War was?

:: Die Woche :: 15.02. - 21.02.2010

Gepeinigte Frauen - Enthaltsame Studentinnen - Leading Lady - Empörte Schwarzer

Unvorstellbar für uns ist der Fall der drei malaysischen Frauen, die Haftstrafen erhielten und Stockhiebe bezogen. Ihr Vergehen: Sie hatten unverheiratet Sex. Die Grundlage für die Strafe: Die Prügelstrafe ist im islamischen Scharia-Recht vorgesehen und wird von der Regierung als „pädagogische Maßnahme“ eingesetzt. An Männern ist in Malaysia die Prügelstrafe weit verbreitet. Erstmals waren es nun Frauen, die geschlagen wurden, weswegen es zu öffentlicher Kritik kam und als erniedrigende und entwürdigende Behandlung von Frauenrechts- und Menschenrechtsorganisationen verurteilt wurde. Fast unter ging in der Aufregung, dass die Freunde der drei geprügelten Frauen ebenso Stockschläge erhielten. Gewalt gegen Frauen ist schlimm - ganz besonders eine staatlich verordnete Gewalt, und dann noch dazu für ein Vergehen, das in den meisten anderen Ländern gar keines ist. Doch  darf es nicht weniger verurteilenswert sein, wenn Männer die Zielscheibe sind.


Studentinnen in den USA versuchen auf ihre eigene Weise, gegen voreheliche Gelüste anzugehen – mit einem „tüchtigen Spaziergang“. Ganz anders als im malaysischen Fall, in dem Frauen durch ein Gericht körperlich bestraft und damit zur Reue gezwungen werden sollten, handelt es sich hier um einen individuell selbst gewählten Versuch der Abstinenz. Der Grund? Es ist wohl vor allem der Wunsch, einen Gegenpol zu bilden gegenüber dem von manchen Kommilitoninnen allzu öffentlich ausgelebten und ungehemmt zur Schau gestellten Sexleben, das dann die jungen Leute vornehmlich als triebgesteuert und auf ständiger Lustsuche darstellt. Nun, Gott sei Dank gibt es ja nicht nur die zwei Pole – also „entweder“ die überstarke Fokussierung auf das Sexleben „oder“ die Verdammung jeglicher Lust – sondern eine ganze Menge dazwischen. Und aus der kann sich in modernen Gesellschaften jeder Mensch die Variante aussuchen, mit der er sich persönlich am wohlsten fühlt.


Was für eine bemerkenswerte Frau. Sie gründete SAVE (Sisters Against Violent Extremism) und hat damit zu Recht die Jury der "Leaders of the 21st Century" überzeugt. Edit Schlaffer setzt mutig auf Versöhnung und gehört deshalb 2010 zu ihnen - die Auszeichnung gibt es für Frauen, die sich weltweit für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen einsetzen. Wie sie auf die Idee kam, die erste Anti-Terror-Organisation für Frauen zu schaffen? „Terroristen fallen nicht vom Himmel. Sie werden in Familien gemacht. Und da haben Frauen eine unglaublich wichtige Rolle“, sagt sie. Die Aussöhnung einer Mutter eines Opfers der Anschläge von 9/11 mit einer Mutter eines der verantwortlichen Terroristen gab Schlaffer den Ausschlag, SAVE zu initiieren. Es gibt Training, Projekte für Begegnungen und solche, die sensibilisieren sollen für den Willen, die Gesellschaft, in der sie leben, auf lange Frist zu verändern. Da bleibt nur noch zu sagen: Chapeau! Wir wollen gern mehr davon hören.


Ein Name, den alle kennen – Alice Schwarzer. Ein Fernsehquiz, das noch bekannter ist - „Wer wird Millionär?“. Und der Frauennothilfeverein „Hatun & Can“, der traurige Bekanntheit erhielt, durch seinen Gründungsanlass, den Ehrenmord an Hatun Sürücü. Nun sind die drei so unterschiedlichen Berühmtheiten miteinander in einer unschönen Sache verbandelt. Schwarzer wollte nur mal mehr erfahren vom Verbleib der von ihr in besagter Sendung gewonnenen und an „Hatun & Can“ gespendeten 500.000 Euro. Das Resultat der Nachforschungen war so dürftig und unerfreulich vage, dass – nicht zuletzt weil der Geschäftsführer des Vereins sich auch noch einen 60.000-Euro-BMW als Dienstwagen anschaffte – Alice Schwarzer den Verdacht der Veruntreuung von Geldern bestätigt sah. Gelder, die eigentlich Frauen aus Migrationsfamilien helfen sollten, denen häusliche Gewalt angetan, eine Zwangsheirat und bzw. oder Ehrenmord angedroht worden ist. Weshalb Alice Schwarzer zusammen mit der Frauenrechtlerin Necla Kelek und RTL Anzeige erstattet hat, und das Geld zurück will, um es besser anderen Frauenorganisationen zukommen zu lassen. Mag durchaus sein, dass Schwarzer vor der Spendentat hätte gründlicher recherchieren sollen, wem sie das Geld gibt. Leider nur sind Fälle, in denen der Spendenfluss mehr der Wohltat der Vereinsfunktionäre dient als dem Vereinszweck, weit gestreut.