War was?

:: Die Woche :: 20.11. - 26.11.2006

Jugendlicher Amokläufer in Deutschland heizt erneut Debatte um Killerspiele an. Filmreifer Mord an russischem Ex-Spion. Ja, Jein oder Nein zu NPD-Verbot. Ackermann und Esser kaufen sich frei. Papst Benedikt beschäftigt sich mit Kondomen. Axel Schulz bezieht Prügel. „The End“ für Hollywood-Genie Altman.

Von: Bärbel Kerber, Foto: photocase.com

vom 29.11.06

Ein 18-Jähriger in Emsdetten läuft Amok an seiner ehemaligen Realschule und verletzt mit seinen Schußwaffen acht Menschen. Sofort ertönt der alte Ruf nach einem Verbot gewalttätiger Videos und Computerspiele und nach strengeren Waffengesetzen.  Wie wenn eine solche Tat wirklich so einfach zu erklären und zu verhindern wäre.

 

Ein russischer Ex-Geheimdienstmann, Alexander Litwinenko, wird in London mit radioaktivem Material vergiftet. Er war berühmt und unbequem geworden durch allerlei Behauptungen über dunkle Machenschaften von Putin und dem KGB-Nachfolger FSB. Der russische Geheimdienst gilt deshalb als dringend tatverdächtig. Aber so ganz einfach ist das nicht. „Natürlich“ bezeichnet der Kreml den Mordverdacht als „groben Unfug“.

 

Das Verbot der NPD wird mal wieder debattiert, weil sie eben in Berlin ihren Parteitag abhielt. Doch fraglich ist nicht nur, ob das machbar ist, sondern auch was es bringt. Schon einmal ist der Versuch eines Verbotsverfahrens am Verfassungsgericht gescheitert und hatte die NPD eher noch gestärkt. Und ob ein Parteiverbot die rechte Gesinnung tatsächlich eindämmen kann, darf bezweifelt werden.

 

Geld gewinnt über Gerechtigkeit im Mannesmann-Prozess um Ackermann und Esser und die Frage, ob die beiden sich der Untreue schuldig gemacht haben. Um eine drohende Verurteilung (und mögliche Vorstrafen) von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zu verhindern, zogen seine Anwälte den letzten Trumpf aus dem Ärmel und boten Geld (ca. 3  Mio Euro). Der Chefankläger Lichtenberg nahm an, Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser stimmte zu und der Ablasshandel scheint perfekt. Voraussichtlich nimmt das Verfahren kommende Woche damit unrühmlich ein vorzeitiges Ende. Und in der Öffentlichkeit bleibt das schale Gefühl, mit genügend Geld könne sich jeder freikaufen.

 

Papst Benedikt XVI fragt sich, ob die katholische Kirche nicht endlich Kondome erlauben sollte. Natürlich nicht, um zu zügellosem Sex (vor-, außer-, nachehelichem) einzuladen. Wenn überhaupt, dann soll der Gummi nur bei tödlicher Gefahr (also Aids) als reines „Mittel der Not“ bzw. kleineres Übel übergezogen werden dürfen. Im Moment noch liest sich der Papst durch die eigens dafür angefertigete Verhüterli-Studie - immerhin ganze 200 Seiten…

 

Axel Schulz’ Comeback-Versuch im Boxring wird zum Debakel. Nach sieben Jahren Abstinez wollte er zeigen, was noch in ihm steckt. Das Ergebnis war sein technischer k.o. in der sechsten Runde und die Entscheidung von Axel Schulz,  nie mehr zu boxen. Er selbst erklärt sich die herbe Niederlage gegen den recht unbekannten Brian Minto durch ein geistiges Blackout, das ihn bei dem Weg von der Kabine zum Boxring überkam. Vielen wird jetzt Angst um Henry Maske, der es im März ´07 auch nochmal wissen will.

 

Regisseur Robert Altman ist gestorben. Er war Außenseiter, Querdenker und Hollywoodquerulant. Im Kampf gegen die effekthaschende Blockbuster-Manie der großen Filmstudios stach er hervor durch gesellschaftskritische Abrechnungen, scharfen Humor und gewagte Kameraeinstellungen. Er begann mit „Easy Rider“ und endete mit „A Prairie Home Companion“. Der unorthodoxe Fimemacher ist mit 81 Jahren gestorben – hier spricht er nochmal im O-Ton.