War was?

:: Die Woche :: 16.04. - 22.04.2007

Frankreich wird zwischen Sarkozy und Royal entscheiden müssen. Amoklauf in den USA und der Schock danach. Durcheinander im Buback-Mord. Die Luftnummer von der Unschuldsvermutung. Siemens opfert Heinrich von Pierer. Die Deutschen sind zu dick. Zwei „Bad Boys“, die älter geworden sind: Jack Nicholson wird 70 und Iggy Pop 60.

Von: Bärbel Kerber, Foto: stock.xchng

vom 22.04.07

Frankreich hat gewählt (und das mit rekordverdächtiger Wahlbeteiligung) und trotzdem heisst es erstmal warten. Traditionell geht es nach der französischen Präsidentschaftswahl immer erst noch in eine zweite Runde, weil der Sieger mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten muss. Das einzige, was im Moment als sicher gilt ist: Nachfolger von Jaques Chirac wird entweder der konservative Nicolas Sarkozy oder die Sozialistin Ségolène Royal. Auch wenn der Gewinner der Wahl vom Sonntag Sarkozy ist. Für die Stichwahl am 6. Mai ist ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Neogaullisten und der Sozialistin zu erwarten. Dann ist es mit der Stille vorbei.


Auf einem Campus in Blacksburg im US-Staat Virginia erschießt ein Student 32 Menschen und sich selbst. Das Muster ist bekannt: Ungeliebter Outcast will sich rächen und gleichzeitig Ruhm und Aufmerksamkeit. Neu ist, dass ein Hass-Video des Täters nachträglich im Fernsehen gesendet wird. Und dann genau das eintrifft, wovor man gewarnt hat: Die Angst vor potenziellen Nachahmern geht um. Mehrere Schulen und Unis mussten vorsorglich geschlossen werden. Doch das Recht auf Waffenbesitz in den USA ist und bleibt immer noch ein Heilsgral. Nicht nur Bush und die Waffenlobby glauben allen Ernstes: "Gewehre töten keine Menschen. Menschen töten Menschen."


Bisher hieß es immer, man wisse nicht sicher, wer aus der RAF 1977 Siegfried Buback ermordert habe. Nun plötzlich kommt heraus, dass dem Verfassungsschutz schon seit den 80er Jahren bekannt sein soll, dass es Stefan Wisniewski war - und nicht der beschuldigte Christian Klar, der deshalb (und wegen anderer Straftaten) noch einsitzt, während Wisniewski seit 1999 frei ist. Der ganze Fall soll nun nochmal aufgerollt werden. Schönes Schlamassel und seltsam, weshalb die Justiz und wir alle so lange im Unklaren gelassen wurden. Ob Christian Klar deshalb nun früher frei kommt, ist nicht gesagt. Es hängt davon ab, in welchem Maße er an der Planung des Mordes beteiligt war.


Nein, man mag es schon nicht mehr hören, was da ständig Neues aus dem Innenministerium verbreitet wird. Besonders wenn es sich dann noch als Luftnummer entpuppt. Dass die Unschuldsvermutung nur für Tatverdächtige, nicht aber bei der Prävention und bei Ermittlungen und somit nicht bei der Terrorabwehr gelte, wie Schäuble verlauten ließ, ist anscheinend eine Binsenwahrheit, weil gängige Praxis in unserem Rechtsstaat. War die ganze Aufregung also wirklich umsonst? Oder sollte nicht mit Worten hier etwas vorsichtiger und mit den Ängsten der Bürger etwas sensibler umgegangen werden?


Der Druck war groß. Nun geht Siemens Aufsichtsratchef Heinrich von Pierer. Und das Unternehmen erhofft sich damit ein sauberes Image zurück. Weil Siemens ordentlich unter Druck kam wegen Schmiergeldzahlungen und vielen anderen Affären, soll an seiner Stelle künftig Gerhard Cromme nun Siemens von seinen Krisen weichspülen. Ob von Pierer wirklich von den Bestechungen nichts gewusst hat, wie er bis zuletzt behauptet, weiß nur er selbst.


Die Deutschen brechen als dickste EU-Nation scheinbar einen neuen Rekord. Ganz schnell hallen die Rufe nach Werbeverboten für fette und zuckerhaltige Lebensmittel und nationale Abspeckappelle durchs Land. Doch wer genauer hinschaut, vermutet eher Panikmache. Die Datenbasis der Studie ist mit Vorsicht zu genießen und angreifbar. Und ein 1,80 m großer Mensch gilt hiernach schon mit 81 kg als dick.


Der eine liebt den Film, die Frauen und ganz offensichtlich sich selbst – und das ohne Allüren: Jack Nicholson wird 70 Jahre und sagt über sich:„Wenn ich meine Sonnenbrille trage, bin ich Jack Nicholson - ohne sie bin ich einfach nur ein fetter Siebzigjähriger.“ Der andere ist der „Godfather des Punk“ und findet das Leben mit Alter 60 besser denn je. Iggy Pop neulich: "Zum ersten Mal habe ich alles, was ich immer wollte: coole Autos, heißen Sex, eine gute Band und ordentliche Gigs. Und ich wache nicht auf und fühle mich krank". Alles Gute euch beiden!