War was?

:: Die Woche :: 16.10. - 22.10.2009

Qual-Wahl am Hindukusch - Würdigung für Menschenrechtler - Aus für Quelle - Impfen oder nicht

Afghanistan ist doppelt so groß wie die Bundesrepublik, hat 32 Millionen Einwohner und einen florierenden Drogenhandel, ist Heimat des unausgesetzten Guerilla-Krieges der Taliban gegen die Nato-Truppen und die USA - und muss sich in den nächsten Wochen auf eine Stichwahl der Kandidaten zur Präsidentschaft im Land einstellen. Der afghanische Winter steht vor der Tür, die in der vorangegangenen Wahl rekrutierten Wahlhelfer sind entweder kompromittiert oder  einfach verschwunden. Dabei war das am Ende der ersten Stichwahl verkündete Endergebnis abzüglich der gefälschten bzw. manipulierten Wahlstimmen deutlich zugunsten Karsais ausgefallen. Weshalb also soll gewählt werden? Weil die Glaubwürdigkeit Karsais, eines korrupten und korrumpierenden Präsidenten, wieder hergestellt werden soll? Weil Abdullah der bessere Präsident wäre? Für wen soll eigentlich gewählt werden? Für die Afghanen, denen die Taliban als stetig wachsende Pestbeule das Leben zur Hölle und allzu oft das Überleben unmöglich machen? Oder ist es für den Blick unserer Diplomaten in den Spiegel, frühmorgens, wenn der Kater nach den Kompromissen des Vortages die Schläfen brennen lässt?

 

Die Erinnerung ist eine tückische Sache. Nie ist sie vollständig. Nie ist sie DIE Wahrheit. Erinnerung ist das Abbild einer Geschichte, die aus vielen Erzählungen besteht, die sich wie Mosaiksteine zu einem Bild zusammenfügen. Das Sammeln und Zusammenfügen dieser Steinchen hatte sich Memorial, die erste Menschenrechtsorganisation der Sowjetunion, zu Beginn ihrer Gründung zur Aufgabe gemacht. Stalinismus, GULAG, Diskriminierung und Verfolgung aller Art, ob gegen Frauen, Homosexuelle oder nichtrussische Ethnien des Vielvölkerstaates - Memorial hatte sich einer Mammutaufgabe verschrieben. Dass sich die ewig Gestrigen halten wie das Schwarze unter den Fingernägeln, war abzusehen. Und so beschäftigte sich Memorial immer häufiger mit Menschenrechtsverletzungen, die in unserer unmittelbaren Gegenwart begangen wurden. In über 80 Gruppen arbeiten die Mitarbeiter der Organisation zumeist ehrenamtlich bei der Aufklärung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Vergangenheit wie Gegenwart. Am Donnerstag dieser Woche erhielt Memorial den Andrej-Sacharow-Preis, vergeben vom Europäischen Parlament. Und bei aller Freude darüber schwingt Bitterkeit mit, dass Menschenrechtler in Russland auch 20 Jahre später noch ihre Arbeit in einem Klima der Angst verrichten müssen.

 

Das hatten viele gehofft, verhindern zu können - das bittere Ende für Quelle. Nachdem das Schicksal nun besiegelt scheint, suchen alle – und wahrscheinlich vor allem die 6.000 Quelle-Mitarbeiter, die nun ihren Arbeitsplatz verlieren - nach einem Schuldigen. Die Namen, die fallen sind Thomas Middelhof, Arcandor, Madelaine Schickedanz bis hin zu von Guttenberg und dem Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg. Letztendlich war es, wie so oft, der Strukturwandel - in diesem Falle die Chancen des Internethandels, die verschlafen wurden. Also eine verfehlte Unternehmenspolitik, an der viele Anteil hatten. Manche meinen, die Politik sei Schuld, weil sie die Bürgschaften verweigerte. Doch die hätten das Drama nur hinausgezögert. Jetzt richtet die Arbeitsagentur eine provisorischen Außenstelle in Nürnberg ein. Der einzige, der sich wohl freuen kann, ist Otto.


Die kalte Jahreszeit naht, und mit ihm die Grippezeit – eine Schweinegrippezeit? Die bundesweite Impfaktion rollt in diesen Tage an. Und die Leute sind verunsicherter denn je. Welcher Impfstoff ist der bessere? Soll ich mich überhaupt impfen lassen? Bekommen Politiker tatsächlich einen Luxusimpfstoff? Warum weigern sich jetzt auch noch manche Ärzte, die Impfung durchzuführen? Was ist mit Schwangeren? Wogegen wird hier eigentlich geimpft – gegen den Schweinegrippevirus oder gegen eine künstlich geschürte Angst? Wem und was soll man eigentlich noch glauben? Empfehlenswert sind manchmal nackte Zahlen und der eigene Menschenverstand: In Deutschland gab es bisher zwei Tote von 22.000 Infizierten – bei einer Bevölkerungszahl von 82 Millionen. Das Nichtwissen der Leute ist enorm groß. Doch für seriöse Zahlen interessiert sich gerade kaum jemand – am wenigsten der Boulevard. Und das könnte „dem Impfen als einer der überhaupt wirksamsten medizinischen Präventionsmaßnahmen der vergangenen einhundert Jahre“ einen massiven Ansehensverlust bescheren. Wer einmal übertreibt, dem glaubt man nicht. Was, wenn es einmal zu einer echten, ernsthaften Krisensituation kommt? Es sind schon erste Anzeichen von Vertrauensverlust spürbar. Während das Bundesgesundheitsministerium und die zuständigen Institute zur Impfung mahnen und drängen, sind die Leute zunehmend skeptisch: Anscheinend will sich mehr als die Hälfte der Bevölkerung nicht impfen lassen.