War was?

:: Die Woche :: 14.09. - 20.09.2007

Kurzzeit-Ehe auf Probe. Krampf um die Afghanistanpolitik der Grünen. Schäuble und Jung mischen auf. Zypries und der Terroristencamp- Paragraf. Stoiber geht als Rentner nach Brüssel. Der Euro sprengt die 1,40-Marke. „Kid-Nation“ als Reality-TV-Version von „Herr der Fliegen“.

Pauli wird wirklich kreativ: Schlägt die CSU-Landrätin doch tatsächlich die Ehe als automatisches Auslaufmodell vor. Wer heiratet, tut dies nur für 7 Jahre. Wer dann immer noch bei seinem Gschpusi bleiben will, muss den Vertrag verlängern. Der Gedanke dahinter: Das spart unnötige und teure Scheidungen und garantiert, dass nur der zusammenbleibt, der sich wahrhaftig liebt. Das ist visionär, gezielte Provokation und politischer Selbstmord zugleich. Ein echter Coup oder ein Fall „für den Psychiater“? Nicht wenige finden Gefallen an der Turbo-Flexibilität, während das ewige „Beharren aufs Konstante nervt“.


Die Grünen beschließen auf ihrem Parteitag, gegen den Tornado-Einsatz in Afghanistan zu sein und verabschieden sich nach Ansicht vieler damit von der Realpolitik. Manche reiben sich entsetzt, andere ungläubig die Augen. Derweil zanken sich die Grünen untereinander. Nun herrscht parteininterne Ratlosigkeit, ob man Abweichler wirklich abstrafen will, wenn es am 12.Oktober in die Bundestagsabstimmung geht. Es ist wohl doch etwas mehr als ein bloßes „Gegenzucken“.


Jung und Schäuble konkurrieren darum, wer die größere Empörung hervorrufen kann. Der Verteidigungsminister erklärt, er würde eine entführtes Passagierflugzeug zur Terrorabwehr abschießen lassen. Und gerät dadurch plötzlich selbst unter Beschuß. Man mag es für verwerflich halten, Menschenleben gegeneinander aufzurechnen. Diejenigen, die in Jungs Vorhaben einen Verfassungsbruch sehen, haben allerdings ihre Hausaufgaben nicht gemacht, denn das stimmt so nicht. Bevor weitere Unsicherheiten bestehen, wünschen sich viele hier endlich eine Klärung. Jetzt kommt ihm sogar Zypries etwas entgegen.

Nun, wenn so viel von Terroranschlägen die Rede ist, kann der Innenminister lässig noch eins drauflegen - und warnt vor der Möglichkeit eines terroristischen Nuklearschlags. Was die einen ein notwendiges Wachrütteln aus der Blauäugigkeit der deutschen Bürger nennen, empfinden andere schlichtweg als Panikmache Schäubles.


Da will nun auch Justizministerin Zypries in nichts nachstehen. Sie findet, ein Besuch in Terrorcamps muss unter Strafe gestellt werden. Doch viel mehr als Placebo-Wirkung habe ihr Terrorcamp-Paragraf nicht, sagen Kritiker. Denn wie Zypries in den Gesetzentwurf schrieb: "Ein bloßes Erwerben von Fertigkeiten ohne die Absicht, damit eine terroristische Gewalttat zu begehen, bleibt straflos." Und das ist schwer nachweisbar. Deswegen legt sie für planlose Terrorcamper nochmal nach.


So stark war der Euro noch gar nie: Über 1,40 Dollar gibt es für einen Euro – soviel wie seit Einführung der europäischen Währung nicht. Grund ist eine Senkung der Leitzinsen in den USA, aber auch eine anhaltende Dollarschwäche. Angst, dass darunter die deutsche Exportwirtschaft leidet, brauchen wir dennoch nicht zu haben.


Während Pauli sich selbst ins Abseits manövriert, reibt sich Stoiber die Hände und freut sich nun aufs Altenteil. Brüssel winkt mit einem Pöstchen - er soll Chef der Expertengruppe für Bürokratieabbau werden. Obwohl Edmund dafür Hohn und Spott erntete, geht er nicht etwa ins "landespolitisches Endlager", sondern schon mal Koffer packen. Von der Bayern-SPD wird er nicht vermisst werden.


Helle Aufregung um die amerikanische TV-Reality-Show „Kids Nation“. Die einen wiegeln ab und sagen, es ist nur wie ein Sommerlager. Es spricht aber mehr dafür, dass hier ein Sozialexperiment läuft, wie man Kinder frühzeitig zum Üben von Basisdemokratie und Klassengesellschaft (mit Upper Class und Underdogs) schickt und dabei die Kameras mitlaufen lässt.

 

Und bevor wegen Pauli-Mania und Terrorabwehr-News das hier in Vergessenheit gerät: Griechenland hat gewählt. Israel erklärt den Gazastreifen zum „feindlichen Gebiet“. Und es gab eine Panik unter britischen Bankkunden.