War was?

:: Die Woche :: 13.11. - 19.11.2009

Freie Bildung statt Lernfabriken - Welternährung heißt Liebe, Luft und Vitamine - Dem russischen Bären stinkt's zu sehr - SPD, frisch renoviert zu neuer Hoffnung?

Sie sind stinksauer und gehen dafür in den Streik. Ihre unter Hochdruck in zu „akademischen Ganztagsschulen“ verkommenen Hochschulen erbüffelten Bachelor-Abschlüsse sind kaum gefragt da draußen. Und das vergrößert die Heerscharen, die sich zu Spottpreisen im „Generation Praktikum“ verdingen. Zu den überall geforderten Auslandserfahrungen kommen viele Studenten angesichts des Zeitdrucks, in dem sie ihr Studium durchknüppeln müssen, kaum noch. Nur schwer machbar ist auch ein Nebenjob, der aber mehr denn je zur Finanzierung des Studiums gebraucht wird. Da helfen wohl nur noch „reiche Eltern für alle“. 10 Jahre Bachelor-Reform lassen grüßen und lassen diejenigen, die es irgendwie geschafft haben, sarkastisch aufseufzen „Ich habe Bologna überlebt“. Gut gemeint, doch voll versiebt, das ist das Fazit des Bologna-Prozesses. Verantwortlich will wie immer keiner dafür sein. Die Arbeitgeber, die heute so wenig übrig haben für die Bachelors, waren diejenigen, die einst am lautesten forderten, Deutsche bräuchten straffere Studiengänge. Und Annette Schavan kann natürlich kalt lächelnd handwerkliche Fehler bei der Reform eingestehen, solange nicht sie, sondern die Bundesländer zuständig sind fürs Korrigieren und Geradebiegen. Die Kultusministerkonferenz schiebt erstmal die Mammutaufgabe den Hochschulen zu. Wenn sich da mal nicht die Katze in den Schwanz beißt.

 

Womit fangen wir am besten an: Mit der Die-anderen-sind-an-allem-Schuld-Rede von Robert Mugabe, diesem unerträglichen, gefährlichen,  weil eigentlich abgehalfterten Diktator Simbabwes oder mit der Kür des Königs der Wüste, dem Troubador der nordafrikanischen Phalanx des pragmatischen Islamismus, bürgerlichen Namens auch Muammar al-Gaddafi genannt? Wovon die Rede ist? Vom Welternährungsgipfel, wovon sonst. Nachdem sich die UNO zum eher staubigen Tanzsaal der Altmänner-Diplomatie abendländischer Prägung verschlimmbessert hat, finden sich in den Themenparks der Unterorganisationen der UN jene Spielwiesen, die von den so genannten G8 bis G20 tunlichst gemieden werden. Allein der Klavierspieler war an Ort und Stelle - aber das kann auch einfach ein gewolltes Versehen gewesen sein. Gibt es sonst noch etwas zu berichten? Ach ja, unsere wieder gewählte Bundeslandwirtschaftsministerin, Frau Aigner, war dort. Gut hat's ihr gefallen. Alles schick - so Schritt für Schritt werden wir das Problem des Welthungers schon in den Griff bekommen. Ja, es gab keine konkreten Zahlen, bis wann der Hunger in der Welt mit welchen konkreten Geld-Mitteln und Maßnahmen bekämpft sein wird. Wenn es nicht so fürchterlich zynisch wäre, könnte man auf den blamablen Auftritt unserer Bundeslandwirtschaftsministerin noch seitenlang Kalauer daher palavern.

 

Wer hätte das gedacht: Dem russischen Bären stinkt die Umweltverschmutzung - und er will nicht warten, bis dem chinesischen  Panda oder dem amerikanischen Weißkopfadler die CO2-Wolke in den fühllosen Nasenlöchern die Luft zum Atmen nimmt. Lieber reitet er mit der schönen Europa auf dem Rücken in die belebende Zukunft gemeinsamen Umweltschutzes. Zumindest behaupten das die Berufsdiplomaten der Europäischen Union nach Gesprächen mit dem russischen Präsidenten Medwedjew. Erzählt wird bekanntlich vieles und da Präsident Medwedjew die Aussagen seines Amtskollegen Barroso nicht zu bestätigen gedachte, ist wieder mal Vorsicht als Mutter der Porzellankiste angesagt. Möglicherweise ist der Weg des gemeinsamen Umweltschutzes auch die gekonnte Meidbewegung eines repressiven, mithin oligarchischen Systems gegenüber dem immer ungehalteneren Partner, der die massiven Menschenrechtsverletzungen nicht mehr zu tolerieren gedenkt. Oder die expansiven Souveränitätsverletzungen, z.B. an Georgien oder Tschetschenien.

 

Die SPD betreibt Depressionsbekämpfung: Sie schickt Müntefering aufs Altenteil, krönt Gabriel zum 5. neuen Parteichef in gerade mal 6 Jahren und transformiert Nahles von der einstigen Gegenspielerin zur neuen Partnerin des selbstbewussten  Hoffnungsträgers. Von Steinmeier spricht niemand mehr. Um so mehr vom „Macher statt Denker“ . Nötig isses wohl. Die aus der Schockstarre nach dem Wahldebakel wieder erwachte SPD begibt sich nun nach den Aufräumarbeiten auf die Suche nach einer frischen Wandfarbe. Ob nun weg von der Mitte zurück zur Basis, oder nicht – wie links, wie mittig man sein möchte, ist noch unklar. Das ist unverkennbar für viele weniger eine prinzipielle Frage, sondern mehr strategisches Dilemma. Solange man hier rumeiert, ist es auch mit mitreißenden Reden nicht getan. Vielleicht sollte man sich in der Orientierungslosigkeit Altbundeskanzler Schmidt anhören, der findet, dass die SPD den Wandel der Gesellschaft nicht verstanden habe.