War was?

:: Die Woche :: 15.03. - 21.03.2010

Pills for the masses - Indien entdeckt die weibliche Seite der Demokratie - Frankreichs Frauen jubeln - Schick siehste aus

Die Antibabypille wird jetzt 50. Als ein Jahr nach ihrer Geburt die damalige Schering AG eine bunte Pille mit dem Namen Anovlar in Deutschland auf den Markt brachte, kündigte sich auch für die deutschen Frauen eine Zeitenwende sondergleichen an. Das bedeutungsschwangere Wort Kinderwunsch wurde um ein Vielfaches aufgeladen. Denn nun  war es der Frau möglich, den Wunsch nach Fortpflanzung zu regulieren. Dem Mann war das bereits ab Mitte des 19. Jahrhunderts möglich; Charles Goodyear sei es gedankt. Ist die Erfindung der Pille, rein dualistisch und intellektuell betrachtet, ein Akt der Gleichberechtigung, so ist die Einnahme der Pille für Frauen auch ein zweischneidiges Schwert. Die Nebenwirkungen des Genusses dieser kleinen, bunten Teilchen sind für einige Frauen alles andere als eine Befreiung. Und obschon die Statistiken der Empfängnisverhütung nicht explizit über die Gründe der Dominanz der Pille reden - für den Mann ist die Pille deutlich bequemer als das Kondom - in mechanischer Hinsicht und natürlich auch, wenn es darum geht, die Verantwortung dafür zu tragen, sicher zu verhüten. Dass die Pille für die Wissenschaft nur einen eleganten Zwischenschritt auf dem Wege der kontrollierten Fortpflanzung ohne Sex darstellt, ist ein Kapitel, das uns in Zukunft nicht erspart bleiben wird.

 

Quote oder nicht? Das ist in diesem Jahr scheinbar die alles beherrschende Debatte, wenn es um die Gleichstellung bzw. Gleichberechtigung von Frauen im politischen und wirtschaftlichen Leben geht. Die indische Demokratie beispielsweise hat vor kurzem den Anteil der Frauen im Parlament auf 33,3% festgelegt. Nach oben offen, selbstverständlich. Nun ließe sich viel schreiben über die Diskriminierung der Frau in Indien, über die extrem hohe Sterblichkeit von Frauen während und nach Schwangerschaften, über die erschreckend hohe Zahl unterernährter Frauen in Indien - und damit ließe sich dann rechtfertigen, weshalb Frauen in Indien eine Quote benötigen. Quasi Frauen als Fürsprecherinnen ihrer selbst. Dagegen ist es doch so, dass in Indien seit vielen Jahren schon Frauen jene Politik machen, die Männer dann im Parlament und auf dem diplomatischen Parkett verkaufen. Insofern stellt die Frauenquote nur die reduzierte Realisierung eines vorhandenen Status quo dar. Bedarf es dafür tatsächlich noch einer Quote? Offenbar braucht gesellschaftlicher Wandel auch seine Fixierung. Beispielsweise in Manifestationen wie der Verfassung eines Landes. Und, liebe Frau Schröder, was in Indien möglich ist, sollte in Deutschland mehr als nur bedacht werden können - oder?

 

Es waren die Frauen, die in Frankreich gewonnen haben. Drei Damen, die sich einig waren, zeigten dem Polit-Macho, was Frauenpower ist. Und so gab es "vor allem Bilder von jubelnden Frauen", während der Weiße Ritter schwere Kratzer auf seiner makellosen Rüstung nach dem Wahldebakel in Frankreich davongetragen hat. Der hingebungsvollen Pflege durch Carla Bruni gewiss, gab sich der französische Premier nach der Regionalwahl wieder kämpferisch und fokussiert auf die bevorstehenden Aufgaben. Aber platt gesprochen - der Lack ist ab, Herr Sarkozy. Nicht nur die Bündnisse aus Linken und Grünen, die die Regionalparlamente zum überwiegenden Teil regieren, auch die extreme Rechte unter Le Pen gehen als Sieger aus diesen Wahlen hervor. Ist insbesondere die letztere Tatsache beunruhigend und mit Blick auf die ebenfalls vor kurzem erfolgreichen extremen Rechten in den Niederlanden sogar mehr als das, so stellt sich als erstes immer die Frage nach den Ursachen. So komplex letztlich das Geflecht von Wirtschaftskrise, Besitzstandsverteidigung, sozialer Ausgrenzung, ideologischer und religiöser Radikalisierung ist - die pointierte Polarisierung der Gesellschaft scheint die falscheste aller falschen Reaktionen darauf zu sein. Vielleicht haben das Martine Aubry, Generalsekretärin der französischen Sozialisten, Kommunisten-Chefin Marie-George Buffet und die Vorsitzende der Grünen, Cécile Duflot, besser begriffen.

 

EMMA-Online hat eine neues Kleid - pünktlich zum 8. März wurde die Website DER Frauenzeitschrift der ersten Stunde, wie man neudeutsch zu sagen pflegt, gerelauncht. Im Gegensatz zu den unzähligen Outfit-Veränderungen einschlägiger Koch-, Ernährungs- und Bekleidungstipps-Zeitschriften für die weibliche Kundschaft bedeutet das neue Gesicht der EMMA-Online nicht nur mehr Übersicht und ein sogenanntes zeitgemäßes Äußeres, sondern auch alle EMMA-Ausgaben der letzten 33 Jahre -sind voll digitalisiert und durchsuchbar. Zwar kommen wir etwas spät mit unserem "Herzlichen Glückwunsch" und "Danke, dass es euch gibt" - aber lieber spät als nie.