War was?

:: Die Woche :: 18.07. - 24.07.2008

Karadzic – Obama – Continental – China – Klopp und Klinsi

Wer hat ihm eine neue Identität verschafft? Wer hat ihm so viele Jahre geholfen, unerkannt zu bleiben? Wie konnte er sich so lange Zeit frei in der Öffentlichkeit bewegen, ohne dass ihm etwas passierte? Der mutmaßliche Kriegsverbrecher Karadzic wurde gefasst und ist nun auf dem Weg nach Den Haag. Weder Wut noch Empörung müssen sich seine Helfer aussetzen – weil die Freude um Karadzics Festnahme überwiegt und Respekt vor der serbischen Regierung. Letztlich haben einmal mehr kalte ökonomische Interessen (EU-Beitrittsperspektive) gesiegt – diesmal über einen reaktionären ethnischen Nationalwahn.


Obama in Bagdad, Obama in Israel. Und schließlich in Berlin. Nach seiner Rede vor der Siegessäule wird er von manchen bereits als der neue Weltpräsident gefeiert. Andere sind da weniger euphorisch und sehen in seinen Worten vor allem Taschenspielertricks. Wie auch immer: Wir brauchen uns nichts vormachen, wir sind nur Staffage für seinen US-Wahlkampf (und damit seine Berlin-Rede auch zu US-Tageszeiten übertragen werden kann, war sie auf deutschem Boden für den Abend vorgesehen.) Hingehen oder nicht – fragten sich die Berliner - oder: Ist das was für Anspruchsvolle oder nur für Statisten? „Was erlaubt sich eigentlich dieser Herr Obama“, hinterfragte die ZEIT und sieht im deutschen Jubel um den amerikanischen Gast unser demokratisches Bewusstsein flöten gehen. Nun, möglicherweise war es ja auch ein stückweit der Wunsch nach Charisma, den die Menschen auf die Obama-Fanmeile trieb.


Bei der jüngsten Übernahmeschlacht geht es zur Abwechslung mal nicht um eine Heuschrecke, sondern um eine listige Witwe, die sich mit ihrem Familienunternehmen einen dreimal größeren Mitwerber einverleiben will. Und was kann Continental gegen die feindliche Übernahme tun? Sich einen „weißen Ritter“ suchen, die „Pacman-Strategie“ oder die „Kronjuwelen-Strategie“. Wenn gar nichts geht, hilft dann vielleicht noch die „Giftpille“. Conti hat das aktuelle Angebot von Schaeffler abgelehnt – doch zu Ende ist das Spiel noch lange nicht. Frau Schaeffler kann nun ganz legal durch die Hintertüre „schleichend“ Conti-Aktien kaufen. Was hat sie vor? Sie sagt, sie wolle weder den Conti-Konzern noch Arbeitsplätze zu zerschlagen. Also reine Lust auf Größe und Macht? Warten wir's ab.


Die nur noch kurze Zeit bis zu den olympischen Spielen „im Reich der Mittel“ sollten wir nützen, uns schon mal darauf einzustellen, dass es weniger um den Sport gehen wird als vielmehr um Doping, Anabolika, Epo und vermutlich auch Doping-Anschläge. Wie wollen wir künftig damit umgehen? Das Interesse an großen Sportwettkämpfen und deren TV-Übertragung verlieren? Das Dopen ignorieren und unkritisch mitjubeln? Resignieren und allen Sportlern – egal welcher Nationalität, welcher Sportart - misstrauen? Oder auf die Selbstreinigung des Sports hoffen – denn: hier geht es auch um „Ethik, Pädagogik und Erziehung“, wie der Dopingexperte Schänzer sagt.


Schänzer sagt auch: „Sport hat eine erhebliche gesellschaftliche und soziale Funktion.“ Und deshalb interessiert uns Sport hier so sehr. Und darum darf auch das Duell „Klopp gegen Klinsi“ nicht unerwähnt bleiben. Das nämlich versprach: sprühender Optimismus trifft schwäbische Gründlichkeit – und fast trat dabei das Spiel selbst in den Hintergrund. Auf jeden Fall gibt es nun frischen Wind in der Bundesliga, stehen doch beide auf ihre jeweils ganz individuelle Weise für modernen Fussball.