War was?

:: Die Woche :: 12.04. - 18.04.2010

Na toll, schon die zweite! - Und wer bringt den Müll raus? - Notgeil oder einfach nur eklig? - Afrika ist Simbabwe

Frau Dammann ist die zweite. Und weil es keine Quote gibt in Deutschland, ist sie auch keine Quotenfrau. Frau Dammann ist als Vorstandsmitglied der SAP für das Personalressort verantwortlich. Und wer jetzt meinte, der Autor neigt zu der möglicherweise naiven, sicherlich trügerischen Ansicht, dass damit die SAP nicht nur im Artikel weiblich, sondern auch im Personal (überwiegend) weiblich werden würde - da werden wohl die anderen Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder davor sein. Bleibt die abwägende Betrachtung, ob Frau Dammann (na toll) schon die zweite Frau im Vorstand eines deutschen DAX-Unternehmens ist oder ob sie vielmehr erst die zweite ist, der wohl in absehbarer Zeit nicht viele folgen werden. Also Trend oder Novum? Weise wäre es, sich nicht die Fingerspitzen zu verbrennen - und auf eine Zukunft zu verweisen, die uns allemal mehr überraschen könnte als der unaufhaltsame, aber schwer vorstellbare Klimawandel. Doch sei an dieser Stelle ein wenig sportliche Spekulation erlaubt. Betrachten wir z.B. die Bundesregierungen von 1949 an bis heute, so hatten es mit wenigen Ausnahmen bis 1990 nie mehr als zwei Frauen in die Bundesregierung als Ministerin geschafft. Jetzt haben wir eine Bundesregierung mit 6 Frauen gegenüber 10 Männern - und Frau Merkel zählt mindestens dreifach. Vielleicht braucht Deutschland wirklich keine Quote - weil der Zug der Geschlechtergerechtigkeit unaufhaltsam am Rollen ist. Schwer vorstellbar: Aber das geht uns ja mit dem Klimawandel nicht anders.

 

Da haben wir den Salat: Häusliche Emanzipation gibt es nur bis zum Eingang des Kreißsaals - danach winkt die alte Rollenverteilung. Sobald das erste Kind da ist, werden Kochen, Putzen, Spülen und vor allem das Windeln plötzlich überwiegend Frauensache, egal, wie ausgeglichen die Arbeitsverteilung auch vorher zwischen beiden gewesen war. Das sagen Forscher der Uni Rostock und bestätigen damit wieder einmal mehr die "Rolle rückwärts". Also sind alle Männer nur gut getarnte Machos?- möchte man da provokativ fragen. Dass es ganz so simpel natürlich nicht ist, haben wir schon mal gezeigt. Und dass die Männer "auf dem Weg" sind auch. Es braucht wohl noch ein bisschen, bis wir weg sind vom "Er-schraubt-sie-spült" - Klischee. Das druckfrische Manifest der Grünen-Männer, die von sich sagen "Wir wollen nicht länger Machos sein müssen, wir wollen Menschen sein!" wird da eher weniger für bahnbrechende Veränderungen sorgen als vielmehr für ungläubiges Augenreiben - die Prognose sei hier erlaubt. Bemerkenswert an der Studie hingegen ist vor allem eines: Sie zeigt, dass in Ehen, in denen beide Vollzeit arbeiten, die Hausarbeiten und Elternaufgaben gleich verteilt sind. Und das beweist doch: Wo es gehen muss, da geht's auch. Vielleicht ist es wirklich so einfach.

 

Mitte der letzten Woche stellte die Landesmedienanstalt Niedersachsens die Ergebnisse einer Studie über die Bedeutung der Internet-Pornografie für Jugendliche vor. Nach der "Generation Golf" war es die "Generation Porno", die die Medienwelt und einen guten Teil der Öffentlichkeit beschäftigte, getreu dem Motto: Damals, unterm Kaiser, war alles viel besser. Und so wartete die geneigte Öffentlichkeit auf die letzten Enthüllungen durch die soziologische Forschung. Doch liest man die generellen Aussagen der Studie genauer, müssen wir uns nun aber endgültig vom geliebten Abgrenzungsmodell der "Generation XY" verabschieden. Denn die "Generation Porno" gibt es nicht. Sicherlich gibt es Jugendliche-und dort vorwiegend Jungens, die Pornografie in allen Facetten konsumieren. Aber wie schon Johannes Gernert in seinem Buch dokumentierte: So ungebremst und unreflektiert, wie es das Label "Generation Porno" vermuten lassen würde, verspeist die Jugend von heute die dargebrachte Kost dann doch nicht. Die Mädchen gar reagieren zumeist angeekelt und mit Ablehnung auf die rein mechanische Interpretation körperlicher Liebe. Trotzdem gibt es zwei bedenkliche Aspekte, die durch die Studie offenbar werden. Jungen und Mädchen scheinen im Widerschein der Internetpornografie einem Rollenverständnis anzuhängen, das wir schon lange überwunden glaubten - der Mann ist der Macher. Die Frau darf es ertragen. Und gleichzeitig erstarren Eltern und Lehrer, auch paralysiert durch die Missbrauchsfälle und -debatten, sprachlos angesichts des Tabu-Themas Sex, Liebe und Pornografie.

 

Simbabwe feiert in diesen Tagen den 30.Jahrestag seiner Unabhängigkeit. Nach allem, was uns in den letzten Monaten und Jahren über Simbabwe zu Ohren und vor Augen gekommen ist, dürfte dieser Feiertag nunmehr einer Handvoll Leute Anlass geben, die Raketen steigen zu lassen. Wenn nun Petina Gappah in ihrem Artikel "Zimbabwe Independence: Mugabe isn't the whole story" dagegen an schreibt (hier in der Übersetzung ins Deutsche), dass 30 Jahre Unabhängigkeit in Simbabwe auch eine große Chance waren und sind,und zwar für die von Bildung bis dahin ausgeschlossene Mehrheit der schwarzen Bevölkerung, für die schwarzen Frauen, die außer unter ihrer Hautfarbe auch unter dem afrikanischen Rollenverständnis der Geschlechter gelitten hatten, dann wird die Tragik der derzeitigen Entwicklung in Simbabwe zu einem tiefschwarzen Fleck westlicher und auch östlicher (weil chinesischer) Entwicklungspolitik deutlich. Ob die Initiativen des Bundesaußenministers in Afrika und natürlich im Speziellen in Simbabwe auch nur ein brauchbares Ergebnis zeitigen werden, ist nicht nur  angesichts der schwulen-feindlichen Innen- wie Außenpolitik mehr als fraglich.