War was?

:: Die Woche :: 19.09. - 25.09.2008

Short Run - Long Run - Let it go, baby - No way out

Dachten alle, die Messen wären gesungen, das Geld verprasst, die Liebe verflogen - nämlich die Sache mit der IKB, der KfW und der IIB -, da kalauert sich die Finanzwelt und alle angeschlossenen und freien Märkte mit Hiobs-Botschaften durch die Welt, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Da präsentieren ein Finanzminister und ein Notenbankchef eine Geldpaket-Vorlage über 700 Mrd. Dollar wie eine pralle, ungeöffnete Tüte knackiger Chips, die sobald die Tüte geöffnet ist, sofort an Wirkung und Geschmack verliert. Der fade Beigeschmack kommt übrigens daher, dass der umgehende Spruch "Gewinne kapitalisieren - Verluste sozialisieren" angesichts der jüngsten Entwicklungen sich von seiner ideologischen Sozialisation emanzipiert hat.

 

Die Luther-Dekade wurde eröffnet. 2017 feiert die evangelische Kirche den Beginn der Reformation und die Stadtväter Wittenberges samt angeschlossener landes-und bundespolitischer sowie gesamtdeutscher Repräsentanz nahmen das Jubiläum zum Anlass, die touristisch noch belastbare Region der Frühaufsteher der geneigten Öffentlichkeit zu präsentieren. Wie sagte unser Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble aber so schön in seiner sehr lesenswerten Eröffnungsrede: "Jubiläen sind eine nicht ungefährliche Sache, sie verleiten, wenn ich das so sagen darf, zum Jubeln." Luther und die Reformation in Deutschland - das gereicht immer zu einer imposanten Projektionsfläche. "Für den Erfolg der Luther-Dekade wird alles darauf ankommen, dass wir die Erinnerung in den Horizont der Herausforderungen stellen, vor denen Christen und besonders Protestanten heute stehen." Zu hoffen ist, dass die politischen Verantwortungsträger des Landes aufmerksam zugehört haben, um derselben gerecht zu werden. Sonst feiert das Land letztendlich sein Jubiläum 2017 unter der Ägide des rechten Randes.

 

Die Gesundheitsreform ist komplett. Medikamente kosten nicht weniger, Ärzte kosten nicht weniger, Krankenhäuser kosten nicht weniger. Der Krankenkassenbeitrag aber steigt. Anders gesagt - bei der Gesundheitsreform wird frei nach dem Umverteilungsprinzip dem gemeinen Bürger, platt gesagt, das Geld aus der Tasche gezogen und einigen wenigen die Bilanzen gerettet. Ganz so einfach ist es natürlich auch nicht, denn die medizinische Versorgung der gesamten Bevölkerung eines Gemeinwesens ist weder in der EU noch in der Welt ein allgemeines Gut. Die Kostensteigerungen bei Krankenhäusern und der ärztlichen Versorgung werden denn auch gern zum Anlass genommen, um dem hohen Versorgungsstandard im Lande abzuschwören. Von allem zu viel, zu groß, zu gut. Klein, aber fein. Vielleicht sollte der eine oder andere seine Rechenspiele und Beschwörungstheorien beiseite legen und den Blick nicht allzu weit in die Ferne, z.B. nach Ungarn, schweifen lassen. Auch hier wurden die Subventionen gekürzt, die Bettenanzahl gewaltig reduziert, die Krankenkassenbeiträge stetig gesteigert. Und ein Ende scheint nicht absehbar. Der Versorgungsgrad der Bevölkerung dagegen erreicht quartalsweise neue Tiefststände.

 

Die täglichen Meldungen von Toten im Irak, die Bombenexplosion in Islamabad, die nicht endenwollenden Kämpfe in Afghanistan, der stagnierende Friedensprozess zwischen Israel und Palästina zeigen: Die westliche Außenpolitik hat gründlich versagt. Der "Krieg gegen den Terror" hat neue Probleme geschaffen und die alten nicht gelöst. Dabei haben die USA in acht Jahren Bush-Regierung ihr Vertrauen vor Ort verspielt. Doch was erwartet die Region unter dem nächsten US-Präsidenten? Eine so dringend nötige essentielle Umbewertung der Nahostpolitik ist weder unter Obama noch McCain zu erwarten. Beide stehen im Grunde für eine militärische Lösung. Dabei wäre endlich Mut für neue Ideen gefordert.