War was?

:: Die Woche :: 17.08. - 23.08.2007

Es zündelt aller Orten. Flugobjekte in Georgien. Mügeln und die Neonazis - kann rechte Gewalt noch kommentiert werden? Meseburg und die Klausurtagung. Angie in Grönland. Gül muss warten. Die deutschen Fussballer in Wembley.

Nach den schweren Waldbränden entlang der Küste des Mittelmeeres ist noch kein Ende in Sicht - neue Brände im Süden Italiens vernichten Olivenhaine, Hof und Heim der Anwohner - und stellen Landfläche für Bauspekulanten bereit, in deren Auftrag vermutlich die Feuer gelegt wurden. Zwar fordern Regierung und Politik in Italien drastischere Strafen für ertappte Brandstifter. Aber wieso eigentlich - werden die noch nicht bestraft?

 

Nachdem es monatelang keine spektakulären Entführungen, militärische Hilfsaktionen oder ähnliche Mord- und Todschlagsszenarien in Georgien vermeldet wurden, mutet der Konflikt um eine vom Himmel gefallene und nicht explodierte Rakete zwar unfreiwillig komisch, aber nichtsdestotrotz bedrohlich an. Jetzt sind auch noch gleich zweimal russische Flieger in georgischen Luftraum eingedrungen, heisst es nun aus Tiflis. Alles "Halluzination", ruft es aus Moskau. Das riecht mächtig nach dicker Luft zwischen Georgien und Russland.

 

Noch im April wurde der Förderantrag von Mügeln auf Mittel im Kampf gegen Rechtsextremismus abgelehnt, jetzt ruft alles nach einem Aktionsplan. Im sächsischen 5000-Seelen-Dorf wurden acht Inder verfolgt und schwer verprügelt. Die Wortwahl ist auf der einen Seite so dramatisch wie auf der anderen Seite vorsichtig. Während die einen von eine Hetzjagd von Prügelnazis reden, relativieren andere, es sei noch nicht eindeutig geklärt, aber vermutlich war es ein fremdenfeindlicher Akt gewesen. Der Osten und insbesondere Sachsen wehrt sich gegen ein rechtsradikales, ausländerfeindliches Image. Und Ursula von der Leyen will mehr Zivilcourage sehen – ob da Geld und ein Aktionsplan helfen? Was gebraucht wird ist ein Ende der Schweigespirale und ein Aufbrechen der Feindseligkeit der Älteren: Denn „mit Geld kann man nur beschwichtigen.“
Als im Jahr 1991 Hoyerswerda zum Symbol rechter Gewalt in Deutschland wurde, sagte ich mir als Hoyerswerderaner: Kann ja eh überall passieren. Heute scheint sich diese Aussage wie ein grauer Schleier über die deutschen Lande zu legen und beim Gedanken an meinen Spruch vor mehr als zehn Jahren hau ich mir immer noch voller Abscheu auf die Gusch'n. Kann rechte Gewalt noch kommentiert werden? Ja. Sie kann. Am besten auf der Website www.mut-gegen-rechte-gewalt.de.

 

Auf „Konsenskurs“ im brandenburgischen Meseburg ist derzeit die große Koalition und gelobt einstimmig und vollmundig große Taten für die zweite Hälfte ihrer Amtszeit. Auf der Tagesordnung der Kabinetts- klausur stehen die Themen Fachkräftemangel, Klimaschutz, Hartz-IV-Erhöhung und Rechtsextremismus. Bevor es aber an die Arbeit geht, blicken Merkel, Müntefering und Co. erstmal stolz auf die letzten zwei Jahre zurück und klopfen sich auf die Schulter. Doch auch die Leute sollen etwas davon haben: Von nun an soll „die Mehrheit am Wohlstand teilhaben können“, freut sich die Bundeskanzlerin für alle. Na, dann wird wieder in die Hände gespuckt. Zwar wurden erste Beschlüsse bekanntgegeben. Aber unaufhaltsam und innovativ muten der Verzicht auf eine Vorrangprüfung für fehlende deutsche Bewerber auf Arbeitsstellen im Maschinenbau oder die Abschaffung der energiefressenden Nachtspeicheröfen nicht an.

 

Bei der Wahl zum türkischen Staatspräsidenten ist der umstrittene Aussenminister Gül erstmal gescheitert. Das Misstrauen in ihn ist groß. Einerseits glauben viele Türken, er sei gut für das Land. Andere sehen in ihm einen Fundamentalisten. Nicht nur weil seine Frau Kopftuch trägt, befürchten sie durch Gül eine schleichende Islamisierung. Nun gibt es einen zweiten Wahldurchgang. Doch ohnehin ist Güls Wahl nur eine Frage der Zeit und spätestens mit dem dritten Wahlgang besiegelt und sicher.

 

Über die „Reisegruppe Merkel/Gabriel im schmelzenden Grönlandeis“ höhnt Bütikofer. Reine „Symbolik“ schimpft auch Westerwelle hinterher. Und nicht zuletzt die Zeitungen verlieren sich in blumigen Beschreibungen (DIE ZEIT: „Frau Merkels neues Gespür für Eis“). Ein bisschen Sommerlochstimmung, ein wenig Show für die Medien, dankbar greifen alle Angie im Outfit einer Polarforscherin auf. Was das Ziel des Tripps nach Grönland war? Auf Einladung Dänemarks Ministerpräsident Rasmussen sich selbst ein Bild vom Klimawandel zu machen. Und das Ergebnis? Viele gute Absichten. Die bei Merkel anstehenden Klimaschutz-Termine werden beweisen, wieviel von der Reise hängenblieb.

 

2:1 für Deutschland. In Wembley. Gegen Beckham. Gegen DIE Fussballnation. Mit einer B-Auswahl. Sagt das nicht alles? Vor dem Spiel haben sich die Engländer gefreut und sehr sportlich gezeigt. Dann gewann die deutsche Nationalelf in London mit einer B-Mannschaft im neuen Wembley-Stadion. Zu England wie zum Wembley-Stadion wird Deutschland immer und nicht umsonst eine ganz besondere Fussballbeziehung haben - auch deswegen sagen wir „armes England“. Die prügeln jetzt zur Abwechslung mal nicht verbal auf die Deutschen ein, sondern auf Torhüter „Misses Robinson“.