War was?

:: Die Woche :: 17.07. - 23.07.2009

Mond, Merkel, Rhodan - Frau Schickedanz geht zum Discounter, aber Herr Wiedeking wird sozial - Die Bundeswehr im Kessel - In durchaus eigener Sache

Was haben Frau Merkel, der Mond und Perry Rhodan gemeinsam? Alle feierten in der zurückliegenden Woche ein Jubiläum.

Perry Rhodan, mit nunmehr 2500 Buchbänden der ungekrönte Kaiser der Krabbeltisch-Literatur, ist literarisch in eine Zukunft enteilt, die, gestützt durch hehre Ziele und die durch und durch lauteren Motive, dem Enterprise-Universum der 80-er Jahre bedrückend ähnlich klinisch rein sehen. Da erscheint das Jubiläum der Mondladung von 1969 erfrischend real und auf besondere Weise ermutigend.  Vor 40 Jahren war es als Ergebnis des Kalten Krieges zwischen Ost und West für die Sowjets eine weitere schwärende Wunde, voller Provokation und Niedertracht, und für die Amerikaner der Beweis der Überlegenheit ihres Gesellschaftsentwurfes schlechthin, und  heute ist es tatsächlich der immer wieder zitierte große Schritt für die Menschheit. Schon reden die Experten von der neuen Erde, die sie auf dem Mars entstehen lassen wollen. Was ein wenig misstrauisch machen sollte, ist die Tatsache, dass auch George W. Bush auf den Mars wollte. Angela Merkel scheint der Mars in diesen Tagen aber egal zu sein. Ebenso wie ihr Jubiläum. (Was sie dem Autor dieser Zeilen sympathisch macht - Geburtstage sollten eher den Müttern als den Kindern gewidmet sein.) Vielmehr schwang sie den Wander-Wahlkampf-Stab und machte den CSU-Parteitag ein wenig unsicher. Auf Linie bringen, heißt das wohl. Schade, dass Frau Merkel in Zeiten wie diesen ihr offenbares Talent, die Dinge auf den Punkt zu bringen, an solch für den Bürger mäßig interessanten Themen wie den Wahlkampf kapriziert. Denn entscheidend für diese Demokratie ist es nicht, welche Lobbyisten-Gruppe den Wahlkampf bestimmen und gewinnen wird. Entscheidend wird sein, welche Lösungen dazu dienen, die jetzigen Probleme nicht zu Gunsten neuer Probleme zu bewältigen - und wie die Last verteilt wird.

 

Dass Frau Schickedanz jetzt auch beim Discounter einkaufen muss, ist nur interessant für den feuilletonistischen Kommentar. Der Spott und die Häme, die über sie durch den deutschen Blätterwald ausgeschüttet wurde, lassen den Außenstehenden nur kopfschüttelnd und ein wenig ratlos zurück. Ebenso ratlos registriert der gesellschaftspolitisch versierte Bürger, dass Herr Wiedeking zuerst die kolportierte Abfindung von 100 000 000 Euro ausschlägt, um es bei 50 000 000 Euro zu belassen. Zudem spendet er großzügig 25 000 000 Euro für soziale Projekte im Umfeld des Porschekonzerns. Ohne an dieser Stelle in konkrete Rechenspielchen überzugehen - welcher Mensch braucht 25 000 000 Euro? Welcher Mensch hat sich solch eine gigantische Summe verdient? Wenn Porsche tatsächlich Teil des VW-Konzerns wird, wie viel Abfindung erhalten dann die Porsche-Mitarbeiter, die entlassen werden? Ist es wirklich nur eine Neid- und Anstandsdebatte, die hier unterstellt werden kann?

 

Die Bundeswehr in Afghanistan wird immer vehementer in die kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Taliban hineingezogen. Strategisch befinden sich die in Kunduz stationierten Truppen in einer Zwinge der von Taliban beherrschten Provinzen Char Dara, Khanabad und Imam Sahib. Nach Meinung von Journalisten vor Ort und den sogenannten Experten in Deutschland sind die deutschen Truppen mehr denn je abhängig von der Unterstützung der alliierten Truppen, die mit einem weitaus umfangreicheren Mandat durch ihre heimatlichen Parlamente in den Krieg mit den Taliban geschickt wurden. Berichte über schweres Gerät, die gute Vorbereitung der Truppen, die neue militär-strategischen Ausrichtung der Bundeswehr in Afghanistan übertönen die Forderung nach dem längst überfälligen Eingeständnis des Scheiterns der Bundeswehrmission in Afghanistan. Besonders bitter stößt dabei auf, dass die Strategie der zivilen Hilfen zur Reorganisation des afghanischen Staates mit funktionaler Bürokratie, Legislative und Exekutive und die aufopferungsvolle Aufbauarbeit der Akteure vor Ort (Bundeswehr, NGOs, Bundespolizei) scheinbar umsonst war. Der zivile Wiederaufbau in Afghanistan ist vorerst gescheitert - hoffen wir, dass der Afghanistaneinsatz der Bundeswehr für Deutschland nicht das wird, was Somalia für die USA wurde.

 

Hui, haben die virtuellen Colts geraucht, als im Vodafone-Blog der Blogeintrag von Ute Hamelmann von der versammelten Web-2.0-Gemeinde wahrgenommen wurde. Was am Anfang wie kurioses Zeter und Mordio klang, verstieg sich in der für das Internet typischen rasanten Steigerung der Verbreitung zu groteskem Steinewerfen und  sabberdem Brüllen nach Vergeltung und Tod. Denn Ute Hamelmann hat die Ehre der Web-2.0-Gemeinde verletzt. Erstaunlich, wie steif und triefend vor Selbstgerechtigkeit die Kommentare und das Feuilleton gegen die Kommerzialisierung des Internets, das Triviale in Texten und die Wahrhaftigkeit im Allgemeinen protestierten. Apropos Werbung - Ute Hamelmann hat auch für uns etliche Texte geschrieben. Und zwar für lau. (Der persönliche Favorit des Autors: Räumliches Denken).