War was?

:: Die Woche :: 14.11. - 20.11.2008

Lahme-Ente-Treffen Deluxe – Rette sich, wer kann – Hillary, kannst du wirklich – „The truth isn't always beauty, but the hunger for it is“

Wer die Fernsehbilder zum Summit on Financial Markets and the World Economy am Wochenende gesehen hat, den dürfte der Eindruck überwältigt haben, Zuschauer einer großen, historischen Gala zu sein. Der rote Teppich war entrollt und Regierungschefs der 22 wichtigsten(?) Wirtschaftsstaaten der Welt trafen sich unter der Schirmherrschaft von George Bush, mittlerweile auch bekannt als „lame duck“. Liest man die Deklaration des Gipfeltreffens, versteht man den ganzen medialen Zauber und die anschließenden Zufriedenheitskommentare der Verantwortlichen. Aus alt macht neu. Zuzugeben, ein Gipfeltreffen organisiert zu haben und letztendlich ergebnislos auseinanderzugehen – das ist schlechte Politik. Also haben sich alle in offener und produktiver Atmosphäre getroffen. Historisch war's und ... – schön eben. Schade nur, dass Obama fehlte. Aber der spart sich möglicherweise seine Kraft für das nächste „Hornberger Schießen“. Das läßt sich alles auch anders diskutieren. Aber die „Es wird etwas passieren“-Rhetorik hat mittlerweile eine prominente Leitfigur in unserer Kanzlerin gefunden. Woher hat sie das bloß?

 

Das ist das neue Vorwahl-/Wahlkampfspiel: die Politik steht auf der einen Seite und die Bedürftigen auf der anderen. Und ähnlich wie bei „Herr Fischer, Herr Fischer, wie tief ist das Wasser“ rufen die Bedürftigen: „Frau Merkel, Herr Steinmeier, wie schlecht muss es uns gehn?“. Und Frau Merkel und Herr Steinmeier breiten ihre breiten Arme aus und rufen: „Egal. Komm du nur zu mir. Und ich werde dich glücklich machen.“ Als nach dem G20-Gipfel alles in trockenen Tüchern schien, riefen die politischen Leitfiguren des bundesdeutschen Regierens zum High noon des Rette-sich-wer-kann auf – und Opel gehörte zu den ersten, die beherzt nach der ausgestreckten Hand griffen. Dann ging alles sehr schnell: Frau Merkel traf die Manager und Chefs (die Macher, die ganz wichtigen Leute) des Unternehmens, und es war wieder zu hören, dass etwas passieren wird (und keiner wird allein gelassen). Herr Steinmeier traf sich mit den Betriebsräten (die Macher, die ganz wichtigen Leute) des Unternehmens und ... – siehe vorhergehenden Satz. Das wird auf jeden Fall noch anstrengend werden für die Frau Merkel und den Herrn Steinmeier, da werden die Hände brennen und die Schulter wird schmerzen. Dem deutschen Mittelstand sei an dieser Stelle empfohlen, aus seinem Interessenverband endlich eine Aktiengesellschaft zu bilden – denn als Interessenverband sind die Aussichten auf eine Rettung denkbar schlecht.  

 

Wäre das ein Triumph für Hillary Clinton? Eine Frau als Außenministerin im Weißen Haus ist nicht wirklich neu. Und die amtierende Außenministerin ist zudem noch eine Afro-Amerikanerin. Außerdem liegt die Meßlatte nach der Amtszeit von Madeleine Albright ausgesprochen hoch. Was also wären die möglichen Beweggründe für den Eintritt von Hillary Clinton in eine Regierung unter Barack Obama? Die Probleme innerhalb der USA wiegen derzeit soviel schwerer als die Probleme der USA – im Amt der Außenministerin wird sich Hillary Clinton schwerlich profilieren können. Und ihr eigentliches Steckenpferd, die Gesundheits- und Sozialpolitik, wird sie bei all den Terminen außerhalb der USA so leicht nicht reiten können. Ist es Eitelkeit, doch noch ein Amt mit Schwergewicht bekleidet zu haben? Ist es das Weltenrettersyndrom, welches offenbar jeden Politiker und jede Politikerin wie die Malaria befällt? Fragen über Fragen.

 

Nadine Gordimer ist 85 Jahre geworden. Dass sie ihren Geburtstag nicht in Südafrika feiert, sondern bei einem Freund in Mexico, könnte der Mobilität der alten Dame geschuldet sein. Es könnte aber auch als ein Verweis auf die Fragilität der südafrikanischen Gesellschaft verstanden werden, die sich nach dem Rücktritt von Präsident Mbeki und den internen Machtkämpfen des ANC weniger im Umbruch denn in Auflösung befindet. Sicher, Nadine Gordimer ist weit davon entfernt, intellektuelles Asyl außerhalb des afrikanischen Kontinents zu suchen. Dennoch: Es scheint gerade nicht die richtige Zeit für kritisches Nachfragen, nicht die Zeit für häßliche Wahrheiten. Denn es gibt zu wenige, die diese hören können oder wollen. Auch weil neben Simbabwe, Kongo, Somalia, Tschad usw. unzählige andere offene Wunden im Kontinent Afrika unstillbar bluten. Und im Krieg sind alle Wahrheiten grau.