War was?

:: Die Woche :: 11.12.-17.12.2006

Pinochet geht reuelos ins Grab. In Palästina kocht es heftig. Moon übernimmt Kofi Annans schweren Job. ProSiebenSat1 ist im Heuschreckenfieber. Die Deutschen beginnen leidenschaftslos die EU-Ratspräsidentschaft. Sabine Christiansen lässt sich von Moskau einschüchtern. Falschpfeifer Hoyzer wandert in den Knast. Wunderbares Weihnachten für Banker.

Von: Bärbel Kerber, Foto: photocase.com

vom 18.12.06

Viele trauerten und mindestens ebenso viele feierten, als Chiles ehemaliger Staatschef Pinochet beerdigt wurde. Kaum jemand spaltete sein Land so sehr wie Augusto Pinochet. Sein erklärtes Ziel war es, Chile von den Kommunisten zu befreien. Und dafür war ihm jedes Mittel recht. Folter, Mord und Menschenrechtsverbrechen waren seine Regierungsmethoden, für die er lebenslang keine Reue zeigte. Der Diktator, Tyrann und Prahlhans musste sich nie für seine Taten vor Gericht verantworten und sah sich bis zuletzt as Retter Chiles.


Nicht mehr Israel macht den Palästinenser das Leben schwer. Jetzt heisst es plötzlich Palästinenser gegen Palästinenser. Es droht ein heftiger Bürgerkrieg im Mittleren Osten – zwischen Anhängern der gemäßigten Fatah und der radikalen Hamas. Der alte Konflikt eskalierte, als Palästinas Premierminister Ismail Hanija - der der Hamas angehört – mit einem Koffer voll Geld aus Ägypten zurück nach Gaza wollte und zuerst ihm die Einreise verweigert und dann auf ihn geschossen wurde. 35 Millionen Dollar hatte ihm der Iran zugesteckt, damit die Hamas weiter zündeln kann. Nicht unwahrscheinlich ist, dass die Fatah hinter dem Mordanschlag steckte, die damit verhindern wollte, dass die Hamas mit weiteren Gewaltaktionen das internationale Ansehen Palästinas weiter demontiert. Darauf sprach sich Palästinas Präsident Abbas – der für die Fatah steht – für Neuwahlen aus. Und das wiederum erboste die Hamas-Anhänger, da sie bei einer Wahl im Moment keine guten Karten hätten. Und so dreht sich die Gewaltspirale neu.


Zwei Wochen Zeit haben die Deutschen noch, bevor sie in Brüssel den EU-Vorsitz übernehmen. Aber recht große Lust darauf scheint noch nicht aufgekommen zu sein. In ihrer Bundestag-Rede zur baldigen EU-Ratspräsidentschaft blieb Merkel sehr vage und hatte nicht viel mehr als Allgemeinplätze zu vermelden. Dass nur wenig EU-Elan zu spüren wahr, lag allerdings nicht allein an der Kanzlerin, sondern auch an dem mangelhaften Interesse, das angesichts verwaister Abgeordnetenbänke evident war.


Kofi Annan geht und Ban Ki Moon kommt. Als Generalsekretär der UNO frisch vereidigt, wird Moon am 1. Januar seinen neuen Job antreten. Viele betrachten ihn als zu milde und nur verlängerten Arm amerikanischer Interessen. Der wenig charismatische Moon aus Südkorea steht mehr für „Pragmatismus statt Visionen“.


ProSiebenSat1 hat zwei neue Eigentümer und alle bangen nun erstmal um ihren Arbeitsplatz. Weil die Investorengruppe KKR und Permira den Ruf einer „Heuschrecke“ hat, die nach Riesenrenditen schielt und dafür allerlei Porzellan zerschlägt. Sie brachten zwar viele der Firmen, an denen sie sich beteiligt hatten, wieder auf Erfolgskurs. Doch dazu filetierten sie meist die Unternehmen, um dann die besten Stücke zu verkaufen. Vollmundig sprechen die neuen Hausherren vom Ziel, einen paneuropäischen Konzern bauen zu wollen. Und natürlich beschwichtigen sie, es gäbe keine Pläne, Stellen abzubauen. Ruhige Nächte wird wenigstens Alteigentümer Haim Saban haben - der durch den Verkauf seiner Anteile nun ein paar Milliarden mehr auf seinem Konto hat.


Erst lädt sie den Putin-Kritiker und Schachass Garri Kasparow in ihre Sendung ein. Dann lädt sie ihn wieder aus. Und dafür muss Sabine Christiansen heftigste Prügel einstecken. Weil es stark nach einer unterwürfigen Geste gen Moskau aussieht. Alles spricht dafür, dass sie Kasparow auf Druck der russischen Botschaft nicht mehr haben wollte. Besonders erbost ist ihr Haussender ARD, der den Kotau als einen Angriff auf die Integrität seiner Journalisten sieht. Weil Christiansens Sendung ausgesourct wurde, hat die Programmdirektion keinen Einfluß mehr. Jetzt munkelt man von einer Sendepause für Christiansen.


Kein Freispruch für Robert Hoyzer, beim Fussball verstehen wir keinen Spass. Die Revision nutzte nichts. Jetzt muss der Ex-Schiri doch hinter Gittern. 2 Jahre und 5 Monate muss er dafür absitzen, dass er der Gier nachgab und für Geld Bundesligaspiele falsch pfiff und den ganzen Fussball in großen Misskredit brachte.


Die Investmentbanker sind in Feierlaune: Denn satte Boni stehen zum Jahresende an – die branchenübliche Extrazahlungen sind heuer extra üppig, weil die Investmentbanken Rekordumsätze verbuchten. Allein bei den fünf größten amerikanischen Geldhäusern erhalten 173.000 Mitarbeiter dieser Tage nochmal 36 Milliarden Dollar zusätzlich zum Gehalt ins Säckel. Kurz vor Weihnachten kommt doch solcher Geldsegen besonders günstig.