War was?

:: Die Woche :: 20.07. - 26.07.2007

Todesstoß für die Tour de „Farce“. Klinkenputzen bei Gaddafi. Die Türkei wählt neu ihren Erdogan. Rätselraten in Afghanistan um deutsche Geiseln. Blairs Nettigkeiten in Nahost. Die Deutsche Bahn vor der Privatisierung. Ulrich Mühe ist tot.

 

Die Tour de France ist zur Farce verkommen – für manche ist sie nun sogar gestorben. Kaum ein Tag verging ohne neue Dopingfälle. Sinkewitz, Winokurow, dann Moreni - das großartigste Radrennen der Welt verkam zur Skandaltour der Junkies. Jetzt wurde der Träger des gelben Trikots und Tour-Spitzenreiter Michael Rasmussen von seinem Team Radobank rausgeworfen – weil er sich um Dopingkontrollen getrickst hatte. Und so haben nun wenigstens die Ungespritzen eine Chance.


Wird Gaddafi etwa wieder salonfähig? Das wäre ein starkes Ding, wenn ein solches Propaganda-Stück um die angeblich von bulgarischen Krankenschwestern gezielt mit HIV infizierten Kinder derartige Wirkung hätte. Zuerst gabe es Todesurteile, dann doch die Freilassung – und alle schauen plötzlich dankbar nach Libyen. Nun, auch Frankreichs Präsident Sarkozy spannte die Angelegenheit medienträchtig für sich selbst ein, und schickte Ehefrau Cecilia zum Vermitteln – sehr zum Ärger der halben EU. Jedenfalls klappte es und dafür will Libyen nun gekuschelt werden Die EU lässt sich darauf ein, Frankreich sowieso. Die Gründe sind wie immer politische und wirtschaftliche Interessen, die über manches Verhalten eines Despoten hinwegsehen lassen.


Es war der ganz große Sieg für Ministerpräsident Erdogan. Er kann auch weiterhin die Türkei alleine regieren. Seine islamisch-konservative Partei AKP kam auf rund 47 Prozent. Die Türken waren zu Neuwahlen an die Urnen gebeten worden und viele unterbrachen dafür sogar ihren Urlaub. Warum das konservative Lager so deutlich gewonnen hat, obwohl in der Türkei die Angst vor einem zu starken religiösen Einfluss in der Politik umgeht (schließlich war diese Angst der Grund für die Putschdrohung des Militärs und die vorgezogenen Neuwahlen)? Vermutlich weil das Volk Erdogan und seiner Partei eher zutraut, die wirtschaftlichen Probleme des Landes zu lösen. Und Erdogan hat es verstanden, glaubhaft zu machen, dass er die säkulare Verfassung ernst nimmt. Gleichzeitig war das Votum eine deutliche Absage der Menschen an das Machtgehabe und Säbelrasseln des Militärs.


In Afghanistan wurden zwei Deutsche verschleppt – einer der beiden ist inzwischen tot und zurück nach Deutschland überführt. Von dem zweiten Deutschen weiß man: er ist geschwächt, aber er lebt. In das Geiseldrama mischte sich die Verwirrung um die Entführung weiterer Menschen – so z.B. eines angeblichen stern-Reporters, der sich dann als dänischer Journalist entpuppte und wieder frei ist. Gleich danach hat ein hochrangiger Taliban dazu aufgerufen, Ausländer aller Nationen in Afghanistan zu entführen. Experten sagen, die Taliban spielt geschickt mit den Medien und hat dabei nur ein Ziel: die Stimmung in Deutschland so zu beeinflussen, dass daraus der Ruf der Öffentlichkeit nach einen Rückzug aus Afghanistan entsteht.


Es war sein erstes Mal: Blair durfte ganz offiziell in seiner neuen Rolle als Sondergesandter des Nahost-Quartetts (UN, EU, USA und Russland) in den Nahen Osten fahren und Händeschütteln – denn sehr viel mehr war nicht. Er kam zu Gesprächen mit Abbas, Olmert und Peres und um "zuzuhören, zu lernen und nachzudenken". Und so blieb es beim Austausch von Artigkeiten und Unverbindlichkeiten.


Bahn frei für die Privatisierung der Bahn? Noch nicht ganz. Erstmal hat das Bundeskabinett die Teilprivatisierung beschlossen: Wenn es nach seinem Willen geht, wandern Ende 2008 ein Viertel der Deutschen Bahn in private Hände. In einem zweiten Schritt dann ein weiteres Viertel. Aber erstmal wird ordentlich gestritten – es wird befürchtet, dass unrentable Strecken im ländlichen Raum still gelegt werden könnten und es um die Infrastruktur künftig schlecht bestellt sein wird. Ausserdem befürchten manche einen billigen Ausverkauf von wertvollen Immobilien und das Verschleudern von Volksvermögen. Und es ist vielen ein Dorn im Auge, dass das Schienennetz weiter dem Bund gehören soll. Bevor es Ernst wird, muss das neue „Gesetz zur Bahnprivatisierung“ ohnehin erst durch Bundestag und Bundesrat.


Ulrich Mühe ist gestorben – der Schauspieler der deutschen Einheit, wie ihn manche nannten. Für die meisten Westdeutschen war er ein herausragender Schauspieler in „Das Leben der anderen“. Für viele Ostdeutsche war Mühe mehr. Sie haben ihn als Studenten in beeindruckenden Inszenierungen am Deutschen Theater gesehen, haben verfolgt, wie er auch im neuen Deutschland Erfolg hatte, bis hin zum Lorbeerkranz des Films. „Und nun ist er tot, so leise verschwunden, wie er oft in sich hineingelächelt hatte.“