War was?

:: Die Woche :: 11.09. - 18.09.2008

Herr Lehmann und seine Brüder im Geiste - Liebe KfW-Bank,... - O' zapft is - Fraun regiern die Welt - Nichts bleibt geheim

"Ich habe überhaupt keine Ahnung, wann das anfing mit der ganzen Scheiße. Das ist das Komische daran. Das ist wie mit dem Untergang des Römischen Reiches, da weiß auch keiner, wann das eigentlich anfing."
Als bekannt wurde, dass Lehman Brothers in Insolvenz nach Chapter 11 gehen würde, sprang der Ausspruch des Namensvetters spontan aus dem Zitatekoffer des Autors. Rekapituliert man den Ablauf der letzten zwei Jahre bei Lehman Brothers, gibt der Lehmannsche Ausspruch, so scheint es, eine ungefähre Ahnung von den Geschehnissen bis hin zur Insolvenz. Denn eigentlich deutete alles darauf hin, dass Lehman Brothers durch manchmal spektakuläre, manchmal riskante Geschäfte im Monopoly der Investmentbanker bestehen könnte. Und dann kam es wie immer ganz anders als erwartet.

 

Dazu passend fabriziert die KfW-Bank ein Schwipp-Schwapp-Geschäft, bei dem "aus Versehen" 300 Mio. Euro und mehr an die oben genannte insolvente Investmentbank (IIB) überwiesen wurden. Da ist wohl der terminus technicus "Sozialstaat" von den verantwortlichen Beamten sehr allgemein interpretiert worden. Wahrscheinlich ist, dass demnächst ein Informationstelefon von der KfW geschaltet wird, das potentiell Bedürftige über die neuen Konditionen der KfW-Bank informiert. "Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass aufgrund der anhaltenden Finanzkrise die KfW-Bank den sich ergebenden Engpass an Liquidität mit ein wenig Zeit überbrücken wird."

 

"O' zapft is" - was Musik in den Ohren der bajuwarischen Möchte-Gern-Bundespolitiker ist, scheint der Leitspruch des Versöhnungsversuchs der großen Koalition bei der heiß erwarteten Großen Aussprache im Bundestag zu sein. Jedenfalls waren die Reden geschliffen und  derart ohne Nachwirkungen, dass dahinter nur die subversiv agierende Bier-Lobby stecken konnte. Schien die vor ein paar Tagen noch im reinigenden Sog der wegspülenden Tabakindustrie einzutauchen, so konnte sie an der einen oder anderen Person respektive dem Ort beispielhaft nachweisen, dass ohne die gemütliche Bierigkeit eh kein Gemeinsinn entstehen kann. Der drohenden Verteufelung des Alkohols als Volksdroge Nr. 1 wird jedenfalls an allen Fronten entgegengewirkt, bis auch der letzte Bürger dieses Staates verstanden hat, dass er mäßig und nicht übermäßig zu saufen hat.

 

Beinahe wäre es perfekt gewesen: das Triumvirat der drei mächtigen Frauen. Aber nachdem Hillary die Sache wie ein Mann vergeigt hatte und die Eiserne so was von Geschichte ist, hat Tzipi Livni nunmehr Angie Merkel als Vertrauensperson im Konzertsaal des großen Diplomatie-Orchesters. Und dass sie sich irgendwo zwischen erster Geige (Angie) und Triangel (Cristina Fernández de Kirchner) platzieren wird, ist sicher. Aber ob es die Blockflöte sein wird oder das Becken, der Kontrabass oder doch die Bratsche - wir werden wohlwollend sehen.

 

Wenn sich demnächst die sogenannten Hartz-IV-Empfänger über mangelnde Fürsorge des Staates beklagen sollten, sei auf die Kleine Anfrage der beiden Bundestagsabgeordneten Halina Wawzyniak und Jan Korte verwiesen. Da konnte die Bundesregierung, im Rahmen ihrer Zuständigkeit, überzeugend nachweisen, dass sie als stetiger Wegbegleiter der Arbeitslosen, insbesondere bei der Überprüfung der Rechtmäßigkeit der beantragter Leistungen, agiert. Schade nur, dass diese Fürsorge in den Augen der Betroffenen als Gängelung wahrgenommen wird. Aber bekannterweise kann es niemandem immer komplett recht gemacht werden und entweder fungiert der Staat als Wahrer des Weltfriedens oder der Privatsphäre. Unter diesem Gesichtspunkt kippt die Sorglosigkeit, mit welcher die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen mißachtet werden, in amtlich verursachte Willkür.