War was?

:: Die Woche :: 18.04. - 24.04.2008

Der Papst als Versöhner - US-Wahl-Schlammschlacht ohne Ende – Schwarz-grüne Vereinigung – Der große Spähangriff – Moderne Piraten

Er war wieder einmal „on tour“ – der Brückenbauer (lat. Pontifex) aus Rom. Diesmal ging es über den Teich und dort harrten einige tiefe Gräben der Überbrückung. Zunächst einmal war da der eigene Laden der katholischen Kirche USA, die von einem jahrzehntelangen Pädophilieproblem in den Reihen der Hirten heimgesucht worden war. Ein von Zuhören und Mitfühlen geprägtes Treffen des Mannes aus Marktl am Inn mit Opfern brachte den versöhnenden Durchbruch. Weniger versöhnlich war es zuvor im Weißen Haus, wo Noch-USA-Primus Bush sich die Ohren für den Irakkrieg lang ziehen lassen musste. Ein Besuch bei der UNO samt Plädoyer für ein neues (menschlicheres) Völkerrecht und die Bitte um Vergebung für die 9/11-Bomber am Ground Zero zeigten, wie man Politik auch machen kann. Von wegen: No country for old men.


Weil wir gerade bei den älteren Semestern sind: McCain zieht davon und das Duell Obama-Clinton entwickelt sich zum „mud wrestling“. Obamas Nimbus des jungen Unverbrauchten zerfällt zusehends. Kein Wunder, muss er sich doch gegen die Tiefschläge von Hillary wehren. Und Augenhöhe scheint hier vor allem auf dem Level der untersten Schublade stattzufinden. Wer sich übrigens von Hillary mehr globales Fingerspitzengefühl erwartet hatte, den dürfte deren Drohung zur Auslöschung (!) des Iran wie ein böser Traum vorkommen.


Oleee, oleee, olee, olee – so schallt es nicht nur in den Fußballarenen der Republik. Nein, wenn alles gut geht, dann wird es wohl auch demnächst so aus der Fraktion der Grünen im Hamburger Senat klingen. Zuvor rivalisierende Fanclubs mit schwarzen und grünen Schals haben sich zu Deutschlands erster schwarz-grüner Koalition auf Länderebene vereint. Ole macht’s möglich, Kurt Beck rast vor Zorn und Guido W. versteht die Welt nicht mehr. Die Bundeskanzlerin macht auf cool und sagt, dass eine solche Affäre nichts an der Treue zum (Wunsch)partner FDP ändere. Aber eigentlich ist man doch mit der guten alten Tante SPD verheiratet?


Und die SPD? Die setzt nun sogar der eigenen Justizministerin zu. Frau Zypries nämlich war sich nach monatelangem Streit endlich mit dem Kollegen Schäuble über ein neues Sicherheitsgesetz einig geworden. Und in diesem Gesetz soll nun all das dem Bundeskriminalamt erlaubt werden, was bislang bereits allen Ländern zwischen Kattegatt und Zugspitze erlaubt war, inklusive Kameraüberwachung im Wohnraum. Soll das heißen es war nur viel Lärm um nichts? Irgendwie scheint zumindest die Kommunikation in der SPD zwischen Regierenden und der Basis störungsanfällig zu sein. Kein Wunder, dass Schäuble das muntere Treiben lächelnd genießt.


Genuss pur verspricht in der Regel auch ein Segeltörn. Nicht so vor der Küste Ostafrikas, wo die Piraterie jeden hollywoodschen Jack Sparrow zum Komparsen verkommen lässt. Warlords, Mafiabanden und Untergrundkämpfer zugleich haben die Meere wieder entdeckt. Piraten sind unterwegs, ohne Totenkopfflagge, aber mit Satellitennavigation, Schnellbooten und jeder Menge Waffen. Die Welt traut ihren Augen nicht und ringt nach Antworten und Gegenwehr. Ostsee und Nordsee sind aber noch sicher und Klaus Störtebecker lebt nur am Biertresen weiter.