War was?

:: Die Woche :: 14.03. - 20.03.2008

Merkel und ihre Bewährungsprobe – Worte und Waffen – Der Präsident und die Stelle zum Applaus – Allmacht und Ohnmacht – Politik und Pastoren – Schwarzweiß oder in Farbe?

Angela Merkel hat „eine Bewährungsprobe“ bestanden. Als erste(r) Regierungschef(in) überhaupt hielt sie eine Rede in der Knesset – und erntete Applaus von nahezu allen Seiten. Vor dem israelischen Parlament zu sprechen, war bisher nur Staatsoberhäuptern vorbehalten. Die Bundeskanzlerin meisterte ihre „historische Mission“ denn auch entsprechend mit Pioniersgeist: Um eine neue Ära der Beziehungen und treue Partnerschaft zu Israel ging es dabei, und Merkel wählte nicht nur die deutsche (und bei den Opfern des Holocaust nicht gerade beliebte) Sprache, sondern auch deutliche Worte: „Die Sicherheit Israels ist nicht verhandelbar“, erklärte Merkel. Eine Friedensbotschaft für den Nahen Osten? Nun ja – im Ernstfall müssen auf die schönen Worte auch Taten folgen. Und wenn der Iran das Drohen nicht lässt, drohen vermutlich doch wieder nur Waffengewalt und Militärschläge zurück.

Von Waffengewalt aber hat man auch in den USA gerade genug. Gegner des Irakkrieges fordern dort einen sofortigen Rückzug der US-Truppen und wenden sich gegen die Bush-Regierung, die genau vor fünf Jahren zum Einmarsch blies. „Die Entscheidung, Saddam Hussein zu stürzen, war die richtige Entscheidung“, verteidigt sich dagegen der Präsident in einer Rede zum Jahrestag am 20. März. Und zumindest das Redemanuskript hatte an dieser Stelle schon mal Applaus vermerkt.

Allmacht oder Ohnmacht? Diese Frage beschäftigt nicht nur die amerikanische Irak-Politik, sondern auch in Tibet. Falls die Gewalt dort weiter eskaliere, werde er von seinen Ämtern zurücktreten, so hat der Dalai Lama angekündigt. Der Friedensnobelpreisträger ist das geistige Oberhaupt der Tibeter und steht an der Spitze der tibetischen Exilregierung. Von chinesischer Seite wird ihm vorgeworfen, ein „Wolf in Mönchskutte“ zu sein, der die Unruhen, die nach tibetischen Angaben inzwischen 99 Todesopfer gefordert haben, selbst geplant und angestiftet habe. Anhänger dagegen fürchten, die Rücktrittsdrohung sei eher ein Zeichen von Ohnmacht. Mag sein. Sein politisches Amt wird der Dalai Lama leicht niederlegen können. Von seiner spirituellen Führungsrolle aber wird er sich in diesem Leben nicht verabschieden können. Schade, denn sonst hätte der Posten zur Abwechslung vielleicht mal weiblich besetzt werden können?

Ob Hillary Clinton bald auf dem weniger spirituell begründeten Posten sitzen wird, auf dem derzeit noch George W. Bush hockt, ist allerdings auch noch nicht entschieden. Denn gerade scheint es Barack Obama zu gelingen, sich nach einer schwierigen Wahlkampfkrise wieder zu berappeln. In diese gestürzt war Hillarys Konkurrent durch verbale Entgleisungen, mit denen sein Ex-Pastor auf sich aufmerksam machte. Obama sah sich gezwungen, von seinem Mentor in einer Rede auf Distanz zu gehen, die nun als „atemberaubend“ und „historisch“ bezeichnet wird. Denn bisher hatte es der Demokrat immer vermieden, sein Schwarzsein zum Thema zu machen. Nun aber bekannte er auch hier Farbe.