War was?

:: Die Woche :: 15.08. - 21.08.2009

Papiere und Pannen – Wahlen und Weltrekorde – Hochsprünge und Tiefschläge

Ein „Industriekonzept“, das im Eiltempo zu einer „Papierpanne“ umgemünzt wurde, zeigt: Der Wahlkampf bekommt Schwung. Dabei sind sich eigentlich alle total einig: „So geht das nicht!“. Gemeint sind die Vorschläge, die gerade aus dem Hause von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg öffentlich wurden und die darauf zielen, unserer Industrie den müden Rücken zu stärken. Mit deutlich neoliberalem Fitnessprogramm allerdings: Als „einen Horrorkatalog für Beschäftigte und einen Wunschzettel der Arbeitgeberverbände“ schimpfte etwa die „Linke“ das umstrittene Grundsatzpapier, in dem für weniger Kündigungsschutz, ein Aus für Mindestlöhne und mehr steuerliche Entlastungen für Unternehmen eingetreten wird. Nur dass angeblich niemand mit diesem Programm etwas am Hut haben will – so kurz vor den Wahlen: Die SPD nicht, die natürlich prompt auf die tolle Steilvorlage scharf reagierte, um so auch selbst schneidiger dazustehen (wer will schon eine Partei wählen, die derzeit nur mit Dümpeln im Umfragetief für Schlagzeile sorgt?). Und auch im Lager der Union ging man lieber auf Distanz – sogar der Bundeswirtschaftsminister selbst. Das Arbeitspapier gebe nicht seine politische Marschrichtung wieder, sondern nur Expertenmeinungen. Die ohne „Weisung von oben“ eingeholt wurden?  An eine „Guerilla-Aktion“ von wild gewordenen Beamten und Mitarbeitern rund um zu Guttenberg einzig und allein mag glauben, wer selbst zu wilder Vorstellungskraft neigt. 

 

Afghanistan hat gewählt – zum zweiten Mal seit dem Sturz der Taliban. Das endgültige Ergebnis steht noch aus, doch schon der Terror und die Anschläge im Vorfeld der Wahl sind ein Zeichen: dafür, dass man um Demokratie und Sicherheit im Krisenland noch lange wird ringen müssen. Mit Rachedrohungen und blutiger Gewalt versuchten etwa radikal-islamische Milizen, die Bevölkerung von der Wahl abzuhalten. Dabei waren bei dieser erstmals auch zwei Frauen als Bewerberinnen um das Präsidentenamt aufgestellt – allerdings ohne Aussicht auf Erfolg, sich durchzusetzen: Denn allein schon die Gesichter der Frauen auf den Wahlplakaten galten vielen Afghanen als Schande und Verstoß gegen die Religion. Wird Hamid Karsai, der nun vermutlich für weitere fünf Jahre das Land regieren wird, hier auf lange Sicht etwas ändern können – und wollen? Annehmen darf man das nicht. Denn Karsai ist eine höchst fragwürdige Figur. Und zum Beispiel neben anderem auch dazu bereit, repressive Ehegesetze auf den Weg zu bringen, die einen das Gruseln lehren. 

 

„Hochmut kommt vor dem Fall“ – so musste manche Sportskanone auf der diesjährigen Leichtathletik-WM in Berlin bitter erfahren. Etwa die Stab-Hochspringerin Jelena Isinbajewa, die als eine der sichersten Favoritinnen überhaupt auf WM-Gold galt. Die Russin aber entschied sich, im Finale erst bei einer Höhe einzusteigen, bei der die allermeisten ihrer Rivalinnen schon draußen waren – und fiel dann aus allen Wolken, als nichts ging. Andere dagegen rannten, warfen oder hopsten, wie man erwarten durfte, und Usain Bolt sogar noch etwas schneller. Nur 9,58 Sekunden auf 100 Metern – da hieß bereits der vorletzte Stopp „Schallmauer“! Oder doch Dopingarzt? Nun, wer sich trotz der teuren Tickets einen Besuch im Olympiastadion leisten konnte, durfte erleben, wie hier zumindest auch abseits von weltkameratauglichen Weltbestzeiten frenetisch gefeiert und gejubelt wurde. Von einem Stadionpublikum nämlich, das wild entschlossen war, auch den letzten Sportler und die letzte Sportlerin mit Anerkennung und Beifall ins Ziel zu tragen.