War was?

:: Die Woche :: 11.09. - 17.09.2009

Streitfreies Schmuse-Duell – Zahnloser Boni-Kampf – Brüssels Mr. Nice Guy – Teure New Opel

 

Wenn zwei sich duellieren, sieht das anders aus. Dabei war die Enttäuschung beim Zuschauer nicht mehr als eine Erfüllung des Vorhersehbaren. Weshalb auch eine Wiederholung der Klagen über das „Duett“ des „Ehepaars“ Merkel-Steinmeier, wie sie anderswo schon zur Genüge zu lesen waren, hier überflüssig scheint. Doch halt! Neuerdings wird die Nachbearbeitung - das mediale Aufarbeiten und Bewerten – zu dem, was dem Wähler bis zum Urnengang mehr im Kopf bleibt als das originär Gesagte. Daumen hoch oder die Löwen? Entscheidend ist das Urteil der so genannten Experten. Ist das nun der - begrüßenswerte oder fehlgeleitete - Auswuchs unserer Analysewut in einer zunehmend mediengesteuerten Welt? Das unglückliche handzahme Kanzlerduell, das sich mit Hilfe „medialer Mannequins“ in „nebulösen Wattewortwechseln“ verlief, hat wenigstens paradoxerweise dazu geführt, dass es am Wahlsonntag nun doch spannender wird, als noch kürzlich prognostiziert wurde. Auch wenn da nix war mit Standpunkten, nix mit Entscheidungsfindungshilfe für den Wähler. Frau Merkel selbst war wohl  nicht von ihrer Performance beeindruckt. Wie sonst ließe sich ihr plötzliches Sich-Drücken vor den nächsten TV-Duellen erklären? Deutlich mehr Butter bei die Fische bot da die Dreierrunde vor den Kameras. Wie allerdings die Oppositionsparteien ein neuerliches schwarz-rotes Bündnis verhindern wollen, ließen auch sie offen. 

 

Wie wenn nichts gewesen wäre: Ein Jahr nach der Lehman-Pleite, dem Auslöser der größten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten, wollen manche schnell vergessen und verdrängen. „Never change a running system“ scheint urplötzlich die Devise der USA zu sein. Obama, der sich noch Anfang des Jahres klar für eine Deckelung der Managergehälter und Boni aussprach, rudert nun eifrig zurück und riskiert handfesten Streit mit den Europäern. Denn die wollen strenge Regelungen für Bonuszahlungen durchsetzen – „das“ Thema auch auf der G-20-Gipfelagenda am 24. - 25. September, für das sich Sarkozy schon mal im Ring warm läuft. Den Amerikanern hingegen ist der Wille zu Reformen angesichts einer Erholung an den Finanzmärkten wieder abhanden gekommen. Vielmehr ist sogar „die Lust auf riskante Geschäfte zurück“. Und auf Boni trotz Krise ebenso. Die Banken strotzen längst wieder vor Selbstbewusstsein. Und quittierten Obamas Rede zum Jahrestag des Zusammenbruchs von Lehman Brothers mit „kollektivem Gähnen“. Beim G-20-Gipfel gilt es hiermit um so mehr, hellwach zu sein.


So richtig glücklich sieht er nicht aus – der neue alte EU-Kommissionspräsident – eher erleichtert. Zögerlich, profillos, schwach, untertänig, mutlos, so lauten die zahlreichen Vorwürfe gegen José Manuel Barroso. Selbst das europäische konservative Lager war nie begeistert von ihm. Warum hat man dann den Brüsseler Mr. Nice wiedergewählt? Aus Mangel an Alternativen wohl nicht ernsthaft. Mehr aus Bequemlichkeit nahm man einen Mann, der sich biegt und es den Wünschen von „Merkel und ihren Freunden“ recht macht. In Berlin, London, Rom und Paris hat man nach der Zitterpartie mit Barroso erleichtert aufgeatmet. Doch so bewegt sich in Europa auch künftig nichts außer einem lauwarmen Lüftchen. Oder anders formuliert: „Eine vorbildliche Demokratie sieht anders aus“.


Teuer war's, und teuer wird’s eventuell noch. Die Opel-Rettung scheint zwar besiegelt – ein Manöver, für das sich Merkel und Co. persönlich stark gemacht haben. Weshalb es ordentlich Streit gab, auch um die Frage, warum der Staat hier hilft, und dort nicht. „New Opel“ avanciert damit zu einer „aufwendigen Beschäftigungsgesellschaft“, erkauft mit milliardenschweren Stützmaßnahmen. Doch so richtig brodelt  es nun zwischen deutschen Autoherstellern und Zulieferer Magna. Weil der Lieferant plötzlich zum Konkurrenten mutiert, drohen VW und BMW dem künftigen Opel-Eigner Magna mit Auftragsentzug. Der Preis des ewigen Trends vom Outsourcen könnte auch hier ein hoher sein. Nämlich wenn tatsächlich ein Absatzeinbruch aus Magna den nächsten Notfall macht. Noch wird beschönigt „keiner unserer Kunden droht uns“. Der Opel-Werbespruch „Jede Geschichte braucht einen Anfang und eine gute Fortsetzung“ klingt schon jetzt wie eine Beschwichtigungsformel.