War was?

:: Die Woche :: 18.09. - 24.09.2009

Ja, so warns, ja so warns ... - Club der Sprücheklopfer - Strichcode bei Facebook - 11 Freundinnen

Können Sie sich vorstellen, wie in 300 oder 500 Jahren die studentische Jugend über die gegenwärtigen Verhältnisse ihre Liedchen dichten wird, quasi in Analogie zur studentischen Volksweise "Ja so warns die alten Rittersleut"? Geht man in den letzten Tagen und Wochen mit hellwachen Augen durch die Straßen deutscher Selbstzufriedenheit und im Bemühen, den Sinn hinter der ganzen Veranstaltung "Wahl" zu erkennen, so sind die roten, gelben, grünen oder blauen Wegweiser zwar nicht zu übersehen - aber auch nicht zielführend. Analytischer und geradezu unschuldig wahrheitsbeflissen kommt da das Werbeplakat der Lucky Strike daher, die in schnörkelloser Bildsprache Monarchie, Demokratie und Anarchie darstellt. Während Monarchie und Anarchie in ihrer verknappten Darstellung noch ein wissendes Lächeln provozieren, reibt sich die Betrachterin ob der Darstellung der Demokratie verwundert die Augen: Ist unser demokratisches Selbstverständnis tatsächlich derart eindimensional, hierarchisch definiert wie in der Abbildung der 4 Zigarettenschachteln, die auf 6 anderen Zigarettenschachteln stehen, zu sehen ist? Befragen Sie sich selbst - wie empfinden Sie d i e -  unsere, repräsentative Demokratie? Dass die Wahl 2009 nurmehr eine farbige Interpretation der Belanglosigkeit und Unverbindlichkeit darstellt, die sich seit den Tagen eines Helmut Kohl und eines Gerhard Schröder beständig und lautlos in unsere Gesellschaft ätzen, konnten wir live und in Farbe miterleben. Geradezu ernüchternd erleben wir, dass jede Gelegenheit genutzt wird, der Unverfänglichkeit zu frönen.

 

Als König der Könige angekündigt - eher bekannt als König der Wüste - als König also, trat er an das Rednerpult der Vereinten Nationen und als  verzettelte Peinlichkeit verließ er es nach knapp 1 1/2 Stunden wieder. Gäbe es nicht das Fernsehen und das Internet, würde kaum einer von seiner Rede berichten können. Denn der eh schon dünn besetzte Saal der UN-Vollversammlung leerte sich nach 15 Minuten der üblichen Redezeit zusehends. Die Klage über die Diskriminierung von Zeltbewohnern, das Zerreißen der UN-Charta, die Großen unterdrücken die Kleinen - das war nur Provokation ohne Inhalte. Zudem wird es den Wüstenkönig geschmerzt haben, dass er selbst den Boden bereitet hat für die Gesinnungsgemeinschaft mit dem Bauernprinzen aus Persien. Ahmadinedschad muss seinen innerlich angestauten Hetz- und Hasstiraden gegen Juden, den Finanzkapitalismus, die USA und ihre Verbündeten mittlerweile ebenso nachgeben wie andere dem Harndrang nach einem Tag auf den Wiesn. Eine knochentrockene Performance und eine Rhetorik wie der Schutzpatron aller Holocaustverleugner und Weltherrschaft-der-Juden-Phantasten - das ist unerträglich und sonderbarerweise auch bemitleidenswert. Was bleibt, ist die Frage, wie es den UN-Mitgliedsstaaten gelingt, souverän und differenziert auf die Versuche der Ausgrenzung und Zersplitterung von Gaddafi und Ahmadinedschad zu reagieren. Und wie die G-Staaten (von G1 bis G20) dies als Impuls aufnehmen, einen Ausgleich der Interessen und Verantwortlichkeiten zwischen den Mitgliedsstaaten der UN zu finden.

 

Huuuhh - gruselig klang das schon, als zwei Absolventen des MIT in einem Interview mit dem Boston Globe von einer Software sprachen, mit der sie anhand der Freundesliste in Facebook die sexuellen Neigungen des Facebook-Mitglieds bestimmen könnten. Quasi ein Strichcode in Facebook. Pling - Sie sind schwul. Dass Facebook dem Benutzer Vorschläge zu interessanten Freunden macht, ist da letztendlich nur ein i-Tüpfelchen auf die Paranoia, die sich zwangsläufig bilden muss. Pling - folgende lesbische Frauen haben folgende Kontakte: ... . Dabei hat's Frau Aigner noch g'sagt - Vorsicht im Umgang mit persönlichen Daten. Aber wie krude und verquer wir als NutzerInnen des Internet, der Öffentlichkeit und des Intimen agieren müssen - dies scheint keinem eine Notiz wert zu sein. Dass es in unserer aufgeklärten Welt vollkommen ohne Belang sein sollte, welchem Geschlecht man zugeneigt ist, ob man am Wochenende lieber bowlen, Nase bohren oder ins Museum geht. Ist das Internet also kein Ort mehr unkonventioneller, anarchischer Lebenskultur, ist die Virtualität des Netzes der Netze nunmehr eine schicke Hülle um eine ach so reale und banale Welt? Zumindest verliert das Internet immer mehr den Charme des ungezähmten, unberechenbaren Organismus, dessen evolutionären Inkarnationen (Web, Blog, Twitter, Social Networks) der genetischen Manipulation leider nicht widerstehen können, die in klebrigen Dosen durch die Marketing- und Kommunikationsserviceagenturen verabreicht werden.

 

Falls es Ihnen nicht aufgefallen war - Deutschland ist Fußball-Europameister. Und dafür kann sich Mann schon mal ein neues Magazin gönnen - 11Freundinnen. Als Beilage zu den 11Freunden. Liegt den Männern (..ähm..) quasi bei. Also noch ein Frauenmagazin. Die 11Freundinnen werden sich wohl wie MissTilly weniger mit Diäten, Beauty-Tipps oder Modetrends beschäftigen. Wem das 11Freunde-Fußball-Magazin bekannt ist, wird sich schon die Hände reiben. Denn genau recherchierte Geschichten weitab vom glamourisierten Fußball auf Ferengi-Niveau sind nur ein Markenzeichen des 11Freunde-Verlags. Ein wenig Geschmäckle hat die Sache doch: Würde die Weltmeisterschaft im Frauenfußball 2011 nicht in Deutschland stattfinden, würden wohl die erfolgreichsten FußballerInnen Europas und der Welt wohl noch einige Jahre warten dürfen auf ein eigenes Magazin.