War was?

:: Die Woche :: 12.12. - 18.12.2008

Ein Fehde-Schuh, Größe 10 - Schneeballspiel ala Madoff - Schnäppchen-Diskriminierung

Wie aus einer Farce ein historisches Ereignis wird, konnten wir zu Beginn der Woche erleben. War der Schuhwurf von Montasser al-Saidi auf George W. Bush anfangs noch eine fesche Randnotiz zum Besuch des scheidenden amerikanischen Präsidenten, so wuchs seine Bedeutung wie ein Fliegenpilz bei mildem Regen. In den USA war die Häme riesig: ob Letterman oder Leno, ob Fernsehen oder der Tageszeitungen - jeder kommentierte genüsslich diesen "merkwürdigsten Moment" der Präsidentschaft von George W. Bush. Und während diese Episode in der westlichen Welt zu intellektuellen Überspitzungen taugte und der Online-Spiele-Industrie eine temporäre Konjunktur bescherte, geriet der Schuhwurf des Montasser al-Saidi zum Fehde-Schuh der Iraker gegen die USA. Und es ist tatsächlich merkwürdig, dass dieser harmlose Angriff eine breitere, einigendere und dauerhaftere Wirkung hat und haben wird als alle Selbstmordattentate, terroristischen Überfälle, Entführungen und all die anderen gräulichen Gewalttätigkeiten der islamischen Fundamentalisten.

 

Ein anderer Wurf erwies sich weniger fein und erhebend denn der eben beschriebene - der Wurf des Bernard Madoff. Madoff warf einen Schneeball in Form einer Investmentfirma auf den Markt und ließ ihn rollen. Wäre die Masse des Geldes nicht so gigantisch, die in diesem Betrugsfall verbrannt worden ist, ließe sich ein süffisantes Lächeln kaum verkneifen. Da investieren namhafte Banken, Stiftungen und Privatleute in ein Geschäftsmodell, welches stramm nach der Losung Erich Honeckers "Vorwärts immer, rückwärts nimmer." funktioniert. Sicher, es ist die Gier der Anleger, die ein solches Modell wirksam werden lässt. Es ist diese absurde Kosten-Nutzen-Relation, die die Steigerung der Rendite abwägt gegenüber dem Verlust oder Verschwinden von Anstand, Verantwortungsgefühl, Solidarität. Denn wie schon so oft geschrieben an dieser Stelle: Irgendwer muss die Zeche bezahlen. Und meist sind es nicht die, die sich um Kopf und Kragen gesoffen haben.

 

Frauen und Diskriminierung schien in den letzten Jahren zum journalistischen Oldtimer-Thema zu geraten. In Politik und Wirtschaft agieren mehr Frauen denn je, sowohl erfolgreich als auch umstritten, also ebenso anerkannt wie Männer in gleicher Position. In der abgelaufenen Woche nun wurden zwei Fälle in der deutschen Öffentlichkeit bekannt, die die Diskriminierung von Frauen aus dem Dornröschenschlaf zu holen scheinen. Die Gemengelage um Frau Liechtinghagen ist undurchsichtig und mit vielen Wenn und Aber behaftet. Nur so viel lässt sich sagen: Frau Liechtinghagen ist definitiv nicht mehr die prozessführende Staatsanwältin im Fall Zumwinkel. Die gegnerischen Parteien sind die scheidende Staatsanwältin auf der einen Seite und ihr vorgesetzter Generalstaatsanwalt auf der anderen Seite. Alles andere - zu milde Urteile (statt Gefängnisstrafen nur Bewährungs- und Geldstrafen), um Mobbing und lanciertes Fehlverhalten, um fehlgeleitete Beträge der Geldstrafen - all dies ist in tiefen Nebel gehüllt.

 

Viel freier ist der Blick beim Fall der Sule Eisele. Frau Eisele kündigte ihre Schwangerschaft pflichtgerecht ihrem Arbeitgeber, der R+V Versicherung ("Wir machen den Weg frei") an. Der nahm die Gelegenheit wahr und versetzte sie nach ihrer Schwangerschaft an einen anderen Standort, verringerte damit ihren Verdienst und besetzte die nun freigewordene Stelle mit einem Mann, der prompt besser bezahlt wurde als Frau Eisele vorher. Frau Eisele klagte auf 500.000 Euro Schadensersatz. Peanuts im Vergleich zu ..., na, Sie wissen schon. Der Richter fand es trotzdem unangemessen und gestand der Klägerin nur 10.800 Euro und die Versetzung an ihren alten Arbeitsplatz zu. Da Frau Eisele mitnichten zurückgehen möchte, wäre diese Personalie für den R+V Konzern ja sauber geklärt. Ach ja. Dass der Versicherungskonzern eine Entschuldigung und ein Bedauern zum Ausdruck gebracht hätte, muss wohl untergegangen sein. Oder?