War was?

:: Die Woche :: 12.03 - 18.03.2007

China macht auf Marktwirtschaft. Al-Quaida-Terrorist gibt sich als Mastermind der 9/11-Anschläge aus. US-Raketenschutzschild reisst alte Wunden auf. Angela in Polen und das zarte Pflänzchen Freundschaft. Medienriese Viacom will YouTube an den Kragen. Salut Chirac. Flatrate-Saufen bis ins Koma.

Von: Bärbel Kerber, Foto: photocase.com

vom 19.03.07

Im kommunistischen China gibt es erstmals gesetzlichen Schutz für Privateigentum. Ein klarer Schritt in Richtung Marktwirtschaft, denn es stärkt vor allem die chinesischen Unternehmer vor Zugriffen der lokalen Behörden auf ihr Hab und Gut. Doch jetzt geht die Angst um, dass damit nur ungerechte Zustände zementiert werden. Denn vor allem Funktionäre KP China haben sich in der Vergangenheit die Sahnestücke gesichert. Ausserdem hinkt die politische Freiheit bei den Reformen ordentlich hinterher. Am Einparteiensystem wird nicht gerüttelt. Freie Wahlen sind in ferner Zukunft. Immerhin plant man jetzt den Weg von der „sozialistischen Marktwirtschaft“ zur „sozialistischen Demokratie“ - wie auch immer die aussehen mag.


Top-Al-Quaida-Terrorist Chalid Scheich Mohammed hat gestanden, er habe die Anschläge vom 11. September geplant und sei für eine Reihe weiterer Terrorakte verantwortlich gewesen. Das ist in Protokollen zu lesen, die das Pentagon jetzt in zensierter – weil geschnittener – Form veröffentlicht hat. Das Pikante daran ist, dass Chalid Scheich Mohammed sagt, bei den Befragungen sei er gefoltert worden. Jetzt soll erstmal untersucht werden, was an der Behauptung dran ist. Derweil sagen Scheich Mohammeds Verwandte und auch Anti-Terror-Experten, das Geständnis sei vor allem Prahlerei des Terroristen. Somit wäre das Geständnis kein Erfolg, sondern wertlos.


Die USA wollen an der NATO vorbei eine Raketenabwehr in Tschechien, Polen und dem Kaukasus aufbauen. Das Schutzschild soll vor iranischen Langstreckenraketen schützen. Das wird von Putin als Provokation empfunden, der wenig Lust auf amerikanische Überwachung seiner eigenen Raketenstellungen im osteuropäischen Vorgarten hat. Die Deutschen warnen lautstark vor einem neuen Wettrüsten und einer Spaltung Europas. In der NATO ist ein Schild gegen Langstreckenraketen umstritten, da dies einen Graben zwischen den europäischen Ländern ziehen könnte. Und am Ende geht es mal wieder um das Kräftegleichgewicht der Grossmächte.


Die amerikanische Raketenabwehr war auch Thema bei Merkels Besuch in Polen -die Polen wollen mitmachen, auch ohne NATO - ebenso wie zahlreiche andere deutsch-polnische Verspannungen auf der Agenda standen. Wirklich Konkretes heraus kam dabei zwar nicht, aber alle sind irgendwie zufrieden. Die deutsche Charmeoffensive ging auf, die Wogen sind geglättet – also momentan alles Friede, Freude, Eierkuchen. Bis Frau Steinbach wieder zündelt.


Kaum hat Google YouTube gekauft, wird das Videoportal für Google zum Problemfall: Der TV-Riese Viacom klagt auf Schadensersatz in Höhe einer Milliarde Dollar, weil die YouTube-User munter Raubkopien von urheberrechtlich geschützten Filmen und TV-Serien hochladen (Viacom ist der Mutterkonzern von MTV und dem Filmstudio Paramount.). Manche sehen in der Viacom-Klage eine längst überfällige Korrektur des Web-2.0-Hypes und des ungenierten Zugriffs auf geistiges Eigentum anderer. Andere vermuten darin den Versuch, einen lästigen Konkurrenten zu schwächen, bevor Viacom bald selbst ein Videoportal auf dem heiß umkämpften Markt starten will. Letztendlich geht es um die Frage: Wieviel Geld ist uns kreative Arbeit wert und was geschieht, wenn „jeder auf alles umsonst zugreifen kann“?


12 Jahre Jacques Chirac sind zu Ende. Der französische Präsident geht unwiderruflich und überlässt das Feld dem Wahlkampf. Noch ist ziemlich unklar, wer am 22. April das Rennen machen wird. Zwar sind es ganze elf Bewerber um das höchste Amt. Doch echte Chancen haben nur Innenminister Nicolas Sarkozy, die Sozialistin Ségolène Royal oder der Liberale François Bayrou. Chirac kümmert's wohl wenig. Er war am Ende müde und verbraucht, mit magerer politischer Bilanz. Der letzte „Euro-Saurier“ macht das Licht im Elysée-Palast aus.


Weil ein Berliner Jugendlicher sich ins Koma gesoffen hat, wird heiß ein Verbot von Alkohol für Jugendliche debattiert. Flatrate-Trinken ist der Trend, bei dem man einmal zahlt und sich dafür hemmungslos und unbeschränkt Drinks hinter die Binde kippt. Kneipen, die das anbieten, sind bei jungen Leuten heiß begehrt. Doch viele Jugendliche haben noch keine Bremse im Hirn und trinken sich in Lebensgefahr. Davor sollen sie nun geschützt werden – durch ein Alkoholverbot für Unter-18-Jährige. Wie immer, wenn Vorschriften nicht funktionieren, sollen neue Verbote die Lösung sein. Andere setzen lieber auf bessere Aufklärung, striktere Kontrollen der Gastwirte und stärkeres Verantwortungsbewusstsein der Erwachsenen.