War was?

:: Die Woche :: 11.04. - 16.04.2009

Auf den Hund gekommen - Schwein gehabt - Die Tafelrunde hat Langeweile - Mein Himmel ist hier und jetzt

Versprochen ist versprochen. Und Obama, der für DEN neuen Stil in der Politik steht (wahrhaftig, authentisch, auf Gemeinsamkeiten bedacht, frei von Tricks und Kleingedrucktem), konnte gar nicht umhin, auf den Hund zu kommen. Das wurde auch Zeit, nachdem sich die amerikanische Außen- und Innenpolitik zusehends versachlichte. Wer möchte schon ständig und detailliert über die Fortschritte in den Verhandlungen um den Klimaschutz (Wer muss sich da eigentlich vor wem schützen?), die Auseinandersetzungen um  Atomwaffenabbau (Wir sind schutzlos den Ultras der Weltpolitik ausgeliefert!) oder die Finanzkrisenbewältigungsgipfelkonferenzen (sic?) eingeweiht werden. Michelles Garderobe ist hip, die Beete bestellt, der Vorgarten grünt, da fehlte nunmehr noch einer, der dort seine Spuren hinterlässt. The First Animal – is a dog. Die Rasse des noch kleinen, schwarz-weißen Puschelchens sagt natürlich nichts, auch  gar nichts über die Gewohnheiten des höchsten Tieres nach dem Präsidenten aus. Wie auch immer – es bleibt zu hoffen, dass weder unzüchtig im Garten noch hilflos in der Politik verwässert wird, was eben erst beginnt zu keimen.

 

Während die einen auf den Hund kommen, versuchen die anderen, Schwein zu haben. Oder sollte man eher sagen: Schwein zu behalten. Die Fakten sind klar wie lange nicht.  Eine Firma M.(onsanto) steckt erhebliches Geld in die Erforschung genanalysierender Zuchtverfahren bei Schweinen. Sie greift dabei auf allgemein zugängliche Erkenntnisse zurück, die sich beim Züchten von Schweinen über die Jahre angesammelt hatten und vor allem besonders fleischige Exemplare der Gattung betreffen. Die findigen und nicht billigen Laboranten der Firma M. entwickeln ein Verfahren, gezielt nach diesen Exemplaren zu suchen und diese dann zur Züchtung zu verwenden. Firma M. meldet ein Patent für dieses Verfahren und alle aus dieser Züchtung entstandenen Fleischrationen mittäglicher Festtagsessen an. Forschung – Verfahren – Patent – Lizenz: Richtig viel Schotter. Die Sache bekommt nun den ersten Haken. Einmal mittels dieses Verfahrens gezüchtete Schweine und ihre Nachkommen kosten Lizenzgebühren. Falls sich dieses Zuchtverfahren aufgrund seiner Gewinnmaximierung (mehr Fleisch – mehr Umsatz) durchsetzt, hätte der Lizenzgeber eine quasi inflationsresistente Anlage. Geldgeilheit kam noch nie gut an. Aber fairerweise ist zu sagen, dass nicht die Firma M. das eigentliche Problem ist, sondern der Gesetzgeber. Und das ist der zweite Haken. Solange Genforschung unter der Flagge betriebswirtschaftlicher Effizienz-Steigerung betrieben wird, solange werden wir uns mit diesem feinen Problem herumquälen dürfen – und es wird nicht helfen, sich komplett vegetarisch zu ernähren.

 

Kaum sind die Ritter der Tafelrunde in ihre Burgen zurück- (oder auch woanders) eingekehrt, lästert Nicolas "Weißer Ritter" Sarkozy über den Neuen in der Runde. Er hätte noch einiges zu lernen, da er noch nicht lange genug im Amt sei usw. usf.. Auch die Herzdame der illustren Runde bekam ihr Fett weg. Erstaunlich nur, dass der Beau der europäischen Politik Sarkozy eine Bemerkung wert war, die vollkommen im Gegensatz zur öffentlichen Wahrnehmung des Schlagersängers steht.

 

Elfriede Gerstl ist tot. Sie starb am 9. April 2009 im Alter von 76 Jahren. Ihre Lyrik vermittelt, insbesondere von der Autorin selbst gelesen, eine Filigranität und Resolutheit, die auch Elfriede Jelinek im Sinn gehabt haben könnte, als sie über ihre (Vor-)Namensvetterin nun schrieb: "Diese zarte kleine Person, die immer im Hellen herumgelaufen ist und so hell und witzig geschrieben hat, hat das Dunkelste erlebt, ohne je selbst verdunkelt gewesen zu sein in ihrem Wesen und Schreiben. Das ist für mich immer das Unbegreiflichste gewesen, ein Wunder." Elfriede Gerstl überlebte als Kind jüdischer Eltern die Zeit des Nationalsozialismus in unzähligen Verstecken. Sie ist zu hören auf der Website lyrikline.org.