War was?

:: Die Woche :: 16.11. -22.11.2007

Datenschlamperei in Grossbritannien – Jubel bei den Stammzellenforschern – Halbzeit-Zeugnis für Merkel und Co. – Pauli verlässt die CSU – das iPhone künftig auch ohne Vertragsbindung – Pfeifkonzert für müde Kicker

Die britische Steuerbehörde hat die Daten von 25 Millionen Leuten verbummelt – ein Beamter steckte zwei CDs mit hochempfindlichen Personendaten in ein Kuvert und schickte sie auf den Postweg. Nun sind sie weg.... unauffindbar. Premier Gordon Brown und Schatzkanzler Alistair Darling sind gehörig unter Druck und entschuldigen sich für das Desaster. Nun müssen erstmal längere Zeit mit Riesenaufwand die Kontobewegungen all der Leute kontrolliert und überwacht werden. Bis zu 400 Dollar gibt es für die Daten eines Bankkontos auf dem Schwarzmarkt.


Eine „Sensation“ gelang den Stammzellforschern, indem sie nun Hautzellen in stammzellenähnliche Zellen umprogrammieren konnten. Somit scheint urplötzlich Stammzelltherapie „ohne ethische Zwickmühle“ möglich. Soll heißen: es besteht die Hoffnung, dass auf Embryonen bald verzichtet werden kann. Und schon kocht der Streit um eine Lockerung des strengen deutschen Stammzellengesetzes und seiner Stichtagsregelung hoch. Die einen fordern, jetzt erst recht daran fest zu halten, weil künftig unnötig. Die anderen warnen, dass es noch gar nicht absehbar ist, wann und ob das Verfahren therapeutisch nutzbar ist.


Münte geht, Scholz kommt und Steinmeier kassiert einen Rüffel – das alles passiert pünktlich zur Halbzeit der Regierung. Es wird allerorts Bilanz gezogen und Angela Merkel bekommt gute Noten – auch wenn ihr Beutepolitik unterstellt wird. Vermutlich ist gerade das ihr Erfolgsrezept: von allem ein bisschen – ein Prise grüne Umweltpolitik, ein wenig sozialdemokratische Gerechtigkeit garniert mit liberalem Lebensstil. Et voilà mausert sich eine wirtschaftsliberale Kämpferin in eine Siegerin der Umfragen und schlägt ihre Konkurrenz mittlerweile um Längen.


Nun muss die CSU ohne Frau Pauli auskommen. Weil diese sauer ist, dass Erwin Huber sie konsequent ignoriert, tritt sie aus der Partei aus. Pauli, die jahrelang für Wirbel und schließlich den Fall von Edmund Stoiber gesorgt hatte, ist nun für eine letzte Überraschung gut. Anfangs hatte man sie noch für ihren Mut und ihr Selbstbewusstsein bewundert, später hat sie sich immer mehr durch schrille Auftritte und Außenseiter-Ideen isoliert. Und so ist für viele heute ihr Partei-Austritt nicht mehr wert als ein Achselzucken. Für manche war es „die letzte Show der Latex-Landrätin“.


Erst der Hype und dann der Kampf ums iPhone. Jetzt wird tatsächlich schon um das „Grundrecht auf das iPhone“ gestritten. Konkurrent Vodafone klagte gegen die T-Mobile-Praxis der Kopplung des Exklusivvertriebs der iPhones an einen 2-Jahresvertrag mit T-Mobile. Das Landgericht Hamburg hat erstmal gesagt, das geht nicht. Woraufhin T-Mobile nun das iPhone ungesperrt und vertragsfrei anbieten muss, dies aber nicht ungeschickt mit einem „Strafaufschlag“ von 600 Euro versieht. Auch wenn damit das iphone „frei wird“: Dass Vodafone - der vermutlich weltgrößte „Handyversperrer“ - hier die Kosumentenfreiheit im Sinn hatte, mag bezweifelt werden. Hier geht es um Marktanteile.


Ein müdes 0.0 war das Ergebnis der deutschen Elf im EM-Qualifikationsspiel gegen Wales. Für die einen war das „Topfschlagen in Frankfurt“, für die anderen „hektisch, harmlos, fußlahm“. Dass es dafür Pfiffe gab, nahmen die Spieler ihren Fans allerdings übel. Die eigentliche Sensation aber ist die Nichtqualifikation der Engländer nach einer Niederlage im altehrwürdigen Wembleystadion gegen Kroatien - das Fussball-Mutterland windet sich im Schockzustand.