War was?

:: Die Woche :: 19.04. - 25.04.2010

Neue Männer braucht das Land - Anti-Feminismus - Ein taktisches Manöver? - Gipfelfrauen

Was war es, das unsere Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend dazu getrieben hat, einen Vorschlag zu platzieren, der so gar nicht dem Sparwillen der Bundesregierung entspricht. Als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme arbeitslose Männer zu Erziehern umschulen zu lassen, inklusive angemessener Vergütung - das wird die eine oder andere freigesetzte Erzieherin etwas gefährlich dreinblicken lassen. Aber nicht nur arbeitslose Erzieherinnen werden das Interview Frau Schröders mit gewissem Befremden gelesen haben. Auch die Gewerkschaften und Verbände der Pädagogen, die seit Jahren eine Ausbildung für Erzieherinnen auf Fachhochschulniveau fordern, werden  irritiert über den Vorschlag der Ministerin sein. Schließlich bedeuten gut ausgebildete Fachkräfte eine Entlastung des bereits tätigen Personals. Der Apfel wird den Ländern und Kommunen natürlich besonders sauer schmecken. Müssen die Länder das Fachhochschulniveau der Ausbildung finanzieren, dürfen die Kommunen die steigenden Lohnkosten auffangen. Nur um Mißverständnisse zu vermeiden: Die Vorschläge der Ministerin sind ausgesprochen begrüßenswert. Aus Gründen der Geschlechtergerechtigkeit macht es natürlich durchaus Sinn, auch Mädchen und Frauen diese beruflichen Perspektiven zu gewähren. Ach und- was die frauendominierten Kindergärten und Grundschulen betrifft - leider hat diese Dominanz es nicht geschafft, Krieg als letztes Mittel der männerdominierten Politik aus eben dieser zu verbannen.

 

Während es für die einen nicht weit genug geht, ist für andere das Fass längst übergelaufen. Erbittert kämpfen so manche Männerrechtsgruppen gegen die Folgen der Emanzipation und gegen die Unterdrückung des Mannes. Dabei herausgekommen ist gerade mal wieder ein Buch, eine Anti-Feminismus-Website und eine weitere MännerPartei. Ob das nun ein Einzelphänomen, ein Gassenhauer oder gar echter „Tabubruch“ wird, wird sich zeigen müssen. Der Titel des Buches "Zurück zur Frau - Weg mit den Mannsweibern und Vogelscheuchen" zeigt, wohin zumindest bei diesem Autor die Entrüstung geht: Da möchte einer den Frauen den Weg zurück „zu ihrem Wesen“ weisen – und das Wesen ist für ihn ein hübsch ausstaffiertes und herausgeputztes Frauchen. Nun, da wollen wir hier mal die These wagen, dass die meisten Frauen auf seine Hilfe verzichten möchten. Und die anderen? Fühlen sich benachteiligt und kämpfen gegen „einseitige Gleichstellung“ der Frauen auf Kosten der Männer.

 

Es wäre ja auch fast zuviel des Guten gewesen. Eine Quotenfrau in 3 verschiedenen Wertungen - als Frau eben, ganz klar. Als integrierte Migrantin. Und dann noch als Muslima in der CDU. Quasi ein Qualitätsprodukt deutscher Leitkultur. Nach ihrem Interview im Focus und der bösen, bösen Forderung, Symbole christlicher Religiosität aus deutschen Klassenzimmern zu entfernen, hat Frau Aygül Özkan eigentlich keine Kratzer im Lack - die anfängliche Skepsis, sie würde nur der o.g. Quotierung entsprechen und ansonsten wäre das alles ein wahlkampftechnisches Kabinettstückchen, hat sich als sehr heiße Luft erwiesen. Denn Frau Aygül Özkan wird sicherlich nicht das letzte Mal eine Meinung vertreten haben, die auch den weltoffensten Teilen der CDU den politischen Atem verschlagen wird. Immerhin hat sie nicht empfohlen, die Kirchensteuer abzuschaffen.

 

Männlein wie Weiblein stehen sich offensichtlich auch in nichts nach, wenn es um die Gipfeljagd im Himalaja geht. Somit steht bald die erste Frau fest, die alle Achttausender dieser Erde zuerst bestiegen hat. Man könnte es „das große Finale der Emanzipation“ nennen. Oder schlicht einen idiotischen Wettlauf in einem Sport, der nicht nur deshalb Wettkampf nicht verträgt, weil es in der Todeszone nun mal verdammt lebensgefährlich ist, sondern auch, weil es im Alpinismus doch eigentlich um etwas anderes als nur ein „Höher, schneller, mehr“ geht. Man könnte natürlich dazu sagen, das zu glauben, sei hoffnungslos verklärt-naiv. Fakt aber ist, am Ende stehen sich hier zwei Stilarten und Haltungen gegenüber, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Will man/frau Extrem-Bergsteigen als Lebenstraum oder als Job betrachten, es aus Begeisterung oder als Hochleistungssport betreiben? Eun-Sun steht für die eine Haltung, Pasaban bis vor kurzem noch für die andere (inzwischen scheint auch sie vom Ehrgeiz gepackt). Nun, jedenfalls hatte die Südkoreanerin ihren letzten 14. Topp-Gipfel für Sonntag anvisiert. Hätte ihr das Wetter nicht den Termin vermasselt, wäre sie definitiv der Spanierin zuvorgekommen. Jetzt ist noch mal alles offen.