, gerät somit zur peinlichen Fußnote der gesamten Debatte. Wie heißt es so schön: Bitte lesen Sie das Kleingedruckte. Alle Maßnahmen des Familienministeriums wurden mit Pomp und Feuerwerk der Öffentlichkeit präsentiert. Und im Nachgang erwiesen sie sich allzu häufig als halbherzige Rechtfertigungen, überhaupt , ein Familienministerium in der jetzigen Regierung zu besetzen. So verwundert es nicht, dass das Ressort Familie mit den Ressorts Umwelt und Entwicklungshilfe die Bereiche sind, die mit einstelligen Millliardenbeträgen im Haushalt 2009 bedacht sind.