War was?

:: Die Woche :: 11.04. - 17.04.2008

Brot statt Diesel – Und immer wieder Berlusconi - Ein Sachse für Sachsen – Stammzellen ohne Fraktionszwang – Kanzlerinnendekolleté und Halberstadtschatz

In Washington tagten Weltbank und Währungsfonds, doch um Geldströme, Kapital und Bankenkrise ging es nur am Rande. Die Landwirtschaft, genauer gesagt die weltweit steigenden Preise für Nahrungsmittel und Rohstoffe hielten die Finanzmogule in Atem. Steigende Nachfrage aus China und Indien nach allem, was die Erde so hergibt, aber auch der Anbau von Futterpflanzen zur Gewinnung von Biosprit tragen dazu bei, dass es zu Brotpreisunruhen an vielen Orten der Welt kommt. Mit dem Brotpreis fing die Französische Revolution an, und so sieht mancher Experte im Kampf um Nahrung und Wasser den Konfliktherd der Zukunft. Knirschen tut es erstmal im Berliner Kabinett zwischen der Entwicklungshilfeministerin und dem Umweltminister - Brot statt Diesel!


Um die Pizza ging es im weitesten Sinne auch in Italien. Dort haben die Nachfahren der Römer wieder einmal - und zwar zum dritten Mal - den umstrittenen Anti-Politiker Silvio Berlusconi zum ersten Mann der Politik auf dem Stiefel gewählt. Gleichzeitig wurde das Gestrüpp der italienischen Parteienlandschaft gelichtet, viele kleine Parteien blieben im Lagerwahlkampf auf der Strecke. Und Il Cavalieri ließ schon mal wissen, dass jetzt finito sei mit Müllmafia und Alitalia-Verkauf. Auf jeden Fall serviert die Pizza nun wieder der Mann, der den Schönheitschirurgen Sonderkonjunkturen verschafft haben soll. Ob sich Deutschlands Politiker nun auch liften lassen?


Für ihn wird ein solcher Trend zur Gesichtshautstraffung wohl zu spät kommen. Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt ist zurückgetreten. Die Strudel der amerikanischen Subprimekrise in Form milliardenschwerer Schrottpapiere in den Bilanzen der SachsenLB haben letzten Endes auch den wackeren Ministerpräsidenten verschlungen. Immerhin ein sauberer, schneller und durchaus würdevoller Abgang, so war’s von Freund und Feind zu hören. Wie geht’s nun weiter im Freistaat? Mit dem bisherigen Finanzminister Stanislaw Tillich übernimmt nicht nur ein weiterer waschechter Ossi das Ruder in einem neuen Bundesland, sondern auch noch ein Sorbe (und damit erstmals ein Sachse).


Stammzellen haben nichts mit Vollzugsanstalten zu tun, sondern bringen endlich einmal Leidenschaft und offene Debattenkultur in den Deutschen Bundestag. Worum ging es? Die Volksvertreter haben sich mehrheitlich dafür entschieden, die medizinische Forschung mit vor dem 1. Mai 2007 entstandenen menschlichen Stammzellen zu ermöglichen. Und weil „Entstehung von Stammzellen“ im Klartext Tötung menschlicher Embryonen im Frühstadium bedeutet, ging der Kampf der Argumente kreuz und quer durch die Parteien, Fraktionen und eine Mehrheit gab es auch nur dadurch, dass es für diese Frage durch Aufhebung des Fraktionszwangs praktisch keine Regierung und keine Opposition gab. Nur freie Abgeordnete – Demokratie pur.


Während der Großteil des journalistischen Boulevards sich der Frage nach dem Dekolleté der Kanzlerin widmete und nur eine Kommentatorin schwesterlich feministisch beobachtete, dass nicht nur eine Frau Kanzlerin, sondern eben auch eine Kanzlerin Frau sein kann, beugte man sich anderswo über noch größere Schätze. Im Städtchen Halberstadt ist fortan der berühmte Domschatz in einem schmucken Museumsneubau zu bewundern. Bundespräsident Köhler eröffnete, die Fachwelt kam, und alle Besucher waren sprachlos darüber, dass die wohl kostbarste Sammlung mittelalterlicher Sakralkunst außerhalb des Vatikans ausgerechnet im Harz bald 1000 Jahre überlebte. Hinfahren und staunen.