War was?

:: Die Woche :: 17.10. - 23.10.2008

Bankenkrise, Gewinner und Verlierer, die Bayern und Ackermann – Da bleibt kein Retter für den Bildungsgipfel in Dresden – Und die Nationalelf ist auch schon am Absaufen

Kurz nach Bekanntgabe des Rettungspakets gab es noch ein banges Wochenende – und dann war es raus: die 500.000-Euro-Verdienstgrenze für Vorstände von Banken, die Regierungsstütze in Anspruch nehmen, wird wahr. Mag sein, dass das nur Signalwirkung haben wird und lediglich Gemüter in der Bevölkerung beruhigen soll. Während dennoch die einen Banker sich unruhig im Schlaf wälzen, lassen andere auf ihre eigene Weise Druck ab und sorgen beim horizontalen Gewerbe in Frankfurt für einen unerwarteten Boom. Die unangefochtenen Profiteure des Finanzcrashes aber sind die Politiker (mit Ausnahme von Erwin Huber, den hat's erwischt), die sich landauf, landab im Euro-Raum als Retter und Lichtgestalten gebärden können. Sarkozy gar gefällt sich in dieser Rolle so sehr, dass er im Überschwange die EU auch nach Ablauf des Jahres weiter mit seinen Ideen und als Vortänzer der Euro-Gruppe beglücken möchte. Da wollen aber noch andere mitreden.

 

Ausgerechnet die stolzen Bayern sind die Ersten, die sich trauen, Kapitalbedarf anzumelden – trotz Ackermanns markiger Sprüche. Nun, geschickt war Joe verbal noch nie, und prompt wurde er auch von Merkel, Steinbrück und Co. öffentlich abgewatscht. Doch die Bayerische Landesbank, die nun 5,4 Mrd. Euro vom Bund kriegen soll, sitzt so tief in der Kreide, dass sie es sich  nicht leisten kann, den starken Mann zu mimen. Diese Rolle hat nun auch Erwin Huber, der lange trotzig an seinen Ämtern festhielt, endgültig abgestreift und nimmt als Finanzminister seinen Hut. Fragen gibt es trotzdem noch.

 

Bei so vielen Rettungseinsätzen in der notleidenden Wirtschaft fällt nicht mehr viel Energie für den müde wirkenden Bildungsgipfel in Dresden ab. Viele haben ihn wohl erst gar nicht bemerkt. Und das obwohl partei- und gesellschaftsübergreifend Einigkeit darin besteht, dass Bildung wichtiger denn je ist. Die Ergebnisse aus Dresden fallen dürftig aus. Schade, dass es nicht für mehr gereicht hat. So wird nichts aus dem "Aufstieg durch Bildung".

 

Ziemlich notleidend ist momentan auch die deutsche Fußballnationalelf. Weil sich ein paar Nationalspieler nicht mehr gebührend gewürdigt fühlen, ist die Chemie zwischen Löw und ihnen nachhaltig gestört. Und so geht es immer weniger um die Leistung auf dem Platz als zunehmend um Stolz, Autorität und die Frage der richtigen Umgangsformen. Der Unmut wird mit jeder weiteren öffentlichen Verlautbarung größer. Polarisierer Ballack soll jetzt zum Gespräch zitiert werden. Doch zum Bleiben zwingen will Löw niemand - "weder mit Waffengewalt, noch mit Geld". Der Mimosenhaufen solle "den Mund halten und Fußball spielen", poltert derweil der Kaiser.