War was?

:: Die Woche :: 19.02. - 25.02.2007

Italiens Regierungskrise und Prodis Taktik. Ein Zug-Attentat in Indien wird zur Reifeprüfung. Stoiber macht sich endgültig zur Lachnummer der Nation. Frischluft für Europa. Kriegen wir eine Umwelt-Autosteuer? Deutsche Gebärmaschinen kontra kastrierter Kater. Unrühmliches Ende für BenQ. Ein „Grantler“ findet seine letzte Ruhe.

Von: Bärbel Kerber, Foto: photocase.com

vom 26.02.07

Regierungskrisen in Italien sind ja nichts Neues. Nun schmeißt Italiens Ministerpräsident Romano Prodi sein Amt hin, weil er mit seiner Außenpolitik im Senat eine Abstimmungsniederlage erfuhr. Dann einen Tag später schon sagt er, er wolle doch wieder. Alle Linke atmen auf und sichern ihm schon mal seine Stimmen zu. Aus Angst vor einer Rückkehr Berlusconis, der bei einer Wiederwahl gute Chancen hätte, lassen sich die Bündnispartner von Mitte-Links einen 12-Punkte-Plan vorsetzen und akzeptieren, dass Prodi künftig in Streitfällen das letzte Wort behält. Ein Schelm, der nun denkt, Prodi hätte seinen Rücktritt nur inszeniert.


Die verfeindeten Länder Indien und Pakistan meinen es ernst mit dem Frieden. Und da tut selbst ein grausames Terrorattentat auf einen Personenzug zwischen Lahore und Delhi keinen Abbruch. 68 Menschen sterben. Doch „jetzt erst recht“ scheint die Devise der Regierungen, die unbeirrt an ihren Friedensverhandlungen festhalten.


Es war sein letzter großer Auftritt bevor er im Herbst aufhört und wurde zum Stoiber-Festival am “längsten Stammtisch der Welt“. Edmund Stoiber fühlte sich so überlegen, er strahlte, triumphierte und plauderte ohne Unterlass beim politischen Aschermittwoch in Passau. Seine Anhänger haben ihm den Rücken gestärkt und seine Widersacherin Gabriele Pauli ausgebuht. Das stieg Stoiber offensichtlich so zu Kopf, dass er sich – mal wieder – einen gehörigen verbalen Patzer erlaubte und von dem „US-Präsidenten Breschnew“ sprach. Mit dieser Peinlichkeit sagen wir „Lass gut sein, Stoiber, und lieber andere ran.“


Die Umweltminister der 27 EU-Länder einigen sich darauf, bis im Jahre 2020 den Treibgasausstoß um 20 Prozent zu senken. Während die einen das als großen Erfolg feiern, sind andere von dem Ergebnis enttäuscht. Ohnehin müssen erst noch die einzelnen Regierungschefs zustimmen. Außerdem ist momentan weder festgelegt, wie das alles umgesetzt werden soll, noch ist geklärt welches EU-Land wieviel beitragen soll. Da wird es noch viel Gezerre geben.


Im "Club der Klimaschützer" angekommen? Weg mit der Dreckschleuder heisst es auch bald auf deutschen Strassen, denn wir diskutieren tatsächlich eine umweltgerechte Autosteuer. Statt der bisherigen Kfz-Steuer, die am Hubraum ausgerichtet ist, halten Wolfgang Tiefensee und die Bundesregierung es endlich auch für sinnvoller, eine CO2-Steuer einzuführen, deren Höhe davon abhängt, wieviel schädliche Abgase der Wagen produziert. Das Pikante daran ist: Wenn diese Steuer tatsächlich wirkt und die Leute zu emissionsarmen Autos wechseln, gibt es weniger Steuereinnahmen. Da die Kfz-Steuer den Ländern zusteht, wollen die jetzt ganz rasch einen Steuertausch. Auch inwieweit es die Bürger ungleich belastet und sozial verträglich ist, wird thematisiert. Allerlei Modelle werden durchgedacht, aber ein Anfang ist gemacht.


Der Aufruhr um Ursula von der Leyens Krippenpolitik geht in die 2. Runde und wird zunehmend zum Boulevardtheater. Inzwischen mischen sich Kirchenvertreter ein – so der Augsburger Bischof Mixa, der behauptet, wenn Kinder schon mit einem Jahr in die Krippe abgegeben werden, degradiere das die Mütter zu „Gebärmaschinen“. SPD-Chef Kurt Beck holt zum verbalen Gegenschlag aus und vergleicht Mixa mit einem „kastrierten Kater“. Na, wenigstens sind wir nun alle gut unterhalten.


Aus für BenQ Mobile in Deutschland und damit für 3.000 Arbeitsplätze. Das war einmal die Handy-Sparte von Siemens, die 2005 für ein „Appel und 'n Ei“ an den taiwanesischen Konzern BenQ abgegeben wurde (tatsächlich hat Siemens sogar BenQ Geld gezahlt, dass diese ihnen die marode Handytochter abnehmen). Dann, September 2006 meldete BenQ Mobile schon Insolvenz an. Bis jetzt wurde fieberhaft ein Käufer gesucht, der BenQ weiterführen könnte. Nun hat der letzte Interessent abgewunken. Das Unternehmen soll jetzt in Einzelteile zerschlagen und abgewickelt werden.


Schriftsteller, Verleger und Kunstsammler Lothar-Günther Buchheim ist gestorben. Dass der "Poltergeist von Feldafing" in einem Sarg, der einem U-Boot nachempfunden ist, beigesetzt wird, ist nur ein Gerücht.