War was??

:: Die Woche :: 12.10. -18.10.2007

Der Kampf ums Handy-TV. Leyens Kinder und die Testkäufe. Rüttgers und die Agenda 2010. Putin und der Atomkoffer. 80 Jahre Günter Grass. Madame Sarkozy mag nicht mehr Präsidentengattin sein. Die Fussballblamage.

Vodafone, T-Mobile, O2 und Co. kucken in die Röhre, denn „Mobile 3.0“ heisst die neue Firma und stolze Besitzerin der begehrten Sendelizenz fürs Handy-TV. Hinter „Mobile 3.0“ stecken die Medienhäuser Burda, Holtzbrinck und Neva Media. Bis zuletzt gab es ein heißes Gerangel darum, wer künftig die mobile TV-Plattform betreiben darf. Wenn Handy-Fernsehen bei uns so populär wird wie in Japan oder Italien, verspricht es ein lukratives Geschäft zu werden. Zuerst aber müssen ein Sendernetz gebaut und die ausgeboteten Netzbetreiber ein wenig getätschelt werden, deren Unterstützung man für den Erfolg durchaus braucht.


Die Aufregung um Ursula von der Leyens Vorschlag, Kinder-Spitzel für Testkäufe einzusetzen, war so heftig wie kurz. Die meisten fanden es eine abenteuerliche wie ungehörige Schnapsidee, Minderjährige loszuschicken, um zu kontrollieren, ob Gaststätten und Handel die Verbote beim Verkauf von Alkohol und Zigaretten und Gewaltfilmen einhalten. Nachdem von der Leyen rasch ihren Gesetzentwurf zurücknahm, kam heraus, dass die Kommunen wollen, dass man daran festhält und es ohnehin bereits von Jugend- und Ordnungsämtern praktiziert wird.


Polit-Rambo Beck prescht vor, Moses Münetfering wiegelt ab. Und schon sind wir im schönsten Streit um die Reform der Sozialreformen der Agenda 2010. Auch Rüttgers will gerne die „Konstruktionsfehler der Schröder-Reformen“ ausmerzen. Als Unterstützer Becks sieht er sich trotzdem noch lange nicht. Jener will allen Älteren mehr Arbeitslosengeld zahlen, dieser nur denen, die entsprechend eingezahlt haben. Getreu dem Motto „Wer viel zahlt, bekommt mehr“. Während die SPD intern weiter heiß die Änderung der Agenda 2010 debattiert, übt sich die Wirtschaft in der altbekannten Rolle des Mahners.


Putin pflegt eine neue Männerfreundschaft mit Ahmadinedschad. Er findet, dass die Iraner ein gutes Recht auf Nutzung von Atomernergie haben und kündigt denen beim AKW-Bau russische Hilfe an. Des russischen Präsidentens neue Iranpolitik lässt den Westen erschreckt aufhorchen. Derweil fährt Waldimir seelenruhig "mit dem Atomkoffer" nach Teheran.


Dass Günter Grass dieser Tage 80 Jahre alt wurde, ist bekannt und wird medienwirksam zelebriert. Ob er damit ein bisschen weise oder evt. ein wenig altersmilde wurde, mag sich jeder selbst beantworten. Was er ohne Frage alles ist: Polarisierer, Bürgerschreck, Moralist, aber auch Held sowie unser Repräsentant- und schließlich: Nationalschriftsteller. Vergessen ist – zumindest vorübergehend und in diesem Moment – sein „unselig verspätetes SS-Bekenntnis“. Wir gratulieren.


Cécilia Sarkozy hat keine Lust mehr auf die Rolle der Frau an Nicolas' Seite. So zumindest lesen wir in allerlei bunten wie seriösen Blättern die sich auf die Trennung der Sarkozys stürzen. Heftig wird öffentliche Ursachenforschung betrieben. Oder ist es gar einfach eine Scheidung wie jede andere? Ob es im Elysee-Palast künftig tatsächlich „Napoleon allein zu Haus“ heisst?


Obwohl die deutsche Elf nichts zu verlieren hatte, war es bitter und ein Zeichen für „das Ende der Leichtigkeit“. Lange Gesichter gab es bei den Nationalkickern wie bei den Fussballfans gleichermaßen: Die 0:3- Niederlage in der EM-Qualifikation gegen Tschechien war ein schwarzer Abend vor allem für Goalie Timo Hildebrand, der eigentlich sein Können unter Beweis stellen wollte.