War was?

:: Die Woche :: 11.07. - 17.07.2008

Weltbayernvorderwahlhalali - Weltjugendglauben - Weltwirtschaftswackeln - Weltdopertreffen

Bald wählt Bayern und Deutschland schaut gespannt über die Grenzen des Freistaates. Denn das Ergebnis soll Aufschluss geben, über die Lenkbarkeit des Wählerwillens, über die Anfälligkeit der Etablierten, über die Stimmung im Lande. Dass sich der Freistaat als Testparcours bundesdeutscher Politik eignen könnte, war nicht abgemachte Sache. Jedenfalls bis zu dieser misslichen "rei " Pauli. Mit Fug und Recht läßt sich sagen, dass es von da an bergab ging, mit den Umfragewerten der CSU, mit der garantierten absoluten Mehrheit. Ebenso unbestritten erscheint die Möglichkeit, dass sich in Bayern eine demokratische Kultur etabliert, die den Leitgedanken moderner Demokratien eher genüge tut, als es die bisherige Ein-Parteien-Regierung umsetzen konnte.

 

Auch die katholische Kirche kämpft beständig an der Verfeinerung ihrer Umgangsformen. In diesen Tagen in Australien, zum Weltjugendtag, wo die Jugend der Welt erfährt, "dass die Kirche den Jugendlichen nahe ist, keine Angst vor ihnen hat", wie Kardinal Rylko auf Radio Vatikan zu vermerken hatte. Und auch der Papst nahm kein Blatt vor den Mund bei seiner Rede zum Weltjugendtag der katholischen Jugend. Zumindest was die Themen betreffen, die jedem Politiker zur Zierde gereichen: Umweltschutz inkl. des "unersättlichen" Verbrauchs natürlicher Ressourcen, Missbrauch von Internet und TV und zum guten Schluss: die Anerkennung der Anerkennung der Aborigines durch die australische Regierung. Leider schien ihm der eine oder andere Redezettel abhanden gekommen, denn wie sonst ist zu verstehen, dass der Papst auch dieses Mal nicht den Missbrauch der Priester von Schutzbefohlenden thematisierte.

 

Auf einer ganz anderen Party irrlichtern derzeit die Volkswirtschaften. Denn die Finanzkrise geht weiter. Und erstens ist kein Ende abzusehen und zweitens müssen es die Steuerzahler richten. Der Zusammenhang zwischen dem Versagen der Finanzmärkte und dem schleichenden Beginn einer weltweiten Rezession ist jedenfalls keine Chimäre mehr. Nur: welche Konsequenz ziehen wir aus dem Debakel? Wenn den großen Finanzjongleuren in ihrer wahngetriebenen Leistungs- und Fortschrittsgläubigkeit bei hochriskanten Geschäften die Grundpfeiler von Demokratie vollkommen egal sind, weil sie sich in der zweifelhaften Vorstellung von Liberalismus, Selbstverwirklichung und Selbstverantwortung unverletzlich wähnen? Eines scheint wiederholt deutlich geworden zu sein: der Markt ist selbstregulativ. Aber eher im Sinne eines Raubtieres. Er zerfetzt die Bedarfe, er verschleudert die Ressourcen und erst im letzten Moment bemerkt er, das er sich ins eigene Fleisch gebissen hat.

 

Wie auch die Kobra. Voller Gier nach Ruhm und dem rauschhaften Erlebnis des Erfolgs stürmte Riccardo Ricco nach Super-Besse. Nur waren es nicht die Euphorie vor dem Sieg oder seine Beine, die ihn nach oben stürmen liessen. Es war zuallererst EPO und wahrscheinlich noch einiges mehr, welches sich dem dopenden Spitzensportler als Wundermittel anbiedert und ihn den Berg hochgetragen hatte. Ist jetzt die Zeit, darüber zu schweigen? Überlassen wir sie ihrem Schicksal, denn sie haben es selber so gewollt? Nein. Es ist nicht nur ihr Leben, welches sie verschwenden. Es ist nicht nur ihr Wissen, welches sie mißbrauchen. Nein, es ist auch unser Wissen und es ist auch unser Leben.